Aktuelle Nachrichten – Klima
09.01.2009
Duisburg – Es knackt und knirscht, wenn sich Eisbrecher „Germanus“ durch die Kanäle des Duisburger Binnenhafens schiebt. Bis zu fünf Zentimeter dicke Eisschollen schwimmen auf der Wasseroberfläche. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren kommt der 400-PS-starke Eisbrecher am Freitag unter Schiffsführer Reinhard Kluge wieder an der wichtigsten Handels- und Verkehrsdrehscheibe der Rhein-Ruhr-Region zum Einsatz.
Noch nimmt es der 20 Meter lange Schlepper zwar locker mit den Eisschollen auf, „aber wenn es so weiter friert, seh ich schwarz“, sagt der 57-Jährige. „Wir können nur hoffen, dass der liebe Gott ein Auge zudrückt und uns bald Tauwetter schickt.“
Nur zu gut erinnern sich der erfahrene Schiffsmann und sein Matrose Zenon Mikulski noch an den Winter 1996/97. Da hatte eine Kältewelle Europas größtem Binnenhafen eine so dicke Eismasse beschert, das in den Becken kaum noch an ein Durchkommen zu denken war. „Wir mussten Tag und Nacht mit der 'Germanus' fahren, das war echt hart“, sagt Mikulski, während er sich seine kalten Hände reibt.
Seit 06.00 Uhr ist er zusammen mit Schiffsführer Kluge an der Eisfront unterwegs, ruft ihm vom Bug aus zu, wo die Schollen besonders dick sind. Trotz Mütze, langer Unterhose und mehreren Pullovern hilft bei solchen eisigen Temperaturen oft nur eines: „Ab und zu kurz 'runter in den Motorraum und die Hände auf irgendeine warme Stelle legen, sonst spürt man sie irgendwann gar nicht mehr.“
In ganz Deutschland macht die klirrende Kälte der Binnenschifffahrt zusehends zu schaffen. Die Elbe ist in der Nacht zum Freitag auf einer Länge von 100 Kilometern oberhalb von Hamburg wegen einer dichten Eisdecke für die Schifffahrt gesperrt worden. Am Donnerstag waren letzte Binnenschiffe mit Unterstützung von Eisbrechern in Häfen gebracht worden. Schon vorher hatten die Elb-Fähren in Richtung der niedersächsischen Orte Darchau und Neu-Bleckede ihren Verkehr eingestellt.
Auch die Müritz-Elde-Wasserstraße in Mecklenburg-Vorpommern ist laut Wasser- und Schifffahrtsamt komplett zugefroren und die Müritz, mit 11.700 Hektar Deutschlands größter See, trägt seit Jahren erstmals wieder eine geschlossene Eisdecke. Die Flüsse Oder und Peene sind ebenfalls vereist und für den Schiffsverkehr gesperrt.
In Nordrhein-Westfalen wurden wegen 15 Zentimeter dicker Eisschollen die Schleusen Friedrichsfeld und Hünxe am Wesel-Datteln-Kanal geschlossen. Die Binnenschiffer könnten allerdings auf den Rheine-Herne-Kanal ausweichen, erklärte eine Sprecherin des Wasser- und Schifffahrtsamt in Meppen. Unterwegs sind Eisbrecher auch am Unterlauf der Mosel und auf den wichtigsten Wasserstraßen Berlins. Auf dem Main und dem Main-Donau-Kanal, wo Eisschollen bis zu 50 Zentimeter gemessen wurden, sind je drei Schlepper im Einsatz, um das Eis zu brechen. Sperrungen wie zuletzt 2006 seien allerdings nicht zu erwarten, hieß es.
Auch auf dem Rhein, einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt, ist eine vollständige Blockade der Schifffahrt trotz Kältewelle eher unwahrscheinlich. „Da müsste es schon noch um einiges und auch dauerhaft kälter werden“, sagte der Leiter des Kölner Schifffahrtsamts, Nils Braunroth.
Die am Rhein angesiedelte Industrie halte die Flusstemperatur zum Beispiel durch die Einleitung von Kühlwasser in der Regel über der kritischen Grenze von zwei bis drei Grad. Zuletzt streckenweise zugefroren war der Rhein laut dem Amtsleiter Anfang der 60er Jahre. Das Eis sei damals so stark gewesen, dass nicht einmal mehr Eisbrecher durchkamen und die Schollen gesprengt werden mussten.
An ein solches Szenario mag der Duisburger Matrose Mikulski lieber gar nicht erst denken. „Ich mach das seit 20 Jahren, da geht einem die Kälte langsam auf die Knochen“, sagt er. Er warte schon sehnlichst auf wärmere Temperaturen und den Sommer. „Der ist zum Arbeiten doch wesentlich angenehmer.“ (AP)
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