Harmonie und Balance im Alltag – «Das Wetter macht nicht krank» – Jenna Günnewig
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«Das Wetter macht nicht krank»

Jenna Günnewig

09.08.2006

Gewitterstimmung am Bodensee (Foto: Pixelquelle)
Gewitterstimmung am Bodensee (

Foto: Pixelquelle)

Düsseldorf - «Mein Körper fühlt sich dann immer ein wenig komisch an, die Beine sind wie Blei und vor den Augen verschwimmt alles ein wenig», sagt Johanna Dege. Außerdem sei sie an diesen Tagen immer besonders müde und habe starke Kopfschmerzen.

Vom feuchtem Nieselregen-Wetter auf sommerliche Höchsttemperaturen und zurück - Johanna Dege leidet unter den derzeitigen Wetterschwankungen. «Jeder Wechsel sitzt richtig im Körper drin», klagt die 79-Jährige. Bleibe das Wetter dann einige Zeit konstant, ließen die Schmerzen zwar nach, der Körper stelle sich aber nur noch sehr langsam um. Nicht nur die am Niederrhein lebende Rentnerin hat mit den Wetterumschwüngen zu kämpfen - nach einer Allensbach-Studie bezeichnet sich fast jeder zweite Deutsche als wetterfühlig.

«Wetterfühligkeit ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne, mehr ein Überforderungssyndrom», erklärt Klaus Bucher von der Abteilung Medizin-Meteorologie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg. Der Organismus müsse sich an die ständig wechselnde Wetterlage anpassen. Diese Anpassungsleistung könne überfordern, es komme zu körperlichen Überreaktionen - und damit zu den typischen Symptomen der Wetterfühligen: Mattigkeit, Schwindel, Gelenk- und Kopfschmerzen.

Wetterfühligkeit wird nach Angaben des DWD durch markante Wetteränderungen ausgelöst. Große Temperaturschwankungen sind in Deutschland zurzeit an der Tagesordnung. Aber nicht nur der dauernde Wechsel von warm nach kalt belaste den Körper: Buchner spricht lieber von einem «Wirkungsakkord». Einzelne Elemente wie die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur oder der Luftdruck wirken unterschiedlich intensiv auf den Organismus ein. Ob Wetterumschwünge ernsthafte Probleme bereiten, sei aber vor allen Dingen abhängig von der individuellen körperlichen Verfassung.

Drei Reaktionstypen

Die Medizin-Meteorologie unterscheidet drei Reaktionstypen: den Normal-Reagierenden, den Wetterfühligen und den Empfindlichen. «Ein Mensch mit völlig intaktem Regelsystem ist nicht wetterfühlig», macht Bucher klar. Ein gesunder Mensch reagiert normal, das bedeutet, die Temperatur im Organismus wird bei wechselnder Außentemperatur konstant gehalten. Es wird geschwitzt oder gezittert - zum jeweiligen Ausgleich der Körpertemperatur.

Wetterfühlig sind Menschen, die überempfindlich auf Wetteränderungen reagieren. Ihr Körper hat Probleme damit, sich an schnell wechselnde Gegebenheiten anzupassen. Wenn das Wetter umschlägt, leidet der Wetterfühlige an den typischen Überlastungserscheinungen: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gelenkschmerzen. Bucher zufolge ist die Fühligkeit aber subjektiv und besitzt keinen Krankheitswert.

Der DWD-Mitarbeiter erklärt: «Das Wetter macht nicht krank.» Um ernsthafte Probleme mit Wetterumschwüngen zu haben, müsse immer eine Grunderkrankung vorliegen. «Ein völlig gesunder Mensch kommt, bis auf leichte Einschränkungen, immer mit Wetterveränderungen klar.» Bei den wetterempfindlichen Personen lägen immer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Rheumaleiden zu Grunde. Die Symptome der jeweiligen Krankheit würden dann durch den Wetterumschwung verstärkt.

Durch ihr Rheuma gehört Johanna Dege in die Risikogruppe der Wetterempfindlichen. «Es kommt zu richtigen Schüben, wenn das Wetter ins Nass-Kalte umschlägt», berichtet Dege. Dann könne sie noch nicht einmal für ihren Enkel Kuchen backen. «Es schmeißt einen richtig um, die Hände werden taub und ich habe Probleme mit dem Aufstehen.»

Ältere Menschen leiden besonders

Menschen wie Frau Dege brauchen laut Bucher professionelle Hilfe. Die Wetterfühligen könnten mit Wechselbädern, Bewegung an der frischen Luft und dem Besuch in der Sauna ihr körperliches Regelsystem stärken.

«Ältere Menschen leiden besonders häufig an Wetterfühligkeit beziehungsweise Wetterempfindlichkeit», erklärt Bucher. Bedingt durch das Alter habe der Körper Schwierigkeiten, die Temperatur zu regulieren und sich auf schnelle Wechsel einzustellen. Schmerz-, Migräne- und kreislauffördernde Mittel könnten dann die Beschwerden lindern.

Johanna Dege hält nicht viel von den ihr verschriebenen Medikamenten. Sie bekämpft die Schmerzen lieber mit einem ganz eigenen Methodenmix. «Baden, regelmäßig Essen und wenn gar nichts mehr geht: Flach auf den Rücken legen und die Füße hoch.» Und natürlich jede Menge Frischluft: «Jeden Tag mach ich einen Spaziergang am Rhein - egal bei welchem Wetter.»

(AP)

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