Geschichte - Erkenntnisse und Fakten – „Finanzkrise“ ist Wort des Jahres 2008 – Thomas Seythal
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Wort des Jahres „Finanzkrise“ ist Wort des Jahres 2008

Thomas Seythal

11.12.2008

Frankfurt/Wiesbaden – „Finanzkrise“, „verzockt“ und „Rettungsschirm“: Die Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten haben in diesem Jahr die deutsche Sprache maßgeblich beeinflusst. Eine Jury wählte deswegen „Finanzkrise“ zum Wort des Jahres 2008. Der Begriff habe die öffentliche Diskussion in diesem Jahr besonders bestimmt, erklärte die Gesellschaft für deutsche Sprache am Donnerstag in Wiesbaden. Das Wort kennzeichne die dramatische Entwicklung im Banken-, Immobilien- und Finanzsektor.

„Finanzkrise“ ist einer von drei Begriffen rund um die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten, die es in die Rangliste der zehn wichtigsten Wörter des Jahres schafften. Auf Platz Zwei landete das Wort „verzockt“, das sich oft kritisch auf das Verhalten von Bankmanagern bezieht, die hochriskante und spekulative Geldgeschäfte abschlossen. Der „Rettungsschirm“, der staatliche Finanzhilfen für die Bankenbranche beschreibt, schaffte es auf Rang Acht.

Das Wort des Jahres wird von einer Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache ausgewählt. Dem Gremium gehören der Hauptvorstand und die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Gesellschaft an. „Es geht nicht um Worthäufigkeiten, sondern um eine sprachliche Chronik des zu Ende gehenden Jahres“, teilte die Jury mit. Auch sei mit der Auswahl keine Wertung oder Empfehlung verbunden. Zugrunde lag eine Sammlung von knapp 4.000 Wörtern und Wendungen, wobei auch Zuschriften berücksichtigt wurden.

Obama prägt deutsche Sprache

Auf Rang Zehn schaffte es sogar ein englischer Begriff in die Liste. „Yes, we can“ (übersetzt etwa „Ja, wir können es schaffen“) war einer der wichtigsten Wahlkampfslogans des neuen US-Präsidenten Barack Obama. Er wurde auch in Deutschland oft aufgegriffen und variiert, wie die Jury feststellte.

Aktuell zeigte sich die Gesellschaft auch mit „Datenklau“ auf Platz Drei. Immer wieder wurden dieses Jahr Fälle bekannt, bei denen Millionen Datensätze von Kunden in falsche Hände gerieten. Erst am Mittwoch verabschiedete das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf, mit dem der Datenklau erschwert werden soll.

„Hessische Verhältnisse“ schaffte es auf Rang Vier. Der Begriff bezieht sich auf die Turbulenzen in dem Bundesland nach der Landtagswahl im Januar 2008. Nach wie vor ist die CDU-Regierung von Ministerpräsident Roland Koch geschäftsführend im Amt. Zwei Versuche seiner Kontrahentin Andrea Ypsilanti (SPD), eine rot-grüne Minderheitsregierung mit Tolerierung durch die Linkspartei zu bilden, scheiterten. Im Januar 2009 wird neugewählt.

Von „Umweltzone“ zu „Bildungsfrühling“

Auf Rang Fünf gelangte die „Umweltzone“, die in vielen Städten eingerichtet wurde, um den Feinstaub zu bekämpfen. Es folgt die „multipolare Welt“, in der sich nicht wie im Kalten Krieg zwei Blöcke gegenüberstanden, sondern in der es viele Zentren gibt.

Auf den siebten Platz kam der „Nacktscanner“, der an europäischen Flughäfen für mehr Sicherheit sorgen soll, dessen geplante Erprobung aber schon vorher große Aufregung verursachte. Auf Rang Neun wurde „Bildungsfrühling“ gewählt – eine Beschreibung für verschiedene Initiativen von Bund und Ländern, mehr Geld und Personal für Schulen zur Verfügung zu stellen.

Unwort des Jahres kommt noch

Im vergangenen Jahr war „Klimakatastrophe“ zum Wort des Jahres gewählt worden, im Fußball-WM-Jahr 2006 „Fanmeile“ und 2005 „Bundeskanzlerin“. Im Jahr der Finanzkrise 2008 schaffte es kein einziges Wort in Liste, das sich mit der Klimaveränderung befasst.

Die Wahl des Unwortes des Jahres 2008 steht noch aus. Die Entscheidung liegt bei einer Jury aus mehreren Sprachwissenschaftlern. 2007 schaffte es „Herdprämie“ zum Unwort. Nach Ansicht der Experten diffamiert das Wort Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen.

http://www.gfds.de/

http://www.unwortdesjahres.org/ (AP)

 

 

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