Aktuelle Nachrichten – Medizin
01.02.2009
Hamburg – Patienten werden auf Tragen über das Klinikgelände gebracht, in noch halbleeren Operationssälen räumen Pflegekräfte OP-Bestecke in Schubladen, Techniker schließen hochmoderne intensivmedizinische Geräte an – und mittendrin werden vier Kinder geboren – so sieht ein Klinikumzug aus. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat am Wochenende das modernste Krankenhaus in Europa bezogen. Insgesamt 17 Fachbereiche mit rund 400 Patienten zogen bis Sonntagabend dort ein und begannen gleich mit den Behandlungen.
„Das ist der größte Klinikumzug, den es in den letzten fünf Jahren in Deutschland gegeben hat“, sagte Jörg F. Debatin, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE. Besonders sei vor allem der kurze Zeitraum, in dem dies geschehe und die sehr komplexe Inbetriebnahme aller medizinischen Geräte und Klinikabläufe. „Und alles ist wesentlich schneller gelaufen, als wir gedacht hatten“, lautete seine Bilanz am Sonntagnachmittag. „Wir haben keine größeren Schwierigkeiten gehabt.“
Als erste Patientin kam am Samstag um 7.01 Uhr die kleine Linh Ava in das neue Krankenhaus. In einem Intensivbettchen für Frühgeborene wurde das am 20. November 2008 geborene Mädchen wie die anderen Patienten der Neonatologie durch die riesige Eingangshalle des Neubaus geschoben und in den fünften Stock gebracht, wo die Entbindungs-, Wochen- und Frühgeborenenstationen sind.
Hier ist alles nach Feng Shui eingerichtet, die Wände sind in warmem Orange gestrichen. Wie im gesamten Gebäude sind die Zimmer und Flure hell und freundlich. „Allerdings könnte das Zimmer ein bisschen größer sein“, sagte Eva Pette-Barnowksi, die mit ihrem in der Nacht auf Freitag geborenen Sohn Pablo in der neuen Klinik liegt. Der Umzug sei kein Problem gewesen: „Ich wurde auf eine Trage gelegt und Pablo kam auf meinen Bauch“ Dann wurden beide festgegurtet und mit einem Krankenwagen von einem Gebäude zum anderen gebracht. „Pablo hat das Ganze verschlafen“, sagte die 40-Jährige lachend.
Auch die 37 Patienten der Intensivstation wurden am Samstag in den Neubau gebracht. Eine besondere Herausforderung, betonte der kommissarische Leiter der Klinik für Intensivmedizin, Stefan Kluge: „Viele Patienten sind an die Nieren- oder Leberersatzdialyse angeschlossen oder liegen im künstlichen Koma.“ Darum sei jeder Patient von dreimal so vielen Pflegekräften betreut worden wie sonst.
Im neuen Gebäude liegen sieben Intensiv- und drei Überwachungsstationen sowie 16 Operationssäle. Sie liegen auf einer Etage und werden von allen Fachbereichen zentral genutzt. „So müssen die Patienten nicht mehr übers Gelände transportiert werden“, betonte Kluge. Und Debatin fügte hinzu: „Aufgrund der besseren Logistik werden wir wesentlich effizienter.“ Dadurch sollen die Wechselzeiten – also die Zeit, die ein OP zwischen zwei Operationen leer steht – von derzeit knapp 45 Minuten auf unter 20 sinken.
Die ersten zwei Operationen wurden bereits in der Nacht durchgeführt. Und auch die ersten vier Geburten des Klinikneubaus konnten am Sonntag gemeldet werden: Das erste Mädchen kam um 22.58 Uhr zur Welt.
Als eine der letzten Fachbereiche zog am Sonntag die Stroke Unit, die Spezialstation für Schlaganfälle um, der im Neubau zwölf Betten und besondere Überwachungstechnik zur Verfügung stehen. „Damit sind wir die modernste und größte Stroke Unit deutschlandweit“, sagte der Leiter der Neurologie, Christian Gerloff. Außerdem habe die Station eine sehr menschenwürdige Atmosphäre. Dies bestätigte eine Patientin: „Die Zimmer sind schön, hell und freundlich“, sagte die 36-jährige Gabi Lanski.
Neben der fortschrittlichen Medizintechnik zeichnet den Klinikneubau, der insgesamt 188 Millionen Euro gekostet hat, die sehr leistungsfähige IT-Struktur für die elektronischen Patientenakten aus. „Ärzte und Pflegepersonal haben für die Visite nicht mehr einen Wagen mit den altbekannten Ordnern, sondern einen mit PC und Monitor“, erklärte Debatin. Dort werde jede Diagnose und Anordnung eingegeben, Medikamentationen würden gleich per W-Lan an die Hausapotheke geschickt und von Robotern abgearbeitet.
Bei der Technik gab es am Wochenende noch das ein oder andere Problem. „Aber nichts für Patienten Bedrohliches“, betonte Debatin. Auch die Rohrpost, mit der künftig Blutproben ins Labor gelangen, konnte noch nicht genutzt werden und es fehlten 150 Patientenklingeln.
Insgesamt waren am Wochenende für die Patienten 35 Krankenwagen mit 80 Mitarbeitern im Einsatz. 400 Möbelpacker und weitere 300 freiwillige Helfer des UKE waren zum Schleppen und Auspacken von Kisten und Geräten gekommen. Am Montag soll der reguläre Betrieb beginnen. (AP)
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