Aktuelle Nachrichten – Gesellschaft
21.09.2009
Frankfurt/Main – Der Andrang auf die Hochschulen ist ungebrochen, wie die steigende Zahl der Studienanfänger belegt. So hoch wie nie zuvor ist aber auch der Beratungsbedarf, mit dem Studenten zu den Beratungsstellen des Deutschen Studentenwerks kommen. Dessen Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde macht darauf aufmerksam, dass die Berater im Jahresvergleich mehr als 20 Prozent häufiger über Studienfinanzierung aufgeklärt und Studenten bei sozialen und psychischen Problemen zur Seite gestanden haben. Dies zeichne sich bei der Auswertung der Zahlen aus dem Studienjahr 2008/09 ab.
Der Beratungsbedarf steigt sogar schneller als die Studentenzahlen – für Meyer auf der Heyde ist das kein Zufall, sondern die Folge der Umstellung auf das Bachelor- und Master-System. „Die neuen Studiengänge führen zu mehr Druck und Ängsten“, sagt der Generalsekretär des Studentenwerks. Nicht zu unterschätzen sei, dass die Bachelorstudiengänge mit ihren dichten Stundenplänen und häufigen Tests wenig Zeit für Nebenjobs ließen.
„Das ist wie bei kommunizierenden Röhren“, sagt Meyer auf der Heyde: Mehr Belastung im Studium bedeute weniger Geld – so einfach sei das. „Wir kriegen mit, dass es mehr stressbedingte und finanzierungsbedingte Probleme gibt.“ Schuld daran sei auch die Wirtschaftskrise, weil die Unternehmen schon Probleme hätten, ihre festen Mitarbeiter auszulasten. „Die Zahl der Aushilfsjobs ist stark runtergegangen.“
Typischerweise stellen Studenten in jedem Abschnitt ihres Studiums andere Fragen, wie der Generalsekretär erklärt. „Im ersten Semester geht es um die Fragen: 'Wie komme ich hier klar?'“ Sobald die dringendsten finanziellen Fragen gelöst seien, lasse der Bedarf zunächst nach. Am ehesten gehe es dann um Stressmanagement und effektives Lernen. „Hat man erstmals eine Prüfung vergeigt, fragt man sich, wie man das besser machen kann.“ In der Mitte des Studiums fragten sich viele Studenten dann, wie sie ein Auslandssemester finanzieren könnten. Zum Ende des Studiums, besonders nach Überschreitung der Regelstudienzeit, laufe dann häufig die Unterstützung aus – sofort gebe es wieder Beratungsbedarf.
Prävention geht nach den Worten Meyer von der Heydes auch bei Problemen im Studium vor. „Wenn man früh etwas merkt, sollte man hingehen“, sagt er über die Beratungsstellen. Grundsätzlich stehe die Unterstützung allen Studenten offen. In Kursen könne man etwa Stressbewältigungstechniken trainieren oder effektives Lernen lernen.
„Das Studium führt zu einem Leistungsdruck, auf den man möglicherweise nicht vorbereitet ist“, sagt Meyer von der Heyde. Wichtig für Studenten seien funktionierende Lerngruppen und viele Gespräche mit Kommilitonen – nur so lasse sich überprüfen, ob die eigenen Probleme normal seien oder schon Anlass zu besonderer Sorge gäben.
Das Präventionsangebot würde der Generalsekretär des Studentenwerks gerne ausbauen, wie er sagt. Mit einem klaren Schwerpunkt: „Alles, was mit der Bewältigung der neuen Studiengänge zu tun hat.“ Kritik äußert er an den Bundesländern als Trägern der Hochschulen: Zwar gäben diese mehr Geld für die neuen Studiengänge aus. Doch die Unterstützung für das Studentenwerk sei seit Jahren rückläufig. Nur noch zwölf Prozent des Haushalts werde von den Ländern getragen, 1992 sei der Anteil noch doppelt so hoch gewesen.
http://www.studentenwerke.de/ (AP)
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