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Vor Umsetzung der Reform „Gesundheitsversorgung ist ein Privileg der Bessergestellten“

John Rogers

30.04.2010

Ein kostenloser Sehtest in der Los Angeles Sports Arena. Hunderte Menschen ohne Krankenversicherung kamen in die Arena um sich kostenlos medizinsch behandeln zu lassen. Foto: AP Photo/Damian Dovarganes
Ein kostenloser Sehtest in der Los Angeles Sports Arena. Hunderte Menschen ohne Krankenversicherung kamen in die Arena um sich kostenlos medizinsch behandeln zu lassen.

Foto: AP Photo/Damian Dovarganes

Los Angeles (apn) Zu Hunderten sind sie gekommen, an diesem kalten und nebligen Morgen, manche schon vor Sonnenaufgang. Viele von ihnen sitzen in Rollstühlen. Andere stützen sich auf Krücken, manch einem fehlen die Zähne. Einige halten ihre Babys im Arm. Junge und Alte stehen dicht gedrängt vor einer Sporthalle und warten, bis es endlich losgeht. Sie alle wollen nur eines – eine kostenlose medizinische Behandlung.

Es sind keine Opfer einer Naturkatastrophe oder eines Bürgerkrieges. Sie leben auch nicht einem Dritte-Welt-Staat, sondern mitten in der US-Metropole Los Angeles. Die Wartenden sind einfache Leute, die keine Krankenversicherung haben.

Einer von ihnen ist Kenny Gillett. Der 47-Jährige ist nach eigener Aussage seit zwei Jahren nicht mehr beim Arzt gewesen, nachdem er seinen Job als Schweißer und seine Krankenversicherung verlor. Frank Carodine, ein freundlicher Mann mit schlohweißem Haar, sitzt im Rollstuhl. Wegen Diabetes amputierten die Ärzte ihm teilweise beide Beine. Nun hat die Krankheit auch seine Augen angegriffen, er braucht eine Brille. „Die Behandlungskosten meiner Diabetes werden übernommen, aber die Klinik zahlt nicht für die Augentests.“

Früher spielten in der Halle die Basketball-Stars der Los Angeles Lakers. Nun wimmelt es in dem Gebäude von Medizinern, darunter sind Zahnärzte, Akupunkteure, Chiropraktiker und andere Fachärzte. Sie alle sind freiwillig dem Aufruf der Hilfsorganisation Remote Area Medical (RAM) gefolgt.

Verstärkt kostenlose Behandlungen in Ballungszentren

Das Hilfswerk wurde 1985 gegründet, um Menschen in entlegenen Gegenden der Welt medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Nun hat die Organisation aber verstärkt Ballungszentren wie Los Angeles ins Visier genommen. RAM-Gründer Stan Brock zeigt auf eine Gruppe von wartenden Patienten, die sich ihre faulen Zähne ziehen oder füllen lassen wollen. „In diesem Land ist eine Gesundheitsversorgung ein Privileg der Bessergestellten.“ Mit der kürzlich verabschiedeten Gesundheitsreform soll das zwar besser werden, doch bis dahin wird es noch etwas dauern.

Um 18.00 Uhr haben nach Angaben der Organisatoren bereits 1.157 Patienten um eine Behandlung gebeten. Brock hofft, dass sich noch mehr Ärzte freiwillig melden. Etwa 20 der 94 Zahnarztstühle sind leer geblieben, weil sich nicht genug Mediziner fanden. Während Brock spricht, ist trotzdem überall das Surren von Zahnbohrern zu hören. Auf einem Tisch in einer Ecke der Halle liegen Brillenfassungen, die dem Hilfswerk gespendet wurden.

Christian Gaiters lässt sich in den Behandlungsstuhl eines Zahnarztes fallen, um sich zwei kaputte Zähne ziehen zu lassen. Doch es ist nur Zeit für einen. „Dann nehmen sie den, der tut am meisten weh“, sagt Gaiters zu Zahnärztin Lallana Mekmanee. Innerhalb weniger Minuten ist der Zahn draußen. „Ich habe überhaupt nichts gespürt“, sagt er und drückt der Ärztin dankbar die Hand. (AP)

 

 

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