«Indonesien raubt mir eine Menge Schlaf» – Margie Mason
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«Indonesien raubt mir eine Menge Schlaf»

Margie Mason

13.08.2006

Hanoi - Indonesien bleibt das Sorgenkind der Seuchenexperten: Die Vogelgrippe hat in dem südostasiatischen Land bereits 44 Menschenleben gefordert und damit so viele wie in keinem anderen Land der Erde. «Indonesien raubt mir eine Menge Schlaf», sagt der Tiergesundheitsexperte Juan Lubroth von der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). «Wenn es uns nicht gelingt, das Problem einzudämmen, könnte es eine Quelle für künftige Ausbrüche sein und Ausbrüche in anderen Teilen der Welt noch erweitern.»

Auch wegen des neuerlichen Auftretens der Geflügelpest in Thailand und Laos befürchten die Behörden, dass die Seuche in anderen asiatischen Ländern wieder ausbrechen könnte. Nach sieben Monaten wurde im Juli aus Thailand wieder ein H5N1-Todesopfer gemeldet, am Samstag vor einer Woche kam ein weiteres hinzu. Die Regierung in Bangkok rief deswegen die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Auch in Vietnam, wo seit Dezember vergangenen Jahres kein Fall von Vogelgrippe mehr bekannt geworden war, wurden am Freitag Infektionen bei zwei Enten und zwei Gänsen gemeldet. Es seien nun Tests auf den umliegenden Bauernhöfen geplant, teilte die Behörde für Tiergesundheit der südlichen Provinz Ben Tre mit. In Vietnam waren der Vogelgrippe bis November vergangenen Jahres bereits 42 Menschen zum Opfer gefallen, nach Indonesien ist das Land damit am stärksten von der Tierseuche betroffen.

Vietnam und Thailand haben jedoch bewiesen, dass sie das Virus bekämpfen können, während Indonesien weniger Erfolge vorweisen kann. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Fall einer Familie auf der Insel Sumatra im Mai: Erstmals konnten Wissenschaftler nachweisen, dass es dabei nicht nur eine Übertragung von Mensch zu Mensch gab, sondern dass sich das Virus dabei verändert hat: Ein zehnjähriger Junge infizierte seinen Vater mit dem mutierten Erreger. Von den insgesamt acht Infizierten überlebte nur einer die Krankheit. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge hat sich mit der Mutation das Pandemie-Risiko jedoch nicht erhöht.

Ausgangspunkt dieser Infektion war vermutlich wieder Hausgeflügel. Nach Angaben der FAO werden in Indonesien Milliarden von Hühnern in Hinterhöfen gehalten. Oft werden die Tiere nach einem Vogelgrippe-Ausbruch nicht schnell genug getötet, die Impfung ist außerdem unzureichend und die Überwachung lückenhaft. Die Regierung und die FAO wollen zwar einen Aktionsplan zur Bekämpfung der Seuche umsetzen, haben aber bisher nur einen Bruchteil der benötigten 39 Millionen Euro erhalten. «Es ist ein langsamer Vorgang», sagt Seuchenexperte Lubroth.

Die neuen Fälle Thailand, Laos und Vietnam sowie die Situation in China zeigen, wie schwer sich das aggressive H5N1-Virus bekämpfen lässt. Auch für WHO-Sprecher Dick Thompson ist der Ausbruch in Thailand eine Enttäuschung. «Die Vogelgrippe kann immer zurückkehren. Erhöhte Wachsamkeit ist im ganzen Land geboten.» erklärt er.

Neue Fälle auch in Kambodscha

Auch in Kambodscha gab es im April neue Fälle bei Mensch und Tier. Das Pasteur-Institut in Phnom Penh hält ständig Ausschau, wo die Vogelgrippe neu aufflammen könnte, wie der Seuchenexperte Sirenda Vong sagt. Derzeit habe das aggressive Virus H5N1 keine Saison. «Wir denken, dass es gegen Ende des Jahres im Dezember oder im Januar wieder auftritt.»

Seitdem das Virus in Asien grassiert, sind ihm weltweit mindestens 138 Menschen zum Opfer gefallen. Zwar ist die Vogelgrippe noch immer fast eine reine Tierseuche, doch Experten befürchten, dass das Virus mutieren und sich an Menschen anpassen könnte. Dies war zum Beispiel bei der Spanischen Grippe 1918 der Fall, als Millionen von Menschen auf der ganzen Erde starben.

Unklar ist, warum die Vogelgrippe wieder aufgetaucht ist. «Für mich ist das ein Anhaltspunkt dafür, wie schnell sich die Lage verändern kann», sagt der FAO-Berater Tony Forman. «Warum diese Ausbrüche jetzt so plötzlich in Laos und Thailand aufgetreten sind, wissen wir einfach nicht.»

(AP)

 

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