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«Wir haben es mit der Zunahme von Extremen zu tun»

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30.07.2006

Sonnenaufgang über der Skyline von Frankfurt am Main, 21. Juli 2006. (AP Photo/Michael Probst)
Sonnenaufgang über der Skyline von Frankfurt am Main, 21. Juli 2006. (AP Photo/Michael Probst)

Potsdam - Schon seit Wochen schwitzen die Bundesbürger bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Grenze und können in tropischen Nächten kaum ein Auge zumachen. Solche Hitzewellen werden nach Ansicht des Potsdamer Klimaforschers Peter C. Werner in der Zukunft keine Ausnahme mehr sein. Einen großen Anteil daran habe der Klimawandel, sagte er in einem Interview. Einen Jahrhundertsommer will Werner die aktuelle Hitzeperiode aber nicht so ohne weiteres nennen. Im Folgenden das Gespräch im Wortlaut:

Herr Werner, sind wir auf dem Weg zu einem neuen Jahrhundertsommer?

Werner: Wir sind auf dem Weg zu einem heißen Sommer. Das Wort Jahrhundertsommer würde ich nicht in den Mund nehmen, denn wenn man mehrere Jahrhundertsommer hat, dann ist dieser Begriff inflationär und bedeutet eigentlich nichts mehr. Denn wir hatten ja 2003 schon einen so genannten Jahrhundertsommer. Aber wir haben eine ähnliche Entwicklung wie 2003. Da es aber durchaus Sommer gab, die in der zweiten Hälfte kühler waren, können wir noch nicht definitiv sagen, dass es in diesem Jahr genauso wird wie 2003.

Wie ist dann ein solcher Begriff einzuschätzen?

Werner: Früher als man angenommen hat, dass das Klima noch relativ stabil ist, hat man auf 100 Jahre hochgerechnet, wie oft sich etwa eine Hitzewelle, Hochwasser oder starker Hagelschlag wiederholt. Da wir jetzt aber eine dramatische Klimaänderung haben, bringt das nicht mehr viel. Bei solchen Änderungen muss man mit Wahrscheinlichkeiten vorsichtig sein. Mit den Hochwassern ist es ähnlich. Wir haben es aber schon mit der Zunahme von Extremen zu tun - das ist richtig.

Woran liegt es konkret, dass wir momentan eine solche Hitzewelle erleben?

Werner: Die Hochdruckgebiete sind relativ stabil und halten sehr lange an. Bei der hohen Sonneneinstrahlung wird es natürlich entsprechend warm. Wir beobachten schon länger, dass die Zahl der Hochdrucklagen im Sommer bei uns in Mitteleuropa deutlich zugenommen hat. Es ist also gar nicht ungewöhnlich, dass häufig heiße Sommer auftreten.

Deutet diese Hitzeperiode auf den Klimawandel hin?

Werner: Ein einzelnes Ereignis deutet sicherlich nicht darauf hin. Solche Ereignisse gab es früher schon. 1947 hatten wir bislang den heißesten Sommer mit insgesamt 71 Sommertagen, also Temperaturen konstant über 25 Grad. Diese Zahlen haben wir selbst 2003 nicht erreicht. Heute gibt es bei uns einfach häufiger solche heißen Sommer und die Hitzeperioden fallen meist länger aus als in der Vergangenheit. Früher war der typische mitteleuropäische Sommer kühl und nass, die Witterung kam oft vom Atlantik. Doch auch damals gab es durchaus einzelne heiße Sommer, etwa 1911, 1921 und eben 1947.

Aber was ist dann heute neu?

Werner: Wir beobachten weltweit, dass sich die großräumige Luftdruckverteilungen in Folge des Klimawandels verändert haben. Das äußert sich in Mitteleuropa im Sommer in einer Zunahme der Hochdruckgebiete und im Winter in einer Zunahme der Westwetterlagen, also Tiefs, so dass diese milder ausfallen. Das liegt daran, dass die Witterung dann vermehrt vom Atlantik kommt.

Welche mittelfristige Prognose würden Sie abgeben?

Werner: Wenn die jetzt beobachtete Tendenz anhält, haben wir häufiger mit trockenen und heißen Sommern zu rechnen. Vor allem im Osten Deutschlands wird das deutlich zu spüren sein. Denn andernorts kommen noch öfter Südwestlagen durch, die starke Schauer mit sich bringen können. Das haben wir ja in diesem Jahr erlebt. Dass der Osten vielfach trocken war und dass trotz der Hitze im Südwesten und Süden Starkniederschläge auftraten.

Müssen sich die Bundesbürger künftig auf besondere Gefahren einstellen?

Werner: Einmal auf heftige Niederschläge, die im Sommer oft mit Hagel einhergehen. Denn die Wolken werden künftig einfach mächtiger. Generell ist damit zu rechnen, dass es insbesondere im Osten noch trockener wird. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Wälder, die Landwirtschaft und natürlich auch etwa auf die Binnenschifffahrt.

http://www.pik-potsdam.de

(AP)

 

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