Klima – „Der April hat uns voll im Stich gelassen“ – Matthias Armborst
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Aktuelle Nachrichten – Klima

„Der April hat uns voll im Stich gelassen“

Matthias Armborst

25.04.2007

Ein Landwirt kreiselt sein frisch geschnittenes Gras, um es später als Heu einzuholen. (AP Photo/Keystone, Eddy Risch)
Ein Landwirt kreiselt sein frisch geschnittenes Gras, um es später als Heu einzuholen. (AP Photo/Keystone, Eddy Risch)

Frankfurt/Main – Verdorrte Wiesen, verkümmerte Saaten und Felder trocken wie Wüstensand: Das sommerliche Wetter und die aktuelle Rekord-Dürre machen der Landwirtschaft schwer zu schaffen. „Dieser Monat hat uns voll im Stich gelassen“, klagt Bernd Weber vom hessischen Bauernverband. Nahe Null hätten die Niederschläge im April gelegen – „und jetzt sind die obersten 20, 30 Zentimeter unserer Felder total ausgetrocknet“.

Wie ernst die Lage ist, zeigt die Statistik des Deutschen Wetterdienstes: Danach fielen in diesem Monat bislang im Bundesdurchschnitt 3,9 Millimeter Niederschlag, 93 Prozent weniger als in einem durchschnittlichen April. An manchen Messstationen – darunter Gießen, Koblenz und Freiburg, sei kein einziger Regentropfen gefallen. „Es sieht ganz so aus, als würde dies der trockenste April überhaupt“, prophezeit Wetterfachmann Gerhard Müller-Westermeier.

„Vier Wochen ohne einen Tropfen Regen – da fragt man sich natürlich, wie es weitergeht“, sagt Landwirt Bernd Winter. Sein 170-Hektar-Betrieb im mittelhessischen Butzbach hat sich ganz auf den Ackerbau spezialisiert. Doch damit hat er es in diesem Jahr schwer: „Seit drei Wochen liegt der Dünger auf den Feldern und hat sich noch nicht einmal aufgelöst.“ Kein Wunder, dass Winter und seine Kollegen den Wetterbericht zur Zeit besonders gespannt verfolgt. „Aber diesen Monat wird wohl nichts mehr passieren.“ Daher befürchtet der Landwirt schon jetzt empfindliche Ertragseinbußen: „Wenn es schlecht läuft, bekommen wir ein Minus von 50 Prozent oder vielleicht sogar mehr.“

„Der Boden ist so trocken wie Sand“

Nur den Pflanzen, die schon im Sommer und Herbst ausgesät wurden, geht es zur Zeit vergleichweise gut: „Wintergetreide und Raps haben ja schon ein ziemlich tiefes Wurzelgeflecht, mit dem sie die Winterniederschläge voll aufnehmen konnten“, berichtet Verbandssprecher Weber. Schlecht gehe es dagegen der Sommergerste, dem Hafer und vor allem den Zuckerrüben: „Die haben gerade erst ihre kleinen Wurzeln ausgebildet. Doch der Boden drumherum ist so trocken wie Sand.“

Auch um viele Wiesen, auf denen jetzt eigentlich das Futter für den nächsten Winter wachsen sollte, ist es schlecht bestellt: „Die Bauern brauchen den so genannten Grünlandschnitt als Futterkonserve.“ Dabei handele es sich um eine Art Sauerkraut für Rinder, das in den Silos gelagert werde, erklärt Weber. „Doch was zur Zeit auf den Wiesen steht, ist sehr, sehr dürftig. Eigentlich müsste das Gras doppelt so hoch sein.“ Trotzdem seien die Landwirte gezwungen, ihre Wiesen in den nächsten Tagen zu mähen und den mageren Ertrag in die Silos zu bringen: „Denn wegen der hohen Temperaturen blühen die ersten Wiesen schon jetzt. Und verblühte Halme mögen die Tiere nicht.“

„Wir brauchen jetzt einen verregneten Mai“

Die Bauern brauchten dringend einen verregneten Mai, betont Verbandssprecher Weber. Denn im Gegensatz zu Hobbygärtnern könnten Landwirte eben nicht mit der Gießkanne nachhelfen. Nur die wenigsten könnten sich eine der teuren Beregnungsanlagen leisten. Lediglich Gemüse, Salat und Frühkartoffeln würden in einigen Gegenden künstlich bewässert. Bei Getreide kämen die Beregnungsanlagen dagegen kaum zum Einsatz: „Zu unwirtschaftlich“, meint Fachmann Weber.

„Bei uns in der Gegend hätten wir ohnehin keine Chance, größere Mengen Wasser zu den Feldern zu transportieren“, berichtet Landwirt Winter. Wie den meisten seiner Kollegen bleibt ihm daher nur der Blick zum Himmel und die Hoffnung auf einen nassen Mai: Der sei ja schließlich der Hauptwachstumsmonat und könne noch eine Menge ausgleichen. „Die 40 bis 45 Millimeter Niederschlag, die im April gefehlt haben, muss jetzt der nächste Monat liefern“, fordert Verbandssprecher Weber. Zwei bis drei Regentage in jeder Maiwoche – das wäre ganz nach seinem Geschmack. Und dann erinnert er an die alte Bauernregel: „Ein Mai, kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun' und Fass.“ (AP)

 

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