Aktuelle Nachrichten Europa – „Vielleicht habe ich mich geirrt“ – Alexandra Rehn
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Aktuelle Nachrichten – Europa

„Vielleicht habe ich mich geirrt“

Alexandra Rehn

24.06.2007

Der Britische Premier Minister Tony Blair. (AP Photo/Stefan Rousseau/PA)
Der Britische Premier Minister Tony Blair. (AP Photo/Stefan Rousseau/PA)

Frankfurt/Main – All jene, die ihn zu Beginn seiner Karriere als politisches Leichtgewicht unterschätzten, hat Tony Blair Lügen gestraft. Heute gilt er unbestritten als erfolgreichster Labour-Vorsitzender aller Zeiten. Und im Amt des Premierministers hat er sich als einer der wichtigsten Politiker auf dem internationalen Parkett etabliert. Am Mittwoch tritt Blair von der politischen Bühne ab. Der 54-Jährige räumt das Feld für den bisherigen Schatzkanzler Gordon Brown.

Seine zehn Jahre als Premierminister bezeichnete Blair als „lange genug für mich, aber noch mehr für das Land“. Manchmal bestehe die einzige Möglichkeit, „den Sog der Macht zu bezwingen“, darin, sich ihm zu entziehen, sagte Blair, als er am 10. Mai den Zeitpunkt seines Rücktritts verkündete – ein Schritt, zu den ihn Parteifreunde lange gedrängt hatten.

Anhänger und Mitglieder der Labour Party stürzt Blairs Abgang in ein Wechselbad der Gefühle. Schließlich war er es, der die Partei im Mai 1997 mit einem fulminanten Wahlsieg an die Macht brachte und – nicht zuletzt dank seines Charismas – die Vormachtstellung von Labour über drei Legislaturperioden hinweg gesichert hat.

Als jüngster Premierminister seit 1812 zog der studierte Jurist vor gut zehn Jahren in die Downing Street 10 ein. Zu diesem Zeitpunkt blickte der 44-Jährige schon auf eine rasante Parteikarriere zurück. Unter seinem Vorsitz wandelte sich die Labour-Partei von einer traditionell gewerkschaftsnahen Organisation zu einer offenen Partei. Er gewann damit abseits des Arbeiterlagers viel Vertrauen. Der Boden für den Erdrutschsieg bei der Unterhauswahl war bereitet.

Die politischen Flitterwochen schienen damals ewig zu dauern. Blairs rekordverdächtige Popularität steigerte sich noch einmal, als seine Frau Cherie im Jahr 2000 verkündete, dass sie wieder ein Kind erwarte. Mit der Geburt des kleinen Leo war Blair der erste britische Regierungschef seit rund 150 Jahren, der während seiner Amtszeit Vater wurde.

Absturz in der Wählergunst

Der Absturz in der Wählergunst kam mit dem Irak-Krieg. Schon frühzeitig stellte sich Blair auf die Seite von US-Präsident George W. Bush, während andere europäische Staaten einen Militäreinsatz im Irak kategorisch ablehnten und dafür einen Bruch mit den USA in Kauf nahmen – nicht zuletzt der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder. Blair dagegen machte sich die amerikanische Argumentation zu eigen, Saddam Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen – eine falsche Annahme, wie sich später herausstellte.

Dennoch wurde Blair, wenn auch mit Verlusten, vor gut zwei Jahren für eine dritte Amtszeit wiedergewählt – etwas, das noch keinem Labour-Politiker vor ihm gelungen war. Nach den Terroranschlägen auf den Londoner Nahverkehr am 7. Juli 2005 nahmen Blairs Sympathiewerte in Umfragen zunächst wieder zu. Wochen später tauchte jedoch ein Video auf, in dem einer der Selbstmordattentäter die britische Außenpolitik als Grund für die Anschläge anführte. Dies warf erneut einen Schatten auf Blairs Irak-Kurs und auf seine Weigerung, sich für eine Entscheidung zu entschuldigen, die viele seiner Kritiker als folgenschweren Fehler werteten, basierend auf einer Lüge.

„Hand aufs Herz, ich habe getan, was ich für richtig hielt“, sagte Blair, als er im Mai seinen Rücktritt verkündete. Dann fügte er hinzu: „Vielleicht habe ich mich geirrt, das liegt in Ihrem Urteil.“

Das Thema Irak überschattet die Bilanz der Amtszeit Blairs wie kein anderes. Seine Verdienste auf anderen Gebieten rücken dadurch in den Hintergrund – beispielsweise die Selbstverwaltung Nordirlands. Ein weiteres außenpolitisches Feld, das Blair stets am Herzen lag, wird ihn in Zukunft vermutlich stärker beschäftigen denn je: der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Denn Blair, so wurde dieser Tage bekannt, ist als Sondergesandter des Nahost-Quartetts im Gespräch. (AP)

 

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