Foto: dapd/Thomas Lohnes
Darmstadt – Der mit 50.000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis 2012 ist an die Schriftstellerin Felicitas Hoppe verliehen worden. "Ich wollte nie Schriftstellerin werden, ich war das einfach schon immer", sagte die Geehrte am Samstag im Darmstädter Staatstheater.
Laudator Hubert Spiegel, Feuilletonredakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", lobte Hoppes "makellose, ganz und gar unverwechselbare Prosa".
Der Georg-Büchner-Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Vergeben wird er von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.
Hoppe unterlaufe mit ihren Romanen und Erzählungen auf den Spuren der Entdecker, Heiligen und Taugenichtse die Grenzen von Wahrheit und Fiktion, hieß es in der Begründung der Jury. "Man kann zwar die ganze Welt erfinden, aber faktisch ist man immer allein", sagte Hoppe selbst über ihre Arbeit.
Die 51 Jahre alte Schriftstellerin wurde in Hameln an der Weser geboren. Sie studierte Literaturwissenschaften, Rhetorik, Religionswissenschaften, Italienisch und Russisch in Hildesheim, Tübingen, Eugene im US-Bundesstaat Oregon, Berlin und Rom.
Seit 1996 lebt Hoppe als freie Schriftstellerin in Berlin. Im selben Jahr erschien ihr erstes Werk, der Kurzgeschichtenband "Picknick der Friseure". Zu ihren weiteren Werken zählen unter anderem: das Reisebuch "Pigafetta" (1999), der Roman "Paradiese, Übersee" (2003), die Porträtgalerie "Verbrecher und Versager" (2004), die moderne Legende von der heiligen "Johanna" (2006) und das Kinderbuch mit der Neuerzählung des Ritterromans "Iwein Löwenritter" (2008) und zuletzt die fiktive Biografie "Hoppe" (2012).
"Hoppe ist eine Wunsch- und Traumbiografie", sagte Laudator Spiegel, eine Autobiografie, die aufgrund ihres fiktiven Charakters "keine Autobiografie ist".
Zu den bisherigen Auszeichnungen der Schriftstellerin gehören unter anderem der aspekte-Literaturpreis, der Heimito-von-Doderer-Preis und der Rattenfänger-Literaturpreis ihrer Heimatstadt Hameln. Hinzu kommen zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen. Dieses Jahr hat sie eine Gastprofessur für interkulturelle Poetik an der Universität Hamburg inne.
Der Büchner-Preis ist nach dem deutschen Schriftsteller und Freiheitskämpfer Georg Büchner (1813-1837) benannt. Zu seinen bekanntesten Dramen zählen "Woyzeck" und "Dantons Tod", die noch heute regelmäßig auf deutschen Bühnen aufgeführt werden. Der Preis wird seit 1951 vergeben. Die Auszeichnung können laut der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Schriftsteller erhalten, "die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben". Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Erich Kästner, Max Frisch, Günter Grass, Heinrich Böll, Friedrich Dürrenmatt, Elfriede Jelinek und im vergangenen Jahr Friedrich Christian Delius.
dapd
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