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"Der Turm" lässt die DDR in Fernsehbildern lebendig werden

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24.09.2012

"Der Turm" lässt die DDR in Fernsehbildern lebendig werden Foto: dapd/Matthias Rietschel
"Der Turm" lässt die DDR in Fernsehbildern lebendig werden

Foto: dapd/Matthias Rietschel

Hamburg – "Der Turm" galt vielen als unverfilmbar: Ein fiktionales Zeitzeugnis, das seine Leser durch die Gedanken der Figuren Geschichte spüren lässt. Ein fast tausendseitiges Opus, dessen Autor sich Zeit nimmt und Zeit fordert. Eine stilistisch gebrochene Erzählung, die für jeden Leser ein anderes Eigenleben entwickelt - das sei nicht in Film übersetzbar, hieß es. Am Montagabend feierte "Der Turm" nach dem Roman von Uwe Tellkamp im Dresdner Villenviertel Weißer Hirsch seine Premiere auf der Leinwand. Im Fernsehen ist er am 3. und 4. Oktober (jeweils 20.15 Uhr, ARD) zu sehen.

Kaum eine Szene im Film ist so, wie Tellkamp sie beschrieben hat. Und dennoch trifft der "Turm" von Drehbuchautor Thomas Kirchner und Regisseur Christian Schwochow den Kern der Erzählung. Die Verfilmung ist eine Interpretation, die für sich steht und doch die ursprüngliche Geschichte nicht infrage stellt. Jan Josef Liefers als Richard Hoffmann, Claudia Michelsen als Anne, Sebastian Urzendowsky als Christian sagen andere Sätze, sprechen aber dieselbe Sprache wie die Figuren auf Papier.

Die Filmemacher, die den "Turm" unter Federführung des MDR für das Erste in bewegte Bilder übersetzt haben, finden eigene Schwerpunkte. Sie versuchen nicht, tausend Seiten in 180 Minuten zu pressen. Sie stellen Familien neu zusammen, streichen Charaktere, beschleunigen die Erzählung, lassen einige Handlungsstränge aus und entwickeln andere fort. Dabei wagen sie es auch, eigene Ideen in die Originalgeschichte zu setzen: Richard Hoffmann kämpft gegen das System um seine Karriereziele, Anne zahlt mit ihrem Körper für Christians Fehltritte, Meno Rohde wird für Judith Schevola zum Überzeugungstäter. Der Film bringt Schlüsselszenen, die den Atem stocken lassen, die Lachreize hervorkitzeln - Szenen, die Tellkamps Leser nicht kennen.

Doch die Atmosphäre, die der Autor mit seinen Mitteln spürbar macht, dringt auch im Film durch: das Zwielicht zwischen Häuserwänden und Schreibtischen, das Klaustrophobien schürt. Die Normalität des Absurden, wenn der Pfarrer beim Weihnachtsbaumdiebstahl scheitert und Ärzte feuchte Gemäuer sanieren sollen. Graue Uniformen. Das Siechtum der Villen. Vielsagende Zifferblätter. Lichter, die wie Anemonen aus dem Dunkel blühen. Das Lebensgefühl der Figuren bleibt spürbar.

Schauspieler stehen Pate für die Wirklichkeitstreue des Films

Viele der Schauspieler kennen dieses Lebensgefühl selbst. Jan Josef Liefers wuchs in Dresden auf, in einem Plattenbau an der Prager Straße. In der Dokumentation, mit der das Erste das Fernsehereignis zum Tag der Deutschen Einheit abrundet, erzählt der Schauspieler von den langen Fluren seiner Kindheit und seiner latenten Furcht, plötzlich von Fremden heimgesucht zu werden. Peter Sodann, der im Film den SED-Bezirkssekretär Barsano spielt, saß als junger Mann selbst neun Monate wegen staatsgefährdender Hetze im Stasi-Gefängnis. Auch Götz Schubert (Meno Rohde), Nadja Uhl (Josta Fischer), Steffi Kühnert (Barbara Rohde), Hans Uwe Bauer (Ulrich Rohde) und Stephanie Stumph (Ina Rohde) bringen eigene Erinnerungen an die DDR ein. So hat es Regisseur Christian Schwochow gewünscht. Die Schauspieler stehen Pate für die Wirklichkeitstreue der Romanverfilmung.

Am Montagabend war "Der Turm" im Parkhotel Weißer Hirsch im Dresdner Villenviertel erstmals zu sehen. Auch Autor Uwe Tellkamp zeigte sich auf dem Roten Teppich. Er sei mit der Verfilmung zufrieden, mehr als das: Er sei zu Tränen gerührt, sagte er nach einer Aufführung vor Journalisten.

Nach einer weiteren Voraufführung auf großer Leinwand in Berlin am 28. September kommt der Film zum Tag der Deutschen Einheit als Zweiteiler ins Fernsehen. Das Erste zeigt den ersten Teil am Mittwoch (3. Oktober) ab 20.15 Uhr, im Anschluss daran folgt um 21.45 Uhr die Dokumentation über die historischen Hintergründe der Geschichte. Der zweite Teil des Spielfilms ist am Donnerstag (4. Oktober) ebenfalls um 20.15 Uhr zu sehen.

dapd

 

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