Nachrichten Deutschland – «Bei uns kommen alle warm durch den Winter» – Epoch Times Deutschland
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Deutschland

«Bei uns kommen alle warm durch den Winter»

Epoch Times Deutschland

02.01.2006

Der Europäische Markt bezieht ca. 25% des Gases durch Pipelines, welche durch die Ukraine führen. Gasdepot nähe der Ukrainischen Grenze, 2. Januar 2005 (Photo / AFP)
Der Europäische Markt bezieht ca. 25% des Gases durch Pipelines, welche durch die Ukraine führen. Gasdepot nähe der Ukrainischen Grenze, 2. Januar 2005 (Photo / AFP)

Düsseldorf - «Bei uns kommen alle warm durch den Winter.» Wintershall-Sprecher Michael Sasse wischte am Montag Ängste von Verbrauchern angesichts sinkender russischer Gaslieferungen vom Tisch. Die Einbußen bei den Lieferungen über die Ukraine könnten bis zum Frühjahr problemlos durch die Nutzung anderer Importrouten und der Speicher kompensiert werden, sagte er. Dabei ist Wintershall Deutschlands größter Importeur von russischem Erdgas und bezieht rund 70 Prozent seiner Liefermengen aus dem Riesenreich im Osten.

Und auch die anderen großen deutschen Gasversorger bemühten sich, die 18 Millionen Haushalte in Deutschland zu beruhigen, die inzwischen mit Gas heizen. «Wir sind gut gerüstet. Selbst bei einer weiteren Eskalation wird es nicht zu Liefereinschränkungen für Haushalte und Kleinverbraucher kommen», betonte E.ON Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann. VNG-Sprecher Markus Wild versicherte: «Wir haben Vorsorgemaßnahmen getroffen. Unsere Kunden bekommen das nicht zu spüren.»

Die beruhigenden Worte kamen zur richtigen Minute. Denn am Montag erreichten die Folgen des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine erstmals auch Deutschland. Die Gaslieferungen aus Russland durch die Ukraine hätten sich merklich verringert, berichtete Wintershall-Sprecher Sasse.

Glück im Unglück für die Verbraucher: Die derzeitigen Engpässe werden nicht zu einem weiteren Preisschub bei den ohnehin stolzen Gaspreisen führen. Schließlich bestimmen nicht Angebot und Nachfrage die Preisentwicklung beim Gas, sondern die zuletzt heftig kritisierte Ölpreisbindung.

Versorgungssicherheit gewinnt an Bedeutung

Doch ist der seit Monaten anhaltende Streit um den Gaspreis derzeit erst einmal der Diskussion über die Versorgungssicherheit gewichen. Die gegenwärtige Krise macht schlagartig deutlich, wie abhängig Deutschland von einer Hand voll Gas-Lieferländern ist. Russland allein liefert rund 35 Prozent des deutschen Gasbedarfs. Weitere 24 Prozent kommen aus Norwegen, 19 Prozent aus den Niederlanden, sechs Prozent aus Großbritannien und Dänemark. Gerade einmal 16 Prozent des Bedarfs kann Deutschland aus eigener Förderung decken.

Das russische Erdgas wird über ein rund 5.500 Kilometer langes Leistungssystem aus Westsibirien nach Deutschland transportiert. Rund 80 Prozent der für Westeuropa bestimmten russischen Erdgasmengen fließen dabei durch die Ukraine, der Rest über Weißrussland und Polen. Zur Sicherung der Versorgung haben die deutschen Gasimporteure langfristige Verträge mit dem russischen Versorger Gasprom geschlossen. Die Krise zeigt nun, wie anfällig dieses System dennoch ist.

Gedämpft werden die Folgen glücklicherweise durch 43 unterirdische Gasspeicher, in denen die deutschen Versorger eine Reserve von rund 200 Milliarden Kilowattstunden aufbewahren, auf die sie jetzt zurückgreifen können. Die Menge entspricht rund einem Sechstel des gesamten Jahresbedarfs. Langfristig könnte auch die geplante Ostseepipeline, die Deutschland direkt mit den sibirischen Gasfeldern verbinden soll, zumindest das Transportrisiko verringern.

Um die Abhängigkeit Deutschlands von den traditionellen Lieferländern zu verringern, setzen einige der großen Gasimporteure allerdings inzwischen auch noch auf eine andere Trumpfkarte: Flüssiggas. Dabei wird Erdgas bei minus 160 Grad verflüssigt und kann dann per Tanker auch über große Strecken transportiert werden. So bezieht Spanien Flüssiggas sogar aus Australien.

Deutschlands größter Energieversorger E.ON hat bereits mit Planungen für den Bau des ersten deutschen Anladeterminals für Flüssiggas begonnen. «Über das Terminal in Wilhelmshaven könnten wir Gas für fast drei Millionen Haushalte aus dem Nahen Osten sowie West- und Nordafrika beziehen», beschrieb Konzernchef Wulf Bernotat schon im November die Perspektiven. Dies werde die Versorgungssicherheit langfristig stärken. Und auch der ostdeutsche Konkurrent VNG prüft den Einstieg bei einem geplanten Flüssiggas-Terminal in Rotterdam.

Doch hat die Sache einen Haken: Zumindest bislang ist Flüssiggas noch deutlich teurer als Gas aus der Pipeline. (AP)

© 2006 The Associated Press. Alle Rechte Vorbehalten - All Rights Reserved

 

Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.

Folgen Sie uns auf Facebook , Twitter und Google+.

 
Anzeige
Anzeige