Umwelt – „Mülltrenner, Müsliesser und Klimaschützer. Wir Deutschen und unsere Umwelt“ – Kathrin Aue
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Umwelt-Weltmeister der Herzen „Mülltrenner, Müsliesser und Klimaschützer. Wir Deutschen und unsere Umwelt“

Kathrin Aue

03.03.2011

Berlin – Eines Tages schaute Volker Quaschning ins Kleingedruckte seiner Autoversicherungs-Police. Dort sah er, dass sein PKW gegen so ziemlich alles versichert ist, nur nicht für den Fall eines Schadens nach einem Atomunfall. "Merkwürdig, dachte ich da", sagt der Professor für Regenerative Energiesysteme an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft. Die Atomwirtschaft behaupte doch immer, Kernkraft sei völlig gefahrlos. "Die Versicherungen sehen das offenbar anders. Ihnen ist das Risiko zu groß, um es zu abzudecken."

Solche Geschichten sind es, die das Buch "Mülltrenner, Müsliesser und Klimaschützer. Wir Deutschen und unsere Umwelt" so anschaulich machen. Wie steht es um den Umweltschutz in Deutschland, individuell wie institutionell? Das will der Autor in rund zwei Dutzend Geschichten erkunden. Ihn treibt die Beobachtung an, dass das Umweltbewusstsein der Deutschen zwar verhältnismäßig groß ist, aber flüchtig: "Wir sind so etwas wie die Umweltweltmeister der Herzen", sagt Quaschning. "Wir empören uns schnell und sind bereit, etwas zu tun, aber nach einiger Zeit haben wir uns an einen Zustand gewöhnt und wollen uns nicht mehr so viele Umstände machen." Der Skandal um Dioxin-Eier ist so ein Beispiel. "Da ist man ein paar Wochen völlig entsetzt, der Eier-Konsum geht zurück. Aber schnell geht alles so weiter wie bisher, mit der konventionellen Landwirtschaft und den viel zu billigen Produkten."

Auch der deutsche Wald sei längst nicht gesund. "Aber von Waldsterben ist schon lange nicht mehr die Rede. Dabei war das in den 80er Jahren für uns eine wirkliche Herzensangelegenheit", erklärt Quaschning. Oder Recycling-Papier, gibt's das überhaupt noch? Selbst an eine der schlimmsten Bedrohungen der Menschheit, den Klimawandel, scheinen sich die Deutschen längst gewöhnt zu haben. Eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap ergab im vergangenen Jahr, dass nur noch 42 Prozent der Deutschen Angst vor den Folgen des Klimawandels haben. Vier Jahre vorher waren es noch 62 Prozent.

"Es ist wohl menschlich, dass man sich an Missstände gewöhnt", sagt Quaschning. Es dabei belassen will der Autor nicht. Ein weiteres Buch darüber zu schreiben, dass "der Weltuntergang bevorsteht", hielt er jedoch für kontraproduktiv. Deshalb verfasste er ein durchaus lustiges Werk über die kleinen und großen Widersprüche im Verhältnis der Deutschen zur Umwelt. Da ist zum Beispiel die Sache mit den PET-Flaschen, also den Plastikflaschen, für die Pfand genommen wird: "Wir sammeln sie und bringen sie in den Laden zurück, bevor sie in der Müllverbrennungsanlage landen. Natürlich könnte man sie – wie in vielen anderen Ländern – auch viel einfacher direkt im Hausmüll entsorgen. Da wir aber so gerne Müll trennen und dabei ein gutes haben, wäre das nur halb so schön."

Nur salopp ist das Buch deshalb aber noch lange nicht. Dafür sorgen die gut geschriebenen, sachlichen Infoboxen, etwa zum Thema "Zertifikate auf Tropenholz", oder "Lebensmittelzusatzstoffe". Kurz: Es ist ein Sachbuch, aber eines, das Spaß macht zu lesen. Apropos: "Während Umweltschützer früher spießige Spaßbremsen waren, sind sie heute cool und sexy", schreibt Quaschning am Schluss. Das ist dann vielleicht doch etwas optimistisch.

(Hanser Verlag, September 2010, ISBN 978-3-446-42261-2, 246 Seiten, 14,90 Euro) (dapd)

 

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