Kultur – „Notleidende Banken“ ist Unwort des Jahres – DAPD
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Unwort des Jahres „Notleidende Banken“ ist Unwort des Jahres

DAPD

20.01.2009

Das Unwort des Jahres "notleidende Banken". Der Begriff wurde von einer unabhängigen Jury um ihren Sprecher Horst Dieter Schlosser aus rund 1.000 Einsendungen ausgewählt. (AP Photo/Michael Probst)
Das Unwort des Jahres "notleidende Banken". Der Begriff wurde von einer unabhängigen Jury um ihren Sprecher Horst Dieter Schlosser aus rund 1.000 Einsendungen ausgewählt. (AP Photo/Michael Probst)

Frankfurt/Main – Das Unwort des Jahres 2008 heißt „notleidende Banken“. Der Begriff stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise völlig auf den Kopf, begründete der Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser am Dienstag in Frankfurt am Main die Entscheidung der Jury: „Während die Volkswirtschaften in ärgste Bedrängnis geraten und die Steuerzahler Milliardenkredite mittragen müssen, werden die Banken mit ihrer Finanzpolitik, durch die die Krise verursacht wurde, zu Opfern stilisiert.“

Auf Platz zwei landete „Rentnerdemokratie“. Hier kritisierte die Jury, dass Altbundespräsident Roman Herzog mit dem Begriff das Schreckbild eines Staates gemalt habe, in der die Alten die Jungen ausplünderten. Ein „bedenkliches Verständnis der Grundrechte“ attestierten die Wissenschaftler schließlich dem Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt: Er habe Bürger als „Karlsruhe-Touristen“ diffamiert, die wegen Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen schon einmal vor das Bundesverfassungsgericht gegangen seien und dies beim neuen BKA-Gesetz noch einmal tun könnten.

Die Jury hatte das Unwort aus 2.117 Einsendungen ausgewählt, die 1.129 Vorschläge enthielten. Sehr viele hätten mit dem Thema Finanzkrise zu tun gehabt, sagte Schlosser. „Notleidende Banken“ gehörte neben „Nacktscanner“ zu den am häufigsten gemachten Vorschlägen (jeweils 48 Mal). Dies sei für die Jury aber nicht maßgeblich gewesen, betonte der Frankfurter Wissenschaftler.

Diskutiert habe die Jury auch über den Begriff „Finanzkrise“, der 33 Mal vorgeschlagen worden sei: Dabei sei es darum gegangen, dass vieles zur Krise heruntergestuft werde, was eigentlich eine Katastrophe sei – die Bezeichnung „Krisengebiet Darfur“ zum Beispiel. „Das hat schon einen beschönigenden Charakter“, sagte Schlosser. Der Begriff „Finanzkrise“ war im Dezember von einer Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache als „Wort des Jahres 2008“ ausgewählt worden. Eine Wertung sei damit nicht verbunden, hieß es bei der Bekanntgabe.

Der Vorschlag „Ypsilanti“ ging 29 Mal ein

29 Einsender hätten den Namen „Ypsilanti“ als Unwort des Jahres angeregt. Dazu stellte Schlosser klar: „Eigennamen sind grundsätzlich kein Unwort.“ Als Unwörter werden sprachliche Missgriffe gerügt, die sachlich unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen.

Das Unwort des Jahres wurde in diesem Jahr zum 18. Mal vergeben. Der Jury gehörten die vier ständigen Mitglieder, die Professoren Margot Heinemann (Leipzig), Nina Janich (Darmstadt), Martin Wengeler (Düsseldorf) und Schlosser an sowie als Vertreter der Sprachpraxis der Chefredakteur der „Thüringer Allgemeinen“, Sergej Lochthofen. Unwörter der vergangenen Jahre waren unter anderem „freiwillige Ausreise“, „Gotteskrieger“, „Humankapital“, „Ich-AG“, „sozialverträgliches Frühableben“ und „Entlassungsproduktivität“. Im vergangenen Jahr war der von Kritikern des Betreuungsgeldes verwendete Begriff „Herdprämie“ als Unwort erkoren worden. (AP)

 

 

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