Foto: AP Photo/Paul White
Hamburg (apn) Die afro-mallorquinische Musikerin Concha Buika hat einen wichtigen Fürsprecher aus der Filmszene: Ihr spanischer Landsmann Pedro Almodóvar fand die Songs auf ihrem neuen Album „El último trago“ (Megaphon) so emotional und anrührend, dass er eine Empfehlung fürs CD-Heft schrieb.
Buika bringe uns an Orte, an denen wir mit unserer eigenen Geschichte der Liebe konfrontiert werden, einer Geschichte, in der unsere Fehler deutlich vor uns stehen, schwärmt er. Danach seien wir bereit, dieselben Fehler immer wieder aufs Neue zu begehen. „Denn hier gibt es keine Regeln, keinen gesunden Menschenverstand und kein Bedauern der Leidenschaft“.
Die schwarze Musikerin mit äquatorialafrikanischen Vorfahren liebt Blues, Soul und Jazz, vor allem aber den Flamenco in all seinen Facetten. Auf ihrem vierten Album „El último trago“ interpretiert Buika Songs aus dem Repertoire ihres großen Vorbildes, der Costaricanerin Chavela Vargas. „Sie hat es immer geschafft, eine eigene Identität zu wahren. Sie hat sich nie verleugnet, egal wie hoch der Preis war. Frauen wie sie brauchen wir, vor allem in der heutigen Zeit.“
Dabei kopiert Concha Buika nicht den Stil ihres 90jährigen Vorbildes. Sie fand ihren ganz eigenen Weg, die Songs neu zu interpretieren. „Ich therapiere mich quasi bei jedem Auftritt selbst“, sagt sie. „Ich versetze mich in Erlebnisse zurück, die mir in schlechter Erinnerung geblieben sind, die ein mulmiges Gefühl in meinem Herzen oder negative Gedanken in meinem Kopf hinterlassen haben. Ich erlebe beispielsweise noch einmal, wie mir jemand Dinge gesagt hat, die mir weh taten. Und wenn ich dann weitersinge, kann ich erreichen, dass diese Person diese Dinge nicht sagt. Manchmal kommen Erinnerungen an die Nacht hoch, in der mein Vater durchdrehte, uns Kinder schlug und dann die Familie verließ. Ich singe weiter, und plötzlich verändert sich die Situation. Sie löst sich auf, und mein Vater schlägt mich nicht mehr, sondern behandelt mich ganz liebevoll. Und der Schmerz ist weg.“
Concha Buika reiste für einen Teil der Aufnahmen nach Kuba, um wieder mit Javier Limón arbeiten zu können, der schon ihr letztes, für zwei Grammys nominiertes Album „Nina de Fuego“ produziert hatte. Außerdem konnte sie dort ohne Probleme mit ihrem musikalischen Wunschpartner ins Studio gehen, dem mit fünf Grammys ausgezeichneten kubanischen Jazzpianisten Chucho Valdés. Es habe ihr zwar auf Kuba gefallen, erzählt sie, „Aber auf Dauer störte mich die permanente Überwachung, der ich als Fremde ausgesetzt war.“
Buika, 1972 geboren, stammt aus Palma de Mallorca. Mit der Baleareninsel verbindet sie immer noch sehr intensive Erinnerungen an eine Kindheit in Armut, aber auch mit sehr positiven Aspekten: „Mallorca hat dieses wunderbare Licht, das deinen Kopf frei macht. Dieses Licht war in meiner Kindheit sehr wichtig. Ich verbinde es mit dem Gefühl des Freiseins, aber auch der Beklemmung. Denn ich lebte in einem ärmeren Viertel von Palma, in dem das Leben sehr kompliziert war. Ich kam mir dort vor wie in einem Gefängnis. Ich fragte mich ständig: 'Wann kommst du endlich hier weg?' Auch das Meer trug dazu bei. Es war wie eine Mauer, die mich davon abhielt, aufs Festland zu entkommen.“
Als 17-Jährige trat sie als Sängerin in den Bars der Insel auf. Und weil sie kein Englisch konnte, fand sie auf originelle Art Abhilfe. „Ich erfand mein eigenes Englisch, eine Fantasiesprache. Die Barbesitzer merkten es nicht, und bezahlten mich trotzdem.“ Sie zog in die USA, tingelte durch diverse Clubs in Las Vegas, L.A. und New York und trat als Tina-Turner- und Diana-Ross-Darstellerin auf. Anfang des neuen Jahrtausends kehrte sie zurück nach Spanien, um ihre Karriere weiter zu verfolgen.
(AP)
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