Aktuelle Nachrichten – China - Menschenrechte
10.03.2009
Dharmsala – Ein halbes Jahrhundert nach der gewaltsamen Niederwerfung des Tibet-Aufstands hat sich der Dalai Lama mit einem dramatischen Appell an die Weltöffentlichkeit gewandt. Scharf verurteilte der Dalai Lama die „brutale Niederschlagung“ der Proteste im vergangenen Jahr. Religion, Kultur, Sprache und Identität der Tibeter seien von Auslöschung bedroht.
„Auch heute leben die Tibeter in Tibet in ständiger Angst“, sagte das geistige Oberhaupt der tibetischen Buddhisten am Dienstag in der nordindischen Stadt Dharmsala, wo er im Exil lebt. Die Tibeter würden von den chinesischen Behörden wie Kriminelle behandelt, die den Tod verdienten, sagte der Pazifist und Friedensnobelpreisträger. Die Gerechtigkeit in Tibet werde aber siegen, wenn „wir weiter den Pfad der Wahrheit und Gewaltfreiheit beschreiten.“ Auf einer anschließenden Pressekonferenz sagte der Dalai Lama, er sei tief enttäuscht von den ergebnislosen Gesprächen zwischen seinen Vertretern und der Regierung in Peking. „Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten. Aber wir sollten unsere Hoffnung nicht aufgeben.“
Rund 2.000 Zuhörer waren zu der Ansprache des Dalai Lama nach Dharmsala gekommen, unter ihnen buddhistische Mönche, tibetische Schulkinder und Anhänger aus dem Ausland. Anschließend versammelten sie sich mit Sprechchören wie „China raus“ und „Tibet gehört den Tibetern“ zu einer Demonstration.
Die chinesischen Behörden verschärften zum Jahrestag die Sicherheitsvorkehrungen in allen Regionen mit tibetischen Minderheiten. Ausländer wurden zum Verlassen dieser Gebiete aufgerufen. Bewohner und Geschäftsleute in der tibetischen Hauptstadt Lhasa berichteten von verstärkten Straßenpatrouillen bewaffneter Polizisten.
In der Nachbarprovinz Sichuan marschierten in der Stadt Kanding Bereitschaftspolizisten und Soldaten auf. Am Vorabend hatte der örtliche Parteifunktionär Xiang Luo die paramilitärischen Kräfte aufgerufen, besonders wachsam zu sein.
Bei Demonstrationen in mehreren Ländern forderten tausende Menschen ein Ende der chinesischen Herrschaft in Tibet. In der australischen Hauptstadt Canberra kam es vor der chinesischen Botschaft zu einem Handgemenge zwischen Demonstranten und der Polizei. Vier Personen wurden nach Polizeiangaben festgenommen. Sie hatten versucht, eine Absperrung zu durchbrechen. An dem Protestmarsch beteiligten sich auch mehrere Abgeordnete.
In Nepal stoppte die Polizei einen Protestmarsch von etwa 100 Tibetern am Rand der Hauptstadt Kathmandu. Die Umgebung der chinesischen Botschaft wurde von einem großen Polizeiaufgebot gesichert. In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul zogen 30 Aktivisten vor die chinesische Botschaft und hielten Transparente hoch mit der Forderung „Frieden in Tibet“.
Mehr als 30 Politiker aus 15 Parlamenten unterzeichneten einen Appell zum 50. Jahrestag des Aufstands, in dem sie zu einer friedlichen Lösung und zur Beachtung der Menschenrechte aufrufen. Aus dem Bundestag beteiligten sich der Vorsitzende des Tibet-Gesprächskreises, Holger Haibach, sein Stellvertreter Harald Leibrecht und die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth.
China beansprucht Tibet als Teil des eigenen Territoriums. 1951 marschierten chinesische Truppen in dem Hochland ein. Danach kam es immer wieder zu Spannungen, die im Aufstand vom 10. März 1959 gipfelten. Bei der gewaltsamen Niederwerfung wurde am 17. März die Sommerresidenz des Dalai Lama beschossen, der daraufhin über den Himalaya nach Indien floh.
Der Jahrestag des Tibet-Aufstands ist wiederholt Anlass von Protesten gegen die chinesische Herrschaft gewesen. Im vergangenen Jahr kam es zu wochenlangen Unruhen, die von Lhasa auf benachbarte Provinzen übergriff. Dabei kamen nach offiziellen Angaben 22 Menschen ums Leben. Nach Schätzungen von Exiltibetern war die Zahl der Toten jedoch zehn Mal so hoch. (AP)
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