Innovation – "Polli-Brick" von Miniwiz: Innovation aus Taiwan – Renate Lilge-Stodieck
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Der Geist in der Plastikflasche "Polli-Brick" von Miniwiz: Innovation aus Taiwan

Renate Lilge-Stodieck

28.11.2011

Der EcoArk Pavillon aus Polli-Brick in Taiwan. Foto: Miniwiz
Der EcoArk Pavillon aus Polli-Brick in Taiwan.

Foto: Miniwiz

Berlin –Tatsächlich trieb genau diese Frage nach dem Umwelt-Sündenfall Plastik den taiwanischen Architekten Arthur Huang um und inspirierte den in Harvard Ausgebildeten, sich der Plastikflaschen, der PET-Flaschen, als Baumaterial anzunehmen. Sein Team wurde gesponsert von Taiwans größtem Plastikflaschenhersteller, der realisierte, dass Taiwans jährlicher Plastikflaschenabfall leicht dreimal den Taipei 101, das höchste Bürogebäude der Welt, bis zu seinen 508 Metern Höhe füllen könnte. Vor einem Jahr konnte Huang mit seinem Team auf der internationalen Gartenschau in Taiwan den „EcoArk Pavillon” realisieren, dessen von ihm entwickelten Fassaden mit den Elementen aus „Polli-Brick“ komplett aus recycelten Plastiklaschen besteht.

Miniwiz ist kein Witz

Der EcoArk Pavillion hatte immerhin die Höhe eines neunstöckigen Hochhauses. Die Bauelemente, die Polli-Bricks, sind stabile sechseckige durchsichtige Flaschen, deren Luftinhalt die Leichtigkeit des Bauelements garantiert, ebenso seine Dämmeigenschaft gegen Wärme oder Kälte sowie gegen Lärm. Sie haben ein Fassungsvermögen von sechs Litern und sind durch ihre wabenartige Struktur extrem belastbar. Sie können durch ihre Oberflächenstruktur fest miteinander verhakt werden zu handhabbaren Bauplatten. Das Grundgerüst ist jedoch eine Stahlkonstruktion, an der sie befestigt werden. Für den EcoArk Pavillon wurden 1,5 Millionen dieser neuartigen Plastikflaschen ihrer Bestimmung zugeführt. Die Taiwaner waren so begeistert von dem neuen Material, dass Polli-Bricks im Kleinformat im vergangenen Jahr ein Werbe- und Verkaufsgag der Firma Miniwiz wurden.

Miniwiz ist die Produktionsfirma in Taiwan, die Polli-Brick herstellt und mit dem Slogan wirbt: „Your Trash – Our Building Material“ (Ihr Abfall ist unser Baumaterial), was dem Gedanken der Nachhaltigkeit durch ein Kreislaufsystem nahekommt. Inzwischen wurde der Pavillon der Gartenschau wieder abgebaut und die Polli-Brick-Elemente dienen als Fassaden für mobile Klassenzimmer in Taiwans Katastrophenregion, wo die häufig auftretenden Taifune Schulen zerstört haben. Polli-Brick ist jedoch auch sicher gegen Sturm von der Kraft eines Taifuns und natürlich auch gegen Feuer.

Markteinführung in Deutschland

Auch in Deutschland wandern jährlich 800 Millionen Plastikflaschen auf den Müll – genügend Grundstoff wäre vorhanden. Grund genug für Hartmut Gaßner, Leiter des Energieforums Berlin und Deutschlandrepräsentant der taiwanischen Miniwiz Sustainable Energy Development Ltd., die Zertifizierung und Markteinführung von Polli-Brick in Deutschland zu betreuen. Er ist Rechtsanwalt in Berlin und seit Jahren mit Umweltthemen befasst. Er stellte sich am 23. November der Diskussion mit Architekten, Ingenieuren und der Presse bei einer Veranstaltung des Aedes Network Campus Berlin, ANCB, in Zusammenarbeit mit der Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland. Das geschah anlässlich und gerade rechtzeitig vor der 17. Klimakonferenz des UNFCCC (Rahmenübereinkommen der UN über Klimaänderungen) vom 28.11.- 9.12.2011 in Durban. Denn Polli-Brick ist ein CO2-neutraler Baustoff.

Gaßner brauchte nicht wirklich für das neue Produkt zu werben, dessen Entstehung, Entwicklung und Anwendbarkeit in einem Film anschaulich dargestellt wurde. Widerspruch wurde nicht erhoben, aber Gaßner sucht nicht nur die Diskussion, sondern Unternehmen, die in einem Pilotprojekt in Deutschland das neue Material einsetzen. Der ästhetische Gesichtspunkt wurde nicht diskutiert, aber der kann bei Lagerhallen, Ausstellungsgebäuden und technischen Aufbauten auch eher positiv für das lichte Material von Polli-Brick bewertet werden angesichts bestehender Eintönigkeit auf diesem Bausektor.

Pilotprojekt gesucht

Zwar hat Gaßner schon das Zulassungsverfahren am Deutschen Institut für Bautechnik eingereicht, aber der Prüfungsprozess von etwa zwei Jahren könnte bei einem Pilotprojekt für einzelne Schritte abgekürzt und am Projekt durchgeführt werden. Er macht sich jedoch keine Illusionen darüber, die vermüllte Welt auf einen Schlag mit diesem Projekt zu retten, auch beschäftigt ihn nicht die Frage, dass die Plastikflaschen als Grundstoff das zur Neige gehende Erdöl zur Herstellung benötigen. Es sind nämlich immer noch viel zu viele Plastikflaschen im Umlauf, viel zu viele landen auf dem Müll und auch die Meere sind voll mit abfischbarem Plastikmüll, der dann immerhin auch einer Wiederverwertung zugeführt werden könnte.

Trotz der enormen Entwicklungsarbeit, die Polli-Brick schon zur Produktionsreife gebracht hat, ist weiterhin das Feld für Innovationen offen. Beklagt wurde von anwesenden Architekten eine gewisse Müdigkeit beim Thema Nachhaltigkeit, der man mit solchen Geschichten, wie der von Polli-Brick entgegenwirken könnte. Keine schlechte Idee, auch Journalisten lieben Geschichten. Man muss nur aufpassen, dass keine Nebelkerzen geworfen werden, um von Mängeln abzulenken. Der Eindruck entstand hier nicht, eher ein Staunen über die Beharrlichkeit der Entwickler von Polli-Brick in Taiwan, Respekt für innovative Denker und Tüftler, ein Anstoß gegen Gleichgültigkeit und Inspiration über gangbare Wege aus Umweltängsten.

 

 

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