Aktuelle Nachrichten – Umwelt
28.04.2010
Foto: AP Photo via NASA
Biloxi (apn) Diesmal ist es kein Hurrikan, der ihre Lebensgrundlage zu vernichten droht. Es ist ein riesiger schillernder Fleck auf dem Meer, der langsam auf die US-Küste zutreibt. Mit Bangen blicken Hoteliers, Wirte und Fischer hinaus auf den Golf von Mexiko, wo sich der Ölteppich der gesunkenen Bohrplattform „Deepwater Horizon“ weiter und weiter ausbreitet. Vorhersagen zufolge kann es eine Sache von Tagen sein, bis er die weißen Strände, die Sumpfgebiete, die Austernbänke erreicht.
„Etwas Schlimmeres könnte der Golfküste von Mississippi nicht passieren“, sorgt sich Louis Skrmetta, dessen Ausflugsschiffe Touristen zu den vorgelagerten Inseln mit ihrer idyllischen Landschaft schippern. „Das würde die Austernzucht plattmachen. Der Shrimps-Fang würde sich auf Jahre hinaus nicht erholen. Es wäre der Tod für den Familientourismus. Davon leben wir!“
„Wir machen uns alle Sorgen“, sagt auch Sal Pinzone, der in Pensacola in Florida ein Anglerpier betreut. „Wenn der Ölteppich die Strände am Golf erreicht, dann macht alles dicht.“
Die Schlieren reichten am Dienstag bis auf etwa 30 Kilometer an Venice im Bundesstaat Louisiana heran. Bislang sind alle Versuche gescheitert, das Leck abzudichten, aus dem seit der Explosion der Bohrinsel am 20. April tausende Barrel Rohöl ins Meer sprudeln. Die Küstenwache will das Öl jetzt auf hoher See mit Barrieren eindämmen und abfackeln. „Wenn wir diese Ölquelle nicht sichern, könnte es zu einer der größten Ölverseuchungen in der Geschichte der USA kommen“, warnte die Chefin der Küstenwache, Konteradmiral Mary Landry.
Bei einem vergleichbaren Unterfangen 1993 vor Neufundland wurden 50 bis 99 Prozent des eingedämmten Öls verbrannt. Der Qualm allerdings verschmutzt die Luft, und auch die Auswirkung auf die Meeresfauna sind ungeklärt. Der Umweltwissenschaftler und Ölpest-Experte Ed Overton aus Louisiana zweifelt, ob eine Verbrennungsaktion funktioniert. „In ruhigem Gewässer, bei wenig Wind, in einem geschützten Gebiet kann das klappen“, meinte er. „Mitten auf dem Ozean, mit Wellenbewegungen und Strömungen, ist das nicht leicht.“ Zudem sei das Öl von klebrig-teeriger Beschaffenheit und liege tief im Wasser. „Ich bin nicht übermäßig optimistisch“, sagte Overton. „Aber man muss es versuchen.“
Der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde (NOAA) zufolge können Seevögel und Meeressäuger einem Brand auf dem Meer eher entkommen als einem Ölteppich. Vögel verlören möglicherweise im Rauch die Orientierung, wären aber durch Kontakt mit dem Ölfilm stärker gefährdet.
Die letzte größere Ölpest im Golf entstand im Juni 1979, als die Bohrinsel „Ixtoc I“ vor Mexiko explodierte und 530 Millionen Liter Öl ins Meer flossen. Erst im März 1980 konnte das Leck wieder verschlossen werden; eine Menge Öl verschmutzte Gewässer und Strände der USA. „Schlimmstenfalls könnte auch das hier Monate dauern“, schätzte der Wissenschaftler Richard Haut, der lange für den Ölkonzern Exxon auf einer Bohrinsel in der Nordsee gearbeitet hat.
Wenn es nicht gelingt, das Leck abzudichten, und in wochenlanger Arbeit erst eine Entlastungsbohrung in den Meeresgrund getrieben werden muss, könnten sich 16 Millionen Liter Öl ins Meer ergießen. Bei der bisher folgenschwersten Ölpest in den USA, der Havarie der „Exxon Valdez“ vor Alaska, waren 1989 mehr als 40 Millionen Liter ausgetreten. Noch heute findet man in den kalten Gewässern dort Ölreste unter Felsen. Im Golf von Mexiko verschwinden Rückstände schneller: „Da haben sie wärmere Temperaturen, stärkere Sonneneinstrahlung und Mikroben-Aktivität. Das wird sich viel schneller zersetzen“, sagt der Umwelttoxikologe Ronald Tjeerdema von der Universität von Kalifornien voraus. „Letztlich wird wieder alles normal.“ (AP)
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