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Rasmussen - Karikaturstreit gerät zu weltweiter Krise

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07.02.2006

Kopenhagen - Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen hat die gewaltsamen Proteste von Moslems gegen die Mohammed-Karikaturen als eine weltweite Krise bezeichnet, die außer Kontrolle geraten könnte. In mehreren moslemischen Staaten kam es am Dienstag erneut zu schweren Ausschreitungen gegen die von europäischen Zeitungen veröffentlichten Darstellungen. In Afghanistan starben dabei vier Menschen.

"Wir stehen vor einer zunehmenden globalen Krise, die das Potenzial hat, über die Kontrolle von Regierungen und anderen Autoritäten hinweg zu eskalieren", sagte Rasmussen. Radikale, Extremisten und Fanatiker würden den moslemischen Zorn anfachen, um ihre eigenen Anliegen voranzutreiben. Er bekräftigte aber zugleich sein Interesse an einem Dialog mit Moslems. "Lassen Sie uns zusammenarbeiten im Geiste gegenseitigen Respekts und Toleranz."

US-Präsident George W. Bush sicherte Rasmussen in einem Telefonat seine Unterstützung und Solidarität zu. Die US-Regierung hatte die Veröffentlichung der Karikaturen verurteilt, aber zugleich die gewaltsamen Proteste dagegen scharf kritisiert.

Die schweren Ausschreitungen in den vergangenen Tagen richteten sich gegen Karikaturen des Propheten Mohammed, die zuerst im September in einer dänischen Zeitung veröffentlicht worden waren. Andere europäische Blätter - darunter auch "Die Welt" - hatten die Zeichnungen vor Kurzem trotz der Proteste nachgedruckt, um damit das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit zu betonen. Im Islam gilt jede bildliche Darstellung des Religionsstifters als Gotteslästerung. Irans größte Zeitung schrieb am Dienstag einen Karikaturenwettbewerb zum Holocaust aus. Damit solle die vom Westen viel zitierte Meinungsfreiheit ausgelotet werden, gab das Blatt "Hamschahri" bekannt. Die iranische Regierung fror die Handelsbeziehungen zu Dänemark ein.

Rasmussen betonte, dass der Streit nicht mehr nur eine Angelegenheit zwischen Dänemark und der moslemischen Welt sei. Dies belege ein Angriff wütender Moslems auf norwegische Nato-Soldaten im afghanischen Majmana am Dienstag. Dabei starben vier Demonstranten. 18 Angreifer und fünf norwegische Soldaten der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf wurden verletzt. Britische Soldaten wurden zum Schutz des Flugfelds in die Stadt entsandt. Die Vereinten Nationen (UN) kündigten an, nicht dringend benötigtes Personal aus Majmana abzuziehen. F-16 Kampfflugzeuge überflogen das Gebiet, um Stärke zu demonstrieren. Ein Transportflugzeug der Bundeswehr stand bereit, den Stützpunkt zu evakuieren.

Auch in anderen afghanischen Städten kam es zu Protesten gegen die Karikaturen. In der iranischen Hauptstadt Teheran bewarfen Randalierer die dänische Botschaft den zweiten Tag in Folge mit Steinen. Dänemark protestierte bei der iranischen Führung. Die Regierung in Kopenhagen rief ihre Bürger zudem auf, Indonesien zu verlassen, wo es auch zu Protesten gekommen war.

Auch in Nordpakistan gingen mehr als 10.000 Moslems auf die Straße. Viele der Pakistaner richteten dabei ihre Wut gegen die USA, obwohl die Karikaturen nicht in US-Zeitungen gedruckt worden waren. "Wir verurteilen Amerika, weil das Land jene fördert, die die Karikaturen drucken", sagte ein Geistlicher. Ein führender pakistanischer Provinzvertreter, der den Protestmarsch anführte, bezeichnete die dänischen Karikaturen als einen Terrorakt. "Die Verantwortlichen für die Veröffentlichung der Karikaturen müssen nach internationalem Recht bestraft werden." Im westafrikanischen Niger protestierten Zehntausende gegen die Karikaturen. In Nigeria verbrannten Politiker des Bundesstaats Kano dänische Flaggen und kündigten einen Warenboykott an.  (Reuters)

 

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