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04.08.2009
Krakau – Beim Verlassen ihres stillen Konvents wird Schwester Anastazja Pustelnik mit einem ungewohnten Bild konfrontiert: ihr eigenes Gesicht lächelt der Nonne von zahlreichen Plakaten entgegen. Sie werben für die Kochbücher der 59-Jährigen, durch die sie innerhalb kurzer Zeit zu einer Bestsellerautorin in Polen aufgestiegen ist. Seit 2001 hat Schwester Anastazja fünf Rezeptsammlungen veröffentlicht und insgesamt 1,1 Millionen Exemplare verkauft, Übersetzungen ins Tschechische und Slowakische sind geplant.
Mit einem derartigen Ruhm hatte die Nonne nicht gerechnet. Erst seien ihr die Werbeplakate richtig unangenehm gewesen, sagt sie: „Ich hatte das starke Bedürfnis, sie einfach abzureißen.“ Allerdings habe sie sich vor einer Geldstrafe gefürchtet.
Jahrelang hat Schwester Anastazja für die Jesuiten gekocht, bis diese eines Tages die Idee kamen, ihre besten Rezepte in einem Faltblatt zu sammeln, wie Pater Bogdan Calka vom katholischen Verlagshaus WAM erklärt. Aus der schlichten Broschüre wurde das erste Buch: „Schwester Anastazjas 103 Kuchen“. Nach der Veröffentlichung 2001 wurde es prompt zum Überraschungserfolg und ist mit 400.000 verkauften Exemplaren das erfolgreichste Buch der Nonne. Die Titelbilder zeigen sie mit einer Schürze über ihrer schwarzen Nonnentracht und wahlweise einer Rührschüssel oder einer Servierplatte in der Hand.
Ihren Erfolg verdanken die Bücher den einfach nachzukochenden Rezepten. Es gibt vor allem Anleitungen zu polnischen Klassikern: herzhafte Kasserollen, Eintöpfe oder Kohlrouladen. Dazu kommen einige wenige internationale Gerichte wie Moussaka, Lecsó aus Ungarn oder Spaghetti Carbonara.
Auf die italienische Küche hätten sie einige der Jesuitenpriester gebracht, die nach ihrer Rückkehr von einem Studienaufenthalt in Rom gastronomische Erinnerungen auf dem Tisch hätten haben wollen, sagt Schwester Anastazja. Nichtsdestotrotz blieben Kuchen ihre Favoriten. Schuld daran seien nicht zuletzt die Käsekuchen, die ihre Mutter früher zubereitet hatte. Diese hätten ihr „Schleckermaul“ gefestigt, sagt die Nonne und blickt dabei an ihrer matronenhaften Figur herunter.
Trotz aller weltlichen Erfolge stehen ihre Bemühungen im Dienste des Herrn, betont Schwester Anastazja. Nach den Morgengebeten läuft sie jeden Tag von ihrem Konvent zum Zentrum der Jesuiten in der Innenstadt von Krakau, um dort für 20 Priester das Mittagessen zu kochen und ihnen „Stärke zu geben, wenn sie hinaus in die Welt gehen“. Zu Ostern backt sie jedem Priester ein Osterlamm, das dieser dann der Familie mitbringt, die er besucht. Die Einnahmen aus ihren Kochbüchern kommen Pater Calka zufolge einem guten Zweck zugute.
Einen ihrer Kuchen, so sagt Schwester Anastazja, habe sie in einem Traum gesehen. Die Kreation mit dem Namen „Geheimnis einer Nonne“ besteht aus Schichten aus Käsekuchen, pinkfarbener Fruchtgelatine und Sandkuchen überzogen mit Schokoladenguss. „Gott gibt mir die Rezepte. Wer sonst?“, sagt die gläubige Frau. Im Laufe der Jahre hat Schwester Anastazja mehr und mehr eigene Kreationen in ihre Kochbücher einfließen lassen: Rezepte, die sie anhand des Feedbacks der Jesuiten verfeinert hat.
Ihre Gerichte spiegeln auch die neue Reichhaltigkeit in polnischen Supermärkten wider, in denen es während des Kommunismus weder Rosinen noch echte Schokolade gab. In den vergangenen 20 Jahren haben exotische Zutaten wie Kiwis oder Mangos langsam ihren Weg in die Läden Krakaus gefunden. „Ihr neuestes Buch wäre vor 10 Jahren niemals erschienen. Damals konnte man derart ungewöhnliche Salate einfach nicht zubereiten“, sagt Pater Calka. In dem Buch findet sich unter anderem ein Raviolisalat mit sonnengetrockneten Tomaten. Für andere Rezepte werden Kapern, Bambussprossen oder Rucola benötigt. „Es ist fantastisch, dass man inzwischen alles im Laden bekommt.“ (AP)
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