Aktuelle Nachrichten – Menschen & Meinungen
07.12.2010
Berlin – Angst vor dem Internet ist meist unbegründet und hemmt nach Experteneinschätzung Kinder und Jugendliche im Umgang mit Online-Medien. "Wenn man das Internet nur als Gefahrenzone bezeichnet, tut man den Kindern keinen Gefallen. Denn das Internet ist eines der leistungsfähigsten Kommunikationsinstrumente, das wir haben", sagte der Direktor des Hans-Bredow-Instituts, Uwe Hasebrink, am Montag in Berlin bei der Präsentation der Studie "EU Kids Online" in einem dapd-Gespräch.
Er wies darauf hin, dass der Studie zufolge nur zwölf Prozent der europäischen Kinder, die das Internet nutzten, online schlechte Erfahrungen gemacht hätten. "Dass es so wenig sind, hat uns auch sehr überrascht. Der öffentliche Diskurs in einigen Ländern ist deutlich besorgter, als es also nötig wäre", sagte Hasebrink. So gingen doppelt so viele Eltern davon aus, dass ihre Kinder bereits mit unangenehmen Inhalten in Kontakt gekommen seien.
Für die von der Europäischen Kommission geförderte erste europaweite Studie zur Onlinenutzung von 9- bis 16-Jährigen wurden über 23.000 Menschen in 25 Ländern befragt. Das Hans-Bredow-Institut ist deutsches Mitglied in dem Netzwerk EU Kids Online.
Hasebrink sagte, die Studie zeige, dass die Online-Welt keine eigene Sphäre darstelle. "Das alltägliche Leben der Kinder verlängert sich in die Online-Welt", sagte er. Kinder und Jugendliche, die auf dem Schulhof gemobbt würden, hätten mit diesem Problem auch online häufiger zu kämpfen. Diejenigen, deren Umgebung stärker sexualisiert sei, kämen auch im Internet schneller und häufiger mit pornografischen Inhalten in Kontakt. Das Internet sei keine eigene neue Welt, sondern die Fortsetzung der Offline-Welt.
Er wies darauf hin, dass Kinder immer früher im Netz surften. Die Jungen fingen bereits mit sieben Jahren damit an, Mädchen etwas später. Häufig nutzten Kinder Hör- oder Lernspiele. Die etwas Älteren machten mithilfe des Internets häufig Hausaufgaben. "Das Internet ist Bestandteil des Alltags von Kindern." Darauf müssten Eltern und Lehrer reagieren.
Der aufgeregte Diskurs über Internetregulierung sei jedenfalls kontraproduktiv, da diese sowieso nicht möglich sei, betonte Hasebrink. Gerade in Deutschland bewege man sich zwischen den Extremen: Entweder werde jeder geplante Regulierungsvorschlag sofort als Zensur kritisiert oder aber es herrsche übergroße Vorsicht und Furcht vor dem Medium.
Vielmehr müssten Kindern und Jugendlichen vorbereitet werden, mit welchen Inhalten sie in Kontakt kommen könnten, erklärte Hasebrink. Ihnen müssten Kompetenzen vermittelt werden, wie sie mit den für sie belastenden Inhalten umgehen könnten. Dafür benötigten sie zur Unterstützung vertrauensvolle Gesprächspartner. Eltern und Lehrer müssten entsprechend geschult werden.
(dapd)
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