Frankfurt/Main – Kleinanleger zahlen in vielen Fällen versteckte Provisionen an ihre Bank – so das Ergebnis einer Studie im Auftrag von „Focus Money“. „Sieben der zwölf getesteten Geldhäuser legten auch auf Nachfrage der Test-Kunden nicht alle Kosten und Gebühren offen“, schreibt das Magazin in seiner neuen Ausgabe und beruft sich dabei auf eine Studie des Deutschen Instituts für Servicequalität (DISQ).
Verbraucherschützer sind alarmiert: „Wenn eine Bank die fälligen Provisionen selbst auf Kundennachfrage verschweigt, ist das eine klare Falschberatung“, sagt Finanzexperte Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale NRW der AP.
Laut „Focus Money“ schöpfen viele Banken beim Fonds- oder Zertifikatkauf einen Ausgabeaufschlag von beispielsweise fünf Prozent als Vertriebsprovision ab – und machten dies nicht transparent. Darüber hinaus kassierten viele Fondsvermittler auch nach dem Verkauf Bestandsprovisionen, was sie aber selbst auf Nachfrage nur zögerlich oder gar nicht offenlegten.
„Bei Aktienfonds können bis zu 1,5 Prozent des Einlagevolumens als Verwaltungskosten anfallen“, erklärt Verbraucherschützer Bieler. Bei 100.000 Euro zahlten Kunden also bis zu 1.500 – „und das Jahr für Jahr“, rechnet der Experte vor. Die Hälfte dieser Summe gehe üblicherweise als „Bestandsprovision“ an das vermittelnde Institut, also etwa die Bank, die ein fremdes Papier verkauft habe. Diese Provisionen würden häufig mit dem Siegel „Verwaltungskosten“ getarnt. „Das ist für uns nicht akzeptabel, denn es sind keine Verwaltungskosten“, betont Bieler.
In jedem Fall sei es zu beanstanden, wenn Banken versteckte Kosten auf Nachfrage auch noch geheim hielten, betont Bieler und verweist auf die neue EU-Finanzmarktrichtlinie MIFID. Demnach sind Banken nun erstmals verpflichtet, beim Verkauf von Wertpapieren sämtliche Kosten offenzulegen. „Wenn der Anleger nachfragt, muss die Bank die Hosen runterlassen“, bekräftigt Bieler. Passive Kunden blieben oft im Unklaren: „Von sich aus werden die Banken nur selten konkret.“
Der DISQ-Test von sechs Großbanken und sechs Direktbrokern kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Praxis sei ernüchternd, schreibt „Focus Money“. „Auch fünf Monate nach Einführung der EU-Richtlinie verschweigt die Branche systematisch, in welcher Höhe sie Provisionen erhält“, zitiert das Magazin DISQ-Geschäftsführer Markus Hamer.
Konkret hätten zehn der zwölf getesteten Institute in ihren Portalen verschwiegen, dass sie Ausgabeaufschläge auf Fondskäufe für sich behielten. Die mit der Fondsanlage verknüpften Folgeprovisionen verschleierten demnach sogar elf von zwölf Instituten. Und wenn ausdrücklich nachfragt wurde? „Sieben von zwölf Instituten mauerten weiter“, schreibt das Magazin.
Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2006 müssen Anleger beurteilen können, ob ihre Bank eine bestimmte Geldanlage vor allem deshalb empfohlen hat, weil sie selbst daran verdient (Az: XI ZR 56/05). Nach Expertenmeinung haben Anleger sogar die Chance auf Entschädigung: „Wenn Banken Kosten verschweigen, hat der Kunde Anspruch auf Schadenersatz“, zitiert „Focus Money“ den Anlegeranwalt Andreas Tilp. (AP)
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