München – Für Erwin Huber ist das Wahlergebnis auch eine persönliche Katastrophe. Er diente Franz Josef Strauß als Generalsekretär und Edmund Stoiber als Minister, und vor genau einem Jahr wurde er als ihr Nachfolger selbst zum CSU-Vorsitzenden gewählt. Die CSU, das ist „mein Lebensinhalt“, sagte er. Jetzt erlebte die Partei eine historische Wahlniederlage; damit steht auch die politische Zukunft des 62-Jährigen in den Sternen.
Fehlende persönliche Ausstrahlung und falscher Wahlkampf, lauten die Vorwürfe seiner Gegner. Die unerfahrene Christine Haderthauer als Generalsekretärin mit dem Wahlkampf zu betrauen, kreiden sie ihm ebenso an wie die schlichte Wahlkampfbotschaft „Weiter so“. Hubers Pech ist, dass sich eine Alternative geradezu aufdrängt: Sein alter Rivale und Stellvertreter Horst Seehofer steht als Retter bereit, die CSU als neues Zugpferd in die Bundestagswahl 2009 zu führen.
Hubers wichtigstes Ass war sein Tandem mit Günther Beckstein als Ministerpräsident, das die gespaltene Landtagsfraktion befriedete. Aber Beckstein steht nach der Niederlage selbst im Kreuzfeuer der Kritik, auch wenn ihm Huber am Sonntagabend noch einmal das Vertrauen der Partei aussprach.
Hubers zweiter Trumpf war, dass er als bayerischer Finanzminister im Landtags-Wahlkampf immer im Freistaat präsent war. Er steht auch für wirtschaftsliberale Positionen. Sein Steuerkonzept „Mehr netto vom brutto“ fand bei Kundgebungen viel Beifall. Trotz schuldenfreien Haushalts litt sein Ruf als Finanzexperte jedoch unter dem Debakel bei der BayernLB.
Ein Autogramm, das er als kleiner Bub von Strauß bekam, hält Huber noch heute in Ehren. Seinen Aufstieg hat er sich hart erarbeitet. Als Sohn einer Landarbeiterin 1946 im niederbayerischen Reisbach geboren, schaffte er die Realschule mit Note 1 und die Prüfung zum Steuerinspektor als Jahrgangsbester. Nach dem Abendgymnasium studierte er Volkswirtschaft. 1978 wurde er in den Landtag gewählt, zehn Jahre später machte Strauß ihn zum CSU-Generalsekretär.
Seinen „Traumjob“ bekam Huber 1995 als Finanzminister von Stoiber. Aber von 1998 bis 2005 musste der loyale Parteisoldat in die Staatskanzlei und dessen unpopulären Spar- und Reformkurs durchboxen.
Drei Mal sah sich Huber – wie Beckstein – schon im Amt des Ministerpräsidenten: 2002, als Stoiber Kanzler werden wollte. 2005, als Stoiber Bundesminister werden wollte. Und 2007, als Stoiber stürzte. Als Parteichef will er 2009 selbst nach Berlin wechseln. Wenn die CSU ihn nicht doch vorzeitig vom Platz schickt. (AP)
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