Aktuelle Nachrichten – Essen&Trinken
01.08.2012
Foto: Thomas Lohnes/dapd Photo
Sanitz – Mehr als 200 Kartoffelexperten aus ganz Deutschland haben sich am Mittwoch zum "Mecklenburger Kartoffeltag" in Sanitz (Landkreis Rostock) getroffen. Diskutiert wurde unter anderem die Frage, warum immer weniger Frischkartoffeln gegessen werden. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch ist von 200 Kilogramm im Jahr 1950 auf mittlerweile rund 60 Kilogramm gesunken.
Über den Rückgang sprach dapd-Korrespondent Jürgen Drewes mit der stellvertretenden Geschäftsführerin des Deutschen Kartoffelhandelsverbandes, Karen Willamowski.
dapd: Haben die Deutschen die Kartoffel einfach satt?
Karen Willamowski: Ich denke nicht. Die meisten Kartoffelverweigerer haben mit der Zubereitung ein Problem. Sich einen frischen Salat zu schnippeln, das ist für viele selbstverständlich, beim Kartoffelschälen hört der Spaß unterdessen auf. Erklären konnte uns das von den Verbrauchern kaum einer.
dapd: Gibt es die Kartoffelverweigerer in allen Altersgruppen?
Willamowski: Wir haben festgestellt, dass vor allem Jugendliche ein Problem mit der Kartoffel haben. Die greifen schnell zum Fertiggericht oder essen lieber Nudeln oder Reis. Das kommt alles fertig aus der Tüte. Kartoffeln kommen so kaum noch auf den Tisch - abgesehen von veredelten Produkten wie Chips oder Pommes frites. Aber gesünder ist natürlich die frische Kartoffel.
dapd: Was tun Sie gegen diesen Trend?
Willamowski: Wir wenden uns jetzt zuallererst den Kindern zu. Bereits vor vier Jahren haben wir das Projekt "Kids an die Knolle" gestartet. Dabei versuchen wir vor allem den Kartoffelanbau in Schulgärten neu zu aktivieren. Die Schulen können bei uns die Kartoffeln kostenlos bestellen. Wir bitten dann darum, dass ein Tagebuch geschrieben wird: Wann wurden die Kartoffeln gepflanzt, wie wurden sie gepflegt, wann geerntet und vor allem, wie wurden sie gemeinsam zubereitet? In Berlin haben wir schon gute Erfolge damit erzielt. Da sind uns ganz tolle Geschichten auf den Tisch gekommen.
dapd: Viele Verbraucher lassen vielleicht auch die Finger von Kartoffeln, weil sie so schnell faulen?
Willamowski: Das bekommen wir immer wieder zu hören. Aber nicht die Kartoffel ist das Problem, sondern ihre Lagerung. Die großen Handelsketten greifen zumeist nur auf die Sorten zurück, die auch bei viel Licht und Wärme im Supermarkt längere Zeit haltbar sind. Aber das klappt nicht immer. Wir raten deshalb, immer auch mal beim Bauern nebenan die Kartoffeln einzukaufen, im Hofladen oder auch bei den großen Lagerhäusern, die zumeist einen Direktbezug anbieten.
(dapd)
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