Foto: © 2012 AP. Photographer: Julio Cortez/AP/dapd
New York – Als ob nichts weiter wäre, sind viele New Yorker am Montag in Wind und Wetter unterwegs. Sie joggen, führen den Hund Gassi, schieben den Kinderwagen durch den Nieselregen und schauen an der Südspitze Manhattans interessiert zu, wie das Wasser schäumt und steigt und über das Ufer schwappt. Nur Stunden noch, bevor Hurrikan "Sandy" die größte Stadt der USA mit voller Wucht treffen soll und womöglich eine über drei Meter hohe Welle durch die Straßen drückt.
"Lassen Sie sich nicht täuschen. Schauen Sie nicht aus dem Fenster und sagen, sieht doch gar nicht so schlecht aus", warnte Gouverneur Andrew Cuomo. "Das Schlimmste kommt erst noch."
Es ist das zweite Mal binnen 14 Monaten , dass New York City sich auf ein Szenario einstellt, das Wetterforscher schon lange fürchten: ein mächtiger Hurrikan trifft die Stadt oder ein wenig weiter südlich auf die Küste, sodass die gegen den Uhrzeigersinn rotierenden Luftströmungen das Wasser meilenweit an die dicht besiedelte Küste drücken. Vor über einem Jahr war Hurrikan "Irene" schließlich als Tropensturm über Coney Island hereingezogen. Das Wasser stieg um gut 1,20 Meter und überspülte Teile der Südspitze Manhattans, die große Katastrophe aber blieb New York erspart.
Ausharren im 15. Stock
Jetzt haben die Fluten den gleichen Pegel erreicht, und "Sandy " ist noch nicht da. Am Hafen an der South Street sammeln sich Schaulustige, bis die Polizei sie fortscheucht. Die Brüder Justin und Adam Rashbaum knipsen den schäumenden East River und sind guter Dinge. "Ein freier Tag, dank Mutter Natur", sagt Adam.
Für 375.000 Anwohner tief gelegener Viertel wurde die Evakuierung angeordnet, die Busse und U-Bahnen für normalerweise fünf Millionen Pendler täglich stellten den Betrieb ein, die Börse schloss erstmals seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 unplanmäßig und 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche haben schulfrei.
Gouverneur Cuomo setzte die Nationalgarde in Marsch und ordnete die Schließung zweier wichtiger Tunnel an, die vollzulaufen drohen. Bei mehr als 20.000 Haushalten im Großraum fiel am Morgen der Strom aus. Trotz alledem sind in Battery Park City, einem Hochhauskomplex im Evakuierungsgebiet, Einwohner da geblieben und sehen zu, wie der Hudson über die Ufer zu treten beginnt. Mark Vial schiebt seine zwei Jahre alte Tochter Maziyar im Kinderwagen zum Eingang des Hauses, wo sie im 15. Stock wohnen. "Wir wohnen hoch genug, da mach ich mir wegen Überschwemmung keine Sorgen", sagt der 35-Jährige. "Zu essen ist genug da. Wir schaffen das schon."
dapd
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