Berlin – Sie wirkt wie der Inbegriff der resoluten Oberstudiendirektorin. Wertkonservativ und weltoffen, energisch und schlagfertig hatte Hanna-Renate Laurien als junge Lehrerin ihre Schulklassen vermutlich ebenso im Griff wie später als Berliner Parlamentspräsidentin die Abgeordneten. Die dankten es ihr 1995 parteiübergreifend mit einem Ständchen und sangen „zum Abschied leise Servus“.
Sie, die engagierte Katholikin, kam 1981 mit dem engagierten Protestanten und CDU-Liberalen Richard von Weizsäcker nach West-Berlin. Beide umwehte ein Hauch von Reformhoffnung für die verzopft wirkende CDU der ummauerten Stadt. Am (morgigen) Dienstag wird die als „Hanna-Granata“ bald bundesweit bekannte CDU-Politikerin 80 Jahre alt.
Zu Ehren der „herausragenden Mitgestalterin von vier Jahrzehnten bundesdeutscher Politik“ veranstaltet die Konrad-Adenauer-Stiftung nächste Woche ein Symposium über „Christliches Werteverständnis und politisches Handeln“. ZDF-Intendant Markus Schächter stellt seine Laudatio auf Laurien dabei unter die Überschrift „Leidenschaftlich wahrhaftig“.
Ihre Leidenschaft galt schon früh dem Lehrberuf. „Geistige Landschaft zu vermitteln, das fasziniert mich noch heute“, sagte Laurien lange nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik in einem Interview. Sie ist in verschiedenen Ehrenämtern tätig, engagiert sich in der katholischen Kirche, zu der sie 1952 konvertiert war, und macht sich gegen Rassismus und Neonazis stark.
Geboren am 15. April 1928 in Danzig, landete sie nach zweimaliger Flucht in Berlin. Nach dem Abitur 1946 studierte sie zunächst an der damaligen Berliner und heutigen Humboldt-Universität und gehörte dann zu den Mitgründern der Freien Universität. 1951 ging sie in Nordrhein-Westfalen in den Schuldienst. Als Leiterin eines Mädchengymnasiums in Köln sorgte sie 1967 dafür, dass eine schwangere Schülerin zum Abitur zugelassen wurde – für damalige Verhältnisse ein Skandal.
1966 trat sie der CDU bei. Bernhard Vogel berief sie 1971 als Staatssekretärin ins Kultusministerium nach Mainz. 1976 folgte sie ihm im Ministeramt, als Vogel rheinland-pfälzischer Regierungschef wurde, und ging schließlich 1981 als Schulsenatorin zurück nach Berlin.
Als Weizsäcker 1984 Bundespräsident wurde, hätte Laurien gerne für das Amt des Regierenden kandidiert, unterlag aber in einer CDU-internen Kampfabstimmung gegen Eberhard Diepgen und blieb Senatorin bis 1989. Nach der Abgeordnetenhauswahl 1990 wurde sie als erste und bisher einzige Frau Präsidentin des Berliner Landesparlaments.
Im Ruhestand ist die forsche Dame nicht unbedingt geduldiger geworden. „Einer meiner Fehler ist, dass ich den Menschen immer ins Wort falle“, räumte sie vor einigen Jahren in der „Berliner Morgenpost“ ein. Sie habe die Hoffnung aufgegeben, Fehler im Alter zu korrigieren: „Man lernt nur, anders mit ihnen umzugehen.“ (AP)
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