Schwerin – „Lesen war mein Lieblingsfach.“ Das verwundert nicht weiter, denn Laura Bush ist gelernte Bibliothekarin. Die First Lady ist nach Schwerin gekommen, um auch den Kindern dort etwas von ihrer Leidenschaft abzugeben. Im Gepäck hat sie amerikanische Bücher als Geschenk für die Stadtbibliothek der Landeshauptstadt. Doch viel aufregender für die zehn- und elfjährigen Schüler war die Fragerunde, der sich Laura Bush geduldig stellte.
Die Kinder kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Offen plauderte die First Lady über ihre Freizeit, Fernsehvorlieben und Lieblingsbücher. Im Weißen Haus leben zwei Hunde und eine Katze, berichtete sie den rund 60 Schülern aus einem Schweriner Gymnasium. „Aber am liebsten mag ich meine Katze“, meinte die Präsidentengattin schmunzelnd.
„Und wie ist es, mit George W. Bush verheiratet zu sein“, wollte ein Mädchen wissen. „Great“ lautete prompt die Antwort. „It's wonderful.“ Als Präsidentengattin hat man viele Möglichkeiten, erklärte Laura Bush: „Zum Beispiel hier bei Euch zu sein.“
Auch erfuhren die wissensdurstigen Kinder, dass Laura Bush gern wandert, mit einem eigenen Fitness-Coach ihre Muskeln trainiert und mit dem Ehemann gern Baseball-Spiele anschaut. Ganz nebenbei ermunterte sie die Kinder immer wieder, möglichst viel zu lesen. So lerne man frei zu diskutieren, lerne andere Menschen kennen und sich auszutauschen.
Auch ihr Lieblingsbuch hatte die Präsidentengattin als Geschenk mit nach Schwerin gebracht. „Little House on the Prairie“ erzählt von der Eroberung des amerikanischen Westens und einem Mädchen namens Laura.
Nachdem die Kinder die Präsidentengattin eine knappe halbe Stunde mit Fragen löchern konnten, blieb fast kein Wunsch mehr offen. Nur mit einem Autogramm hat es leider nicht geklappt, meinte ein Mädchen und steckte ihr mitgebrachtes Poesiealbum wieder ein. Der nächste Besichtigungspunkt wartete und das Protokoll duldet keine Verspätung.
Im Schloss ließ sich die in einen braunen Hosenanzug mit einem Top in modischem Tigerlook gekleidete First Lady die 150-jährige Geschichte des Hauses erläutern. Bei einem kurzen Rundgang bestaunte die Texanerin den prachtvollen Thronsaal, die Ahnengalerie der mecklenburgischen Herzöge und Großherzöge und das üppige Speisezimmer.
Aktuelle Fragen standen dann wieder im Mittelpunkt einer Diskussion mit Stipendiaten des Fulbright-Programms. „George W. Bush, Michael Moore und Paris Hilton“: Das sei manchmal alles, was deutsche Jugendliche über Amerika wüssten, erzählt ein junger amerikanischer Austauschlehrer aus Wismar. Über solche und andere Vorurteile diskutiere er dann mit seinen Schülern.
Durch das Austauschprogramm sollen Deutsche und Amerikaner mehr übereinander erfahren und einander die jeweilige Kultur näher bringen.
Besonders interessiert zeigte sich Laura Bush an den Projekten zur Integration von Einwandererkindern in Deutschland. Auch hier seien Austauschprogramme wichtig, meinte sie. Niemand dürfe ausgegrenzt werden.
Von den jungen Amerikanern und Deutschen wollte die First Lady viel über ihre Erfahrungen aus dem Schulunterricht wissen. „Was sind denn die größten Unterschiede“, fragte sie in die Runde. In Amerika identifizierten sich die Jugendlichen mehr mit ihrer Schule, erzählte ein junger Lehrer. Es gibt viel Sportvereine, viele gemeinsame Veranstaltungen, überhaupt treffe man sich viel häufiger. „Hier ist Schule nur Schule.“
Am (morgigen) Donnerstag wird Laura Bush zusammen mit den Ehepartnern der Staats- und Regierungschefs der anderen G-8-Länder die historische Altstadt von Wismar besuchen. (AP)
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