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Hungersnot "Hunger tötet langsam"

DAPD

30.07.2011

Berlin – In zwei Regionen Somalias haben die Vereinten Nationen eine Hungersnot ausgerufen – das Kinderhilfswerk UNICEF hofft dennoch, dass die schlimmste Katastrophe abgewendet werden kann. "Wir haben noch die Chance, das Schlimmste zu verhindern, wenn schnell Hilfe kommt", sagte Kerstin Bücker, UNICEF-Sprecherin in Bonn, im dapd-Interview. Wichtig sei nun, dass die Regierungen ihre Hilfszusagen auch einhielten.

UNICEF engagiert sich schon seit Jahren in den Ländern am Horn von Afrika und ist auch in Somalia vor Ort. 27 Mitarbeiter seien im Süden des Landes im Einsatz, es gebe bis jetzt keine Anzeichen, dass die Arbeit behindert werde, erklärte Bücker. Allerdings hätten sie nicht in alle Gebiete Zugang.

Nach UNICEF-Angaben sind im Süden Somalias 640.000 Kinder akut und damit lebensbedrohlich mangelernährt. Von Hungersnot spricht man der Hilfsorganisation zufolge dann, wenn mehr als 30 Prozent der Menschen an akuter Mangelernährung leiden oder jeden Tag mehr als zwei pro 10.000 Menschen beziehungsweise vier von 10.000 Kindern in einem Gebiet sterben. Ursache für die dramatische Lage in Somalia ist zum einen die Dürre, zum anderen steigende Lebensmittelpreise und die militärischen Auseinandersetzungen in dem Land, in dem seit Jahren ein Bürgerkrieg herrscht.

"Wir haben zusammen mit anderen Organisationen schon lange gewarnt", sagte Bücker. "Wir hätten vorher schon massive Hilfe benötigt." Leider habe die internationale Staatengemeinschaft sehr spät reagiert. "Hunger tötet langsam", erklärte die UNICEF-Sprecherin. Es sei nicht leicht, für eine solche "schleichende Katastrophe" Hilfe zu bekommen.

Spezialmilch für ausgezehrte Kinder

In den Krankenstationen in den Flüchtlingslagern von Dadaab in Kenia kümmern sich UNICEF-Mitarbeiter schwerpunktmäßig um unterernährte Kinder. Mit Hilfe eines Armbandes werde ermittelt, wie stark ausgezehrt die Kleinen seien, erklärte Bücker. Je nach Zustand erhielten sie dann Spezialnahrung: Kindern, die zu schwach zum Schlucken seien, werde über einen Nasenschlauch therapeutische Milch eingeflößt, andere erhielten eine nahrhafte Erdnusspaste, die eine schnelle Kalorienzufuhr sichere.

Entlang der etwa 100 Kilometer langen Strecke zwischen Dadaab und der somalischen Grenze habe UNICEF Transitpunkte eingerichtet, an denen Flüchtlinge Hilfe bekämen, erläuterte Bücker weiter. Denn viele seien schon so geschwächt, dass sie es bis nach Dadaab womöglich nicht schaffen würden. In Liboi beispielsweise, etwa 90 Kilometer von Dadaab entfernt, erhielten entkräftete Menschen Zusatznahrung und sauberes Trinkwasser für den weiteren Weg.

(dapd)

 

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