Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte wohl kaum einen Ort mit größerer Symbolkraft für den Auftakt ihrer dritten und bisher bedeutendsten Israel-Reise als Regierungschefin finden können: Ihren dreitägigen Besuch Mitte März begann sie mitten in der Wüste Negev, im Kibbuz Sde Boker. Dort hatte der israelische Staatsgründer David Ben Gurion die letzten Jahre seines Lebens verbracht und 1966 den früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer getroffen, der damals ebenfalls schon im Ruhestand war.
Die beiden Politiker hatten in den Jahren zuvor die schwierige Annäherung der beiden Länder im Schatten der noch frischen Erinnerung an den Holocaust in die Wege geleitet. Bereits im März 1951, nur zwei Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, traf Adenauer erstmals unter strengster Geheimhaltung israelische Abgesandte. Wenige Monate später bekannte er sich im Bundestag zur prinzipiellen Verpflichtung gegenüber Israel und dem jüdischen Volk.
Erste Entschädigungsverhandlungen führten 1952 zum Luxemburger Abkommen, in dem sich die Bundesrepublik zur Zahlung von 3,5 Milliarden Mark in zwölf Jahresraten verpflichtete. Bis zum ersten Treffen zwischen Adenauer und Ben Gurion dauerte es aber noch Jahre: Es fand 1960 im New Yorker Luxushotel „Waldorf Astoria“ statt. In dem historischen Gespräch ging es zunächst noch um Waffenlieferungen und Wirtschaftshilfe für Israel.
Diplomatische Beziehungen wurden erst fünf Jahren später aufgenommen. Blockiert wurden sie lange Zeit durch die Drohung arabischer Staaten, die DDR völkerrechtlich anzuerkennen, und damit den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik für Deutschland zu unterlaufen.
In den folgenden Jahrzehnten wurden die deutsch-israelischen Beziehungen kontinuierlich ausgebaut. Heute ist Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner Israels nach den USA. 2006 wurden Waren im Wert von 4,9 Milliarden US-Dollar zwischen beiden Ländern ausgetauscht. Es gibt mehr als 100 Partnerschaften zwischen Städten und Kreisen und mehr als 200 außerschulische Austauschprogramme, an denen bislang etwa 5.000 junge Leute teilnahmen. Rund 25.000 Wissenschaftler aus beiden Ländern haben seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen an gemeinsamen Projekten gearbeitet.
1996 sprach Präsident Eser Weizman als erstes israelisches Staatsoberhaupt vor dem Bundestag. Am 16. Februar 2000 bat Bundespräsident Johannes Rau in einer historischen Rede vor dem israelischen Parlament Knesset um Vergebung „für das, was Deutsche getan haben, für mich und meine Generation, um unserer Kinder und Kindeskinder willen, deren Zukunft ich an der Seite der Kinder Israels sehen möchte“.
Von Normalität in den deutsch-israelischen Beziehungen kann allerdings auch 63 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur in Deutschland und dem Holocaust keine Rede sein. „Ja, es sind besondere, einzigartige Beziehungen“, sagte Merkel im März in der ersten Rede eines deutschen Regierungschefs vor der Knesset. „Mit immerwährender Verantwortung für die Vergangenheit, mit gemeinsamen Werten, mit gegenseitigem Vertrauen, mit großer Solidarität füreinander und mit vereinter Zuversicht.“
Beim Merkel-Besuch wurde ein neues Kapitel in den deutsch-israelischen Beziehungen aufgeschlagen. Bei ihrer ersten gemeinsamen Sitzung vereinbarten die Kabinette beider Länder einen umfassenden Ausbau ihrer Zusammenarbeit. Die Regierungskonsultationen sollen nun zu einer festen Institution in den bilateralen Beziehungen werden und jedes Jahr stattfinden. Israel ist nach Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Russland erst das sechste Land, mit dem das Bundeskabinett solche Gespräche führt.
Eigentlicher Anlass für den Besuch Merkels war aber der 60. Geburtstag des Staates Israel. Die Bundeskanzlerin war damit der erste hochrangige Gast aus dem Ausland, der gratulierte. Um den Zustand der deutsch-israelischen Beziehungen zu beschreiben, verwendete sie ein Zitat Ben Gurions: „Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist.“ Dieser Satz habe sich als ebenso realistisch wie richtig erwiesen, sagte die Kanzlerin. (AP)
Israel feiert im Zeichen des Davidssterns
(08.05.2008)
Feiern zum 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels begonnen
(08.05.2008)
Im Stelenfeld verteilte Musiker
(07.05.2008)
Carter setzt sich für direkte Gespräche Israels mit der Hamas ein
(21.04.2008)
Prügelnde Priester am Heiligen Grab
(20.04.2008)
Gottes Briefkasten wird geleert
(15.04.2008)
Iran zieht die Fäden gegen Israel
(15.04.2008)
„Die Sicherheit Israels ist niemals verhandelbar“
(18.03.2008)