Hamburg - Auch wenn die Vogelgrippe immer näher an Deutschland heranrückt, müssen sich die Bürger Experten zufolge keine Sorgen um ihre Gesundheit machen. «Menschen können sich nur bei sehr engem Kontakt zu infiziertem Geflügel anstecken», sagt die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI) auf der Insel Riems, Elke Reinking.
Allerdings sollten man einige Grundregeln beachten: «Wenn irgendwo ein toter Spatz herumliegt, muss man nicht davon ausgehen, dass er an Vogelgrippe verendet ist. Wer aber mehrere tote Vögel an einem Ort bemerkt, sollte die Behörden verständigen». Sie fügt hinzu: «Tote Vögel sollte man nicht mit bloßer Hand anfassen.»
Keine Sorgen müssen sich Kunden in Supermärkten machen, die Putenbrust oder Hähnchenschenkel einkaufen wollen. «In Deutschland ist kein Geflügel auf dem Markt, das belastet ist.» Das sieht auch Paul-Heinz Wesjohann so, Chef der Wiesenhof-Gruppe und größter Geflügelproduzent des Landes: «Es wird niemals ein infizierter Bestand in die Nahrungskette kommen», erklärt er. «Das ist sichergestellt.»
Wichtig ist aber trotzdem die Küchenhygiene. Dazu gehört, rohes Geflügel immer getrennt von anderen Lebensmitteln aufzubewahren. Auftauwasser gehört sofort weggegossen. Händewaschen ist Pflicht, wenn man mit Fleisch oder Eiern Berührung hatte.
Nach Ansicht von Großproduzent Wesjohann reichen die bisher vereinbarten Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe. Zunächst gibt es die vorgezogenen Stallpflicht für Geflügel. Dadurch soll die Ansteckung vermieden werden. Falls es doch einen Fall geben sollte, wird um den Fundort eine Drei-Kilometer-Zone eingerichtet, in der Geflügel nicht mehr transportiert werden darf und zur Not auch der ganze Bestand in der Zone getötet wird. Erste Bundesländer haben sich schon elektrische Tötungsanlagen zugelegt.
Vogelkundler sollen besonders aufmerksam sein
Wer jeden Tag mit Vögeln zu tun hat, sollte in diesen Tagen besonders aufmerksam sein, sagt FLI-Sprecherin Reinking. Das gelte etwa für Taubenzüchter oder Hühnerhalter, falls der Bestand ihnen krank vorkommt. Bei den großen industriellen Hühnerzüchtern sei das sogar vorgeschrieben: «Wenn es in Großbetrieben überdurchschnittlich viele Todesfälle bei den Hühnern gibt, muss das den Behörden gemeldet werden.»
Wie die Fachzeitschrift «Vogelwarte» schreibt, erkennt man Vogelgrippe bei Hausgeflügel an plötzlichem Tod, Gleichgewichtsstörungen, einer purpurroten Verfärbung von Kehllappen, Kamm und Beinen, dünnschaligen brüchigen Eier oder Appetit- und Energieverlust. Endgültige Gewissheit bringt aber erst die Untersuchung der Experten im Loeffler-Institut in Mecklenburg-Vorpommern.
Das Blatt hat außerdem Tipps für Vogelkundler und andere Personen zusammengestellt, die direkt mit Wildvögeln zu tun haben: Nach allen Vogelkontakten und insbesondere nach Kontakt mit Vogelkot und anderen Ausscheidungen sollte man sich immer Hände und Unterarme waschen und ein Handdesinfektionsmittel benutzen. Vor allem Hände, Augen und Atemwege sollten vor Viren geschützt werden. Verdächtige tote Vögel sollen nicht direkt berührt werden, sondern können mit Handschuhen oder Plastiktüte aufgenommen und in einer Plastiktüte verpackt werden.
In Vogelnähe und in Räumen, in denen häufiger Vögel untersucht oder gehalten werden, darf nicht gegessen, getrunken, geraucht oder geschlafen werden. Bei Verdacht auf Kontakt mit Vogelgrippe-Erregern sollte die Körpertemperatur mindestens sieben bis zehn Tage überwacht werden. Bei Anstieg über 37,5 Grad muss umgehend einen Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden.
Claus-Peter Tiemann
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