Foto: dapd/Frank Hormann
Berlin/Schwerin – Blinde Menschen haben nach Ansicht der Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands, Renate Reymann, auf dem Arbeitsmarkt noch immer nicht die selben Chancen wie Nicht-Behinderte. "Vor 100 Jahren ungefähr waren 22 Prozent der blinden Menschen im berufsfähigen Alter, die außerhalb von Anstalten lebten, berufstätig - häufig mit ganz geringem Einkommen", sagte Reymann der Nachrichtenagentur dapd. "Heute sind es circa 30 Prozent. Das ist also keine besonders große Steigerung."
Sehbehinderte Menschen kämpften häufig gegen Vorbehalte, sagte Reymann. "Es sind die Barrieren in den Köpfen, und es ist häufig auch das fehlende Wissen der Arbeitgeber, welche Art der Unterstützung und Leistung sie erhalten können, wenn sie blinde oder überhaupt behinderte Menschen einstellen." Probleme bereiteten aber auch Arbeitsplätze, die für Blinde ungeeignet seien, und fehlende finanzielle Mittel.
Verband: Es gibt nicht genügend Lehrer für blinde Kinder
Die 61-Jährige forderte die Politik auf, mehr für die Gleichstellung behinderter Menschen zu tun. Zu oft bleibe die Politik in "blumigen Wortwolken" stecken. "Wir lassen zu, dass manche Unternehmen nicht einmal die festgesetzte Quote von schwerbehinderten Menschen - bei Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen liegt sie bei fünf Prozent - erfüllen", kritisierte sie.
Schwierigkeiten gebe es auch bei der Ausbildung sehbehinderter Kinder. So gebe es nicht genügend spezialisierte Lehrkräfte. "Einmal hängt es damit zusammen, dass wir in Deutschland lediglich fünf Hochschulen haben, an denen man diesen sonderpädagogischen Studiengang belegen kann. Und zum Anderen landen nicht alle, die diese Ausbildung abgeschlossen haben, auch in diesem Arbeitsfeld." Hinzu komme, dass viele Schulen nicht auf die Bedürfnisse blinder Kinder eingestellt seien.
Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband feiert am Freitag sein 100. Jubiläum. Zum Festakt im Berliner Humboldt Carré wird auch Bundespräsident Joachim Gauck erwartet.
dapd
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