Kultur – „Lohengrin“ an der Deutschen Oper Berlin – Rosemarie Frühauf
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Ein strahlender Held kämpft gegen das Misstrauen „Lohengrin“ an der Deutschen Oper Berlin

Rosemarie Frühauf

16.04.2012

Klaus Florian Vogt, als Schwanenritter derzeit weltweit gefeiert, war der Star der gestrigen Berliner Lohengrin Premiere. Foto: Marcus Lieberenz im Auftrag der Deutschen Oper Berlin
Klaus Florian Vogt, als Schwanenritter derzeit weltweit gefeiert, war der Star der gestrigen Berliner Lohengrin Premiere.

Foto: Marcus Lieberenz im Auftrag der Deutschen Oper Berlin

"Sind die echt?" scheint sich Elsa (Ricarda Merbeth) schon kurz nach Lohengrins Ankunft zu fragen. Die Flügel trug Klaus Florian Vogt fast den ganzen Abend lang.
"Sind die echt?" scheint sich Elsa (Ricarda Merbeth) schon kurz nach Lohengrins Ankunft zu fragen. Die Flügel trug Klaus Florian Vogt fast den ganzen Abend lang.

Foto: Marcus Lieberenz im Auftrag der Deutschen Oper Berlin

 

Männer bei Wagner sind zwiespältige Gestalten: Man denke nur an Tannhäuser und seinen unausgeglichenen Hormonhaushalt, den antiautoritären Naturburschen Siegfried und seine zynisch-aggressiven Züge, den fliegenden Holländer, der de Facto ein Zombie ist - vom unberechenbaren Göttervater Wotan ganz zu schweigen. Allen diesen Schwerenötern stellte der Meister in seinen Werken starke Frauen zur Seite. Diese dürfen ihre Männer dann durch aufopfernde Liebe retten, oder müssen mindestens deren Fehler ausbügeln.

Endlich mal ein Mann als Retter

Aber es gibt eine strahlende Ausnahme - einen Fall, in dem Wagner ein klassisches Geschlechterverhältnis zeigt; ein Stück in dem ein anständiger Mann eine unschuldige Jungfrau vor der Boshaftigkeit der Welt zu beschützen versucht: Lohengrin. Und leider, ja leider bleibt es bei diesem Versuch. Denn er schafft es schließlich nicht, sie vor ihren (Selbst)-zweifeln zu schützen.

Vertrauen oder Misstrauen? Das ist das Thema von Wagners romantischer Oper von 1850.

Und Wagner erzählt uns damit nicht nur seine zarteste und poetischste Liebesgeschichte. Er überblendet in der Gestalt des Lohengrin, des unbekannten Ritters, gleich zwei archaische Motive: Das Vertrauen oder Misstrauen in einen Lebenspartner und das Vertrauen oder Misstrauen in eine göttliche Macht.

Niemals solle Elsa nach seinem Namen fragen, sagt er ihr gleich zu Beginn, sonst könne er nicht mehr bei ihr bleiben. Dieses Frageverbot - und damit das ganze Stück - macht nur dann Sinn, wenn man Lohengrin als reales höheres Wesen begreift, das gezwungen ist, in der Menschenwelt unerkannt zu bleiben.

Mit Engelsflügeln und Superman-Faust

Bei der Premiere des neuen Lohengrins, die am Sonntagabend an der Deutschen Oper über die Bühne ging, überwog eindeutig das Misstrauen. Das begann damit, dass Regisseur Kasper Holten, (ein begnadeter junger Däne mit großem Theaterinstinkt) bereits dem Stück misstraute.

Er versuchte uns die Geschichte von Elsa und Lohengrin als eine ungesunde, dominant-submissive Beziehung zu verkaufen. Das basierte auf seiner Idee, dass Wagners himmlischer Retter eigentlich gar nicht echt ist, sondern ein Blender, der sich dem Volk als eine Art Superman und Heilsbringer präsentiert, um die politische Macht an sich zu reißen. (Klaus Florian Vogt schnallte sich denn auch mehrmals auf offener Szene die Engelsflügel um, um seine Show abzuziehen und ballte gelegentlich die Superman-Faust.) Die prekäre Lage der armen Elsa nutzt er dabei schamlos aus, um ihr das Ehe- und Schweigeversprechen abzunötigen. Dem ging eine Gewaltdarstellung einher, die sadistisch und geschmacklos genannt werden darf.

Das Bühnenbild matschig, aber perfekt

 

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