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"Geldpolitik ist kein Wundermittel"

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14.09.2012

"Geldpolitik ist kein Wundermittel"  Foto: © AP 2012 Richard Drew/AP/dapd
"Geldpolitik ist kein Wundermittel"

Foto: © AP 2012 Richard Drew/AP/dapd

Washington – Mit einem kühnen Eingriff in die Märkte will die US-Notenbank die amerikanische Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Für den Fall, dass es nicht reichen sollte, kündigte Fed-Chef Ben Bernanke noch weiter reichende Schritte an. Die Anleger feierten den Vorstoß mit einem Kurs-Feuerwerk an der Wall Street. Wirtschaftsexperten zeigen sich hingegen weniger beeindruckt. Viele fragen sich, ob die Maßnahmen der Fed im gegenwärtigen Umfeld tatsächlich ihre volle Wirkung entfalten können. Auch Bernanke selbst warnte vor allzu hohen Erwartungen.

"Ich persönlich glaube nicht, dass es das Problem lösen wird", sagte der oberste Notenbanker der USA am Donnerstag. "Sehr wohl aber glaube ich, dass es die nötige Kraft hat, um der Wirtschaft einen Stoß in die richtige Richtung zu geben." Die Notenbank will der lahmenden US-Konjunktur mit milliardenschweren Anleihekäufen auf die Sprünge helfen, der Leitzins wird nahe null Prozent belassen.

Die Entscheidung, monatlich Anleihen für 40 Milliarden Dollar zu kaufen, muss nicht zwangsläufig zu einer Belebung der Märkte führen. Denn die Zinsen liegen ohnehin schon nur knapp oberhalb eines Rekordtiefs. Dagegen ist sie ein deutliches Zeichen dafür, als wie schwach die Fed die US-Wirtschaft drei Jahre nach dem Ende der Rezession immer noch einschätzt. Außerdem scheint die Notenbank die Begrenztheit ihres Einflusses betonen zu wollen. Trotz der angekündigten Eingriffe rechnet sie noch bis 2015 mit einer Arbeitslosigkeit auf dem Rezessions-Niveau von 6,8 Prozent.

Und doch: Der Dow-Jones-Indes an der New Yorker Börse schoss am Donnerstag um mehr als 200 Punkte in die Höhe, erreichte damit den besten Wert seit fast fünf Jahren und war mit 13.540 Punkten sogar nur 625 Zähler vom Allzeithoch entfernt.

Bernanke versicherte, dass er noch mehr tun könne, auch wenn die Zinsen schon extrem niedrig seien. Nach seiner Darstellung führten die zwei bisherigen Runden von Anleihenkäufen - in Höhe von insgesamt zwei Billionen Dollar (1,55 Billionen Euro) - nicht nur zu mehr Wachstum, sondern auch zur Schaffung von zwei Millionen Arbeitsplätzen. Zum Vergleich: Durch das Konjunkturprogramm von Präsident Barack Obama in Höhe von 862 Milliarden Dollar wurden nach Berechnung von Moody's Analytics fast 2,7 Millionen Jobs geschaffen.

Nun ist die Politik gefordert

Bernanke betonte am Donnerstag allerdings auch, dass die Notenbank allein nicht viel erreichen könne. Sie brauche die Hilfe des Kongresses. "Geldpolitik ist, wie ich es schon oft gesagt habe, kein Wundermittel", erklärte er bezüglich der Entscheidungen der Fed zu den Zinssätzen. "Wir warten darauf, dass die Politik in anderen Bereichen ihren Teil tut." Gemeint war damit vor allem, dass sich Republikaner und Demokraten bis Ende des Jahres auf Kürzungen zur Reduzierung des Staatsdefizits einigen müssen.

Der Analyst Bernard Baumohl von der Economic Outlook Group geht davon aus, dass die beiden US-Parteien nach der Präsidentschaftswahl im Herbst eine Lösung finden werden - und dann werden nach seiner Ansicht auch die Konsumenten und Unternehmen wieder größeres Vertrauen haben und Ausgaben wagen. "Sobald es mehr Klarheit gibt, werden die Leute das positive Umfeld mit den niedrigen Zinsen nutzen", sagt Baumohl.

Experte erwartet geringe Wirkung

Der Ökonom David Jones von der Gesellschaft DMJ Advisors sagte, das Vorpreschen der Notenbank am Donnerstag zeige auch ihren Frust angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit. Die Fed trete das Gaspedal bis an den Boden durch, sagt Jones. Aber nach vier Jahren aggressiver Maßnahmen sei sie an einen Punkt angelangt, an dem die möglichen Erträge zurückgingen. Die jüngsten Pläne werden nach Einschätzung des Ökonomen die Arbeitslosenzahl im Laufe des kommenden Jahres vermutlich nur um 0,1 Prozent verringern und ein Wachstum von nur 0,2 Prozent erzeugen.

Zumindest auf kurze Sicht könnte die Wirkung der Notenbank-Pläne damit geringer ausfallen als die des iPhone 5 von Apple. Michael Feroli von der Großbank JPMorgan geht davon aus, dass die Einführung des neuen Smartphones des kalifornischen Unternehmens der jährlichen Wachstumsrate der US-Wirtschaft im letzten Quartal 2012 einen Schub von 0,25 bis 0,5 Prozent verleihen wird. "Es würde mich nicht wundern", sagt Feroli, wenn das iPhone 5 am Ende mehr für die Wirtschaft tue. Bei der Erzeugung von Wachstum gehe es schließlich vor allem um die Produktion von mehr und besseren Gütern und Dienstleistungen.

dapd

 

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