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Machtwechsel in Ghana „Wir haben einen Ruf zu verlieren“

Rukmini Callimachi

05.12.2008

Anhänger des Präsidentschaftskandidaten Nana Akufo-Addo tanzen um eine riesige Elefantenskulptur, dem Symbol für die Partei, an der Plakate zur Wahlkampagne angebracht sind. (AP Photo/Rebecca Blackwell)
Anhänger des Präsidentschaftskandidaten Nana Akufo-Addo tanzen um eine riesige Elefantenskulptur, dem Symbol für die Partei, an der Plakate zur Wahlkampagne angebracht sind. (AP Photo/Rebecca Blackwell)

Accra – In Ghana wird am Sonntag ein neuer Präsident gewählt. Der Urnengang gilt als Test für die Stabilität der Demokratie in Ghana, das wirtschaftlich besser dasteht als viele andere Länder Afrikas. Insgesamt acht Kandidaten gehen ins Rennen um die Nachfolge von John Kufuor, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antritt.

Wenn zum zweiten Mal aufgrund regelgerechter Wahlen ein friedlicher Machtwechsel zustande kommt, wäre das ein Meilenstein für die gesamte westafrikanische Region. „Wir haben einen Ruf zu verlieren“, sagt die Sprecherin der Wahlkommission, Sylvia Annoh. „Wir sind ein Vorbild für Afrika.“

In den 70er und 80er Jahren folgte in Ghana noch ein Putsch dem anderen. Dann kam die Wende: Machthaber Jerry Rawlings hielt Wahlen ab, gewann zwei Mal und gab nach seiner Niederlage 2000 umstandslos die Macht an Wahlsieger Kufour ab. Rawlings ist immer noch populär und hat den Präsidentschaftskandidaten seiner Partei Nationaler Demokratischer Kongress (NDC), John Atta Mills, im Wahlkampf unterstützt. Neben ihm treten sechs weitere Oppositionspolitiker gegen den Kandidaten der regierenden Neuen Patriotischen Partei (NPP), Nana Akufo-Addo, an.

Die Wähler wissen, was auf dem Spiel steht. Mit einer Wachstumsrate von über sechs Prozent ist Ghana mit seinen 23 Millionen Einwohnern einer der wenigen wirtschaftlich erfolgreichen Staaten des Kontinents. In den vergangenen vier Jahren haben sich die ausländischen Investitionen von 118 Millionen Dollar 2004 auf 2,6 Milliarden Dollar vervielfacht, wie Regierungsberaterin Rosa Whitaker erklärt.

„Wenn man mich fragt, warum ich so sicher bin, dass diese Wahl glatt verläuft, dann sage ich: weil die Leute etwas zu verlieren haben“, sagt Whitaker. Erst recht, seit voriges Jahr Ölvorkommen vor der Küste entdeckt wurden, die jährlich zusätzlich zwei bis drei Milliarden Dollar in die Staatskasse spülen könnten.

So feiert die Regierungspartei im Wahlkampf den Fortschritt, während Kritiker einwenden, dass beim einfachen Volk vom Aufschwung wenig ankommt. So verdient der Durchschnittsbürger umgerechnet gerade drei Euro am Tag und wird keine 60 Jahre alt. In großen Teilen des Landes gibt es keine zuverlässige Stromversorgung. Es fehlt an Latrinen, so dass sich selbst in der Hauptstadt Accra die Armen auf dem weißen Sandstrand erleichtern müssen.

Die krassen Unterschiede im Lebensstandard beflügeln die Opposition. Sie wirft der Regierung Kufour Korruption vor und verweist darauf, dass Ghana in seiner Amtszeit zu einem der Hauptumschlagplätze für Kokain aus Kolumbien auf dem Weg nach Europa wurde. „Ist Ihnen klar“, fragt empört Elvis Ankrah, stellvertretender Generalsekretär von Rawlings' NDC, „dass man uns schon 'Kokainküste' statt 'Goldküste' nennt?“ (AP)

 

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