Aktuelle Nachrichten – Deutschland
17.02.2010
Foto: AP Photo/Miguel Villagran
Frankfurt/Main (apn) Passagiere der Lufthansa und ihrer Tochter Germanwings müssen sich in der kommenden Woche auf chaotische Verhältnisse in ganz Deutschland einstellen. Die Piloten bei dem Konzern sind von Montag bis Donnerstag zu einem bundesweiten Streik aufgerufen, wie die Vereinigung Cockpit mitteilte. Hintergrund des Ausstandes ist ein Streit über die Arbeitsplatzsicherung in der größten deutschen Fluggesellschaft. Das Unternehmen kritisierte den Streik als überzogen.
Dem früheren Staatskonzern droht ab Montag, 00.00 Uhr, einer der größten Arbeitskämpfe in seiner Geschichte. „Wir rufen alle auf, die an dem Tag im Einsatz sind“, sagte Tarifexpertin Ilona Ritter am Mittwoch auf einer Pressekonferenz am Frankfurter Flughafen. „Deutschlandweit, an allen Standorten“ werde bis Donnerstag um 23.59 Uhr gestreikt.
Die Gewerkschaft äußerte sich nach monatelangen Verhandlungen frustriert und warf dem Unternehmen vor, den Tarifvertrag zu brechen. Der Streik sei eine harte Maßnahme, die „schwer im Magen liegt“, sagte Ritter und schloss zugleich weitere Maßnahmen ausdrücklich nicht aus.
Hauptkritikpunkt der Vereinigung Cockpit ist, dass die Lufthansa in den vergangenen Jahren viele Arbeitsplätze zu externen Gesellschaften ausgelagert hat, in dem Piloten schlechter bezahlt sind. Die Gewerkschaft nannte eine Größenordnung von 20 bis 25 Prozent.
Die Gespräche über einen Mantel- und Gehaltstarifvertrag scheiterten bereits im vergangenen Jahr. Seit Mitte Januar lief die Urabstimmung über den Arbeitskampf, den die Piloten in den drei Unternehmensteilen mit mehr als 93 Prozent unterstützen. Neben dem Passagiergeschäft der Lufthansa und Germanwings ist auch die Frachttochter Lufthansa Cargo betroffen.
Sollte die Gewerkschaft ihre Drohungen wahrmachen, ist auch mit Auswirkungen auf andere Länder und Kontinente zu rechnen. Die Flughäfen Frankfurt und München werden von vielen ausländischen Passagieren zum Umsteigen genutzt.
Lufthansa ist zudem ein führendes Mitglied der Star Alliance, der unter anderen die amerikanische United Airlines und Singapore Airlines angehören. Wegen des Streiks besteht die Gefahr, dass für deren Kunden viele Lufthansa-Anschlussflüge von Deutschland aus wegfallen. Wie viele Piloten und Verbindungen genau betroffen sind, konnte Ritter auf Nachfrage nicht sagen. Im Fokus stehe, dass viele Piloten geschlossen zusammenstünden.
Das Unternehmen will nach eigenem Bekunden alles daran setzen, die Auswirkungen des Streiks so gering wie möglich zu halten. „Im Interesse des Unternehmens und seiner Kunden ist die Vereinigung Cockpit aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um dort eine konstruktive Lösung zu erarbeiten“, hieß es in einer Mitteilung. Das Unternehmen habe schon zahlreiche Vorschläge zur Arbeitsplatzsicherung gemacht.
Die Gewerkschaft rief die Lufthansa auf, sich an bestehende Vereinbarungen zu halten und ein Angebot vorzulegen. Dann könne man auch einen laufenden Arbeitskampf beenden. Ursprünglich gingen die Piloten mit einer Gehaltsforderung von 6,4 Prozent in die Verhandlungen, wären bei einer Beschäftigungssicherung aber auch zu einer Nullrunde bereit. Das Management sieht aber die Forderungen der Gewerkschaft als Eingriff in die Geschäftsführung und lehnt diese ab.
Der Konflikt um die Auslagerung von Stellen schwelt bei der Lufthansa schon seit Jahren. Unter der Marke Lufthansa Regional arbeitet der Konzern etwa mit fünf Gesellschaften zusammen, die vor allem Verbindungen zu kleineren Flughäfen anbieten. Bislang galt die Vereinbarung, dass Piloten auf Maschinen mit mehr als 70 Sitzen im Kernbereich des Konzerns unter Vertrag sind. Nach Darstellung der Arbeitnehmer hat die Lufthansa diese Vereinbarung gebrochen. (AP)
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