Menschen & Meinungen – „Friedhof ist nicht nur Tod und Trauer“ – Daniela Pegna
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Menschen & Meinungen

Fingerspitzengefühl „Friedhof ist nicht nur Tod und Trauer“

Daniela Pegna

13.11.2009

Foto: Creative Commons by 3.0/Uwe Barghaan

Foto: Creative Commons by 3.0/Uwe Barghaan

Düsseldorf – Ein Violinschlüssel aus gelben, weißen und roten Eisbegonien ziert das Grab des Musikfans; Olivenbäume und Lavendel wachsen auf dem des Frankreich-Liebhabers. Der Trend auf Friedhöfen fällt ins Auge: Während das klassische Reihengrab aus der Mode kommt, ist fantasievoller Schmuck immer öfter zu sehen. „Familie und Freunde möchten damit zeigen, wie und wer der Verstorbene zu Lebzeiten war“, sagt der Düsseldorfer Friedhofsgärtner Bernhard Evertz. Zugleich sei die individuelle Grabgestaltung eine sehr persönliche Form des Abschiednehmens.

Der Trend habe in den vergangenen Jahren zwei Extreme angenommen, sagt Kirsten Binder vom Zentralverband Gartenbau. Entweder wollten die Leute eine anonyme Bestattung, bei der jegliche Gestaltungsfrage, aber auch der Ort zum Trauern wegfalle. Oder sie entschieden sich für individuelle und dann meist sehr aufwendige Lösungen, um ihrer Trauer sogar einen ganz besonderen Raum zu geben.

Viel Fingerspitzengefühl nötig

Eine solch persönliche Grabgestaltung mit den Angehörigen herauszuarbeiten erfordert Fingerspitzengefühl, wie Evertz weiß, der bereits seit 42 Jahren als Friedhofsgärtner in Düsseldorf arbeitet. Es seien behutsame Gespräche nötig, um herauszufinden, welche besonderen Vorlieben oder Charaktereigenschaften der Verstorbenen in seiner Arbeit zum Ausdruck kommen sollten.

So erinnert sich Evertz an ein Ehepaar, das sich auf das Grab des verstorbenen Sohnes einen AC/DC-Schriftzug pflanzen ließ. „Als wir über die Lieblingsband ihres Kindes sprachen, flossen viele Tränen“, sagt Evertz. Für ein anderes Elternpaar setzte der 64-Jährige das Bobbycar des verstorbenen dreijährigen Kindes auf das Grab und drapierte drumherum eine dazu passende Bepflanzung.

Doch bei all dem Leid, mit dem Friedhofsgärtner konfrontiert würden, müssen sie sich nach Evertz' Ansicht immer wieder in Erinnerung rufen: „Friedhof ist nicht nur Tod und Trauer.“

Genau dagegen wendet sich auch der Bund deutscher Friedhofsgärtner mit seiner jüngst gestarteten Kampagne „Es lebe der Friedhof“. Plakate werben mit ungewöhnlichen Motiven für eine Image-Aufwertung. Zu sehen ist ist etwa eine rot-weiße Punk-Frisur aus Blumen auf der letzten Ruhestätte. Oder eine Malpalette aus Pflanzen in vielen Farben auf dem Grab eines Künstlers.

Blumen mit Symbolkraft

„Für mich ist der Friedhof einfach ein Garten für die Lebenden, wo die Angehörigen mit den Verstorbenen reden können“, sagt Evertz. So verschieden die Gefühle seien, die man Verstorbenen entgegenbringe, so vielfältig seien auch die Möglichkeiten, um dies mit Pflanzen mitzuteilen. Die Eiche etwa steht für Unsterblichkeit, aber auch für konservatives Denken, Efeu für Freundschaft und eheliche Treue, die Orchidee symbolisiert Schönheit, Reichtum und Macht. Das Vergissmeinnicht ist dagegen ein Abschied in Liebe und Zärtlichkeit. Und Rosen oder Krokusse stehen für die leidenschaftliche Liebe.

Blumen seien eben mehr als reiner Schmuck und Zierde, erklärt Evertz. Wer möchte, könne seinen Liebsten nach dem Tod noch einiges mit auf den Weg geben. (AP)

Schlagworte

Webnews einstellen
 
Anzeige
Anzeige