Gesellschaft - Aktuelle Nachrichten – „Unser Land steht nicht zum Verkauf“ – Ken Ritter
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Aktuelle Nachrichten – Gesellschaft

„Unser Land steht nicht zum Verkauf“

Ken Ritter

26.01.2007

Delbert Farmer (links), ein Shoshone-Indianer, nahm bei der Begrüßung im Olympischen Dorf während der Olympischen Spiele in Salt Lake City im Jahre 2002 als Tänzer teil. Die Shoschone wollen den Anspruch auf ihr Land weiter geltend machen. (AFP PHOTO/George FREY)
Delbert Farmer (links), ein Shoshone-Indianer, nahm bei der Begrüßung im Olympischen Dorf während der Olympischen Spiele in Salt Lake City im Jahre 2002 als Tänzer teil. Die Shoschone wollen den Anspruch auf ihr Land weiter geltend machen. (AFP PHOTO/George FREY)

Las Vegas – Weite Teile der westlichen USA gehören noch immer den Indianern – so sehen es zumindest die Western Shoshone, die ihren Anspruch seit Jahrzehnten vergeblich vor Gericht durchzusetzen versuchen. Aufgeben wollen sie nicht, wie Allen Moss, Mitglied des achtköpfigen Stammesrats in Nevada sagt. Er werde so lange kämpfen, bis die US-Regierung einen Vertrag aus dem 19. Jahrhundert anerkennt, der den Shoshone nach deren Ansicht ein Gebiet von Kalifornien über Nevada und Utah bis Idaho zusprach.

In diesem Bezirk liegt auch Las Vegas, doch die Spielerstadt wollen die Shoshone gar nicht: zu viele Leute, zu viele Probleme. Interesse haben sie aber an kargen Landstrichen in der Wüste, in denen über Jahrzehnte Gold im Wert von Dutzenden Milliarden Dollar abgebaut wurde. Bei dem Streit geht es um den Vertrag von Ruby Valley aus dem Jahre 1863. Nach Lesart der Shoshone sprach er den Ureinwohnern – und nicht der Regierung in Washington – die Einnahmen und die Entscheidungsbefugnis über Wasser, Bodenschätze und Landrechte für ein Gebiet in der Größe von 240.000 Quadratkilometern zu, was in Deutschland etwa der Fläche der alten Bundesländer entspricht.

Die Zahl der Shoshone schätzt Stammesratsmitglied Moss auf 5.000 bis 8.000 – Nachkommen eines Volks, dessen Heimat sich früher vom Snake River im heutigen Idaho über das Salt-Lake-Tal in Utah, den Osten und die Mitte Nevadas sowie das Tal des Todes und die Mojave-Wüste in Kalifornien erstreckte. Ihren Anspruch auf das Gebiet machten die Shoshone vor Gerichten, internationalen Institutionen und in der Öffentlichkeit geltend. Sie klagten gegen ein Atommülllager in Nevada. Sie erreichten die Verschiebung von Regierungsplänen für einen Bombentest in der Wüste. Und sogar die Vereinten Nationen riefen sie an.

In den meisten Fällen unterlagen die Shoshone, doch gaben sie nicht auf und legten immer wieder Rechtsmittel ein. Die Stammesälteste Carrie Dann und ihre Schwester Mary wurden zu Volksheldinnen, weil sie der Regierung über ein Vierteljahrhundert trotzten und ihr Vieh ohne Genehmigung auf öffentlichem Land grasen ließen.

Das Oberste Gericht der USA entschied bereits 1979 gegen die Shoshone mit der Begründung, der Vertrag von Ruby Valley habe der Regierung die Treuhänderschaft über das Stammesland eingeräumt. Im vergangenen September folgte ein Gericht für Entschädigungsansprüche in Washington der Haltung der Regierung, wonach der Vertrag „lediglich ein Freundschaftsvertrag“ gewesen sei und daraus keine Ansprüche abgeleitet werden könnten.

Anwalt Bob Hager, der die Shoshone seit 1983 kostenlos vertritt, sagt, die Indianer seien stets an Verfahrensfragen gescheitert. Und er verweist darauf, dass die Shoshone im vergangenen Jahr vor dem UN-Ausschuss für die Abschaffung von Rassendiskriminierung in Genf Gehör fanden. Das Komitee stellte fest, dass die US-Regierung die Rechte der Shoshone mit Füßen trete und führte in diesem Zusammenhang die Privatisierung von Stammesland für Bergbau- und Energieprojekte an sowie Bemühungen, in Yucca Mountain, 150 Kilometer von Las Vegas entfernt, ein Atommülllager zu errichten.

US-Regierung: „Landrückgabe unrealistisch“

Eine Sprecherin des Justizministeriums wollte unter Verweis auf laufende Verfahren zu dem Streit nicht Stellung nehmen. Die Regierung bot den Indianern Geld an und erklärte ansonsten, es sei unrealistisch, eine Rückgabe von Land zu erwarten, das bei „allmählichem Vordringen“ in Besitz genommen worden sei, auf dem sich nun Städte, Fernstraßen und Schienenwege befänden und das inzwischen für Bergbau, Viehzucht und Erholungszwecke genutzt werde. Präsident George W. Bush unterzeichnete 2004 ein Gesetz, das die Auszahlung von mehr als 145 Millionen Dollar (112 Millionen Euro) an die Western Shoshone vorsah, darunter 26 Millionen Dollar, die eine Beschwerdekommission den Indianern bereits 1979 zugesprochen hatte.

Einige Shoshone würden das Geld nach eigenen Angaben annehmen, andere sind dagegen. Stammesratsmitglied Moss sagt, die Summe werde nicht angerührt, denn andernfalls würde dies bedeuten, die Position der Regierung anzuerkennen. „Unser Land steht nicht zum Verkauf“, sagt er. Und so liegt das Geld weiter fest und bringt Zinsen.

Ob seine Söhne, 21 und 25 Jahre alt, den juristischen Kampf weiterführen, weiß Moss nicht. „Sie können nicht glauben, wie lange der Kampf schon geht“, sagt der 52-Jährige. „Ihnen wurde in der Schule beigebracht, dass dies ein Land der Gesetze ist. Ich sitze hier und sage: 'So werden die Gesetze manipuliert und verdreht.'“ Letztlich gehe es darum: „Wie oft kann man das Gesetz brechen oder in seinem eigenen Sinn verbiegen? Denn das hat die Regierung getan.“

(AP)

 

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