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„Wir haben wieder das Gefühl, den Kampf zu verlieren“

Clare Nullis

25.05.2007

(AP Photo/Jens Meyer)
(AP Photo/Jens Meyer)

Kapstadt – Gerade erst feierte Afrika einen kleinen Etappensieg im Kampf gegen Aids: Immer mehr Kranken stehen HIV-Medikamente zur Verfügung. Zwischen 2003 und 2006 stieg die Zahl der Behandelten von 100.000 auf 1,3 Millionen. Doch schon stellt sich das nächste Hindernis – ein dramatischer Mangel an Ärzten und Krankenschwestern, die die lebensrettende Therapie leisten können. Nach einem Bericht von Ärzte ohne Grenzen (Medecins sans Frontieres, MSF) kostet das viele aidskranke Afrikaner unnötig das Leben.

„Die internationale Gemeinschaft will einen universalen Zugang (zu Aids-Medikamenten)“, sagt Eric Goemaere, MSF-Leiter in Khayelitsha, einem Vorort von Kapstadt. „In Khayelitsha hatten wir das fast erreicht, aber an einem bestimmten Punkt kam es zum Kollaps. Wir sind absolut nicht mehr aufnahmefähig, wir führen wieder Wartelisten und haben wieder das Gefühl, den Kampf zu verlieren.“

Südafrika wurde von der Aids-Epidemie am schwersten getroffen. Der größte Teil aller 40 Millionen Infizierten sowie die meisten der täglich 8.000 Aids-Toten stammen von dort. Trotz der verbesserten Versorgung mit Medikamenten, die in reichen Ländern längst selbstverständlich sind, warten in Südafrika noch immer mehr als 70 Prozent der Patienten auf eine Behandlung.

An einem Durchschnittstag strömen etwa 200 Aidskranke in die MSF-Klinik in Khayelitsha. Viele andere ersparen sich den oft unnötigen Weg – nicht, weil keine Medikamente da sind, sondern weil es in der Klinik an Personal mangelt, das diese verabreichen könnte. In dem verarmten Vorort sind fast 30 Prozent aller Erwachsenen mit HIV infiziert. Nur knapp 6.000 von ihnen sind in antiretroviraler Behandlung. Zugleich ging die Zahl von monatlichen Neutherapien von 270 im Mai vergangenen Jahres auf 100 im Dezember zurück, und das vor allem aufgrund des Ärztemangels.

Mpumelelo Mantangana arbeitet als Krankenschwester in der Klinik. Ihre Arbeitsbelastung hat deutlich zugenommen, seitdem viele ihrer Kolleginnen in die Privatwirtschaft oder ins Ausland abgewandert sind. Mantangana hat Verständnis für sie, schließlich ist die Arbeit mühsam und die Bezahlung schlecht. „Ich arbeite hier nur aus Leidenschaft für das, was wir tun“, sagt sie. „Die Menschen kommen sehr krank zu uns, und wir sehen, wie es ihnen besser geht. Das ist das einzige, was uns Kraft gibt.“

In Malawi nur zwei Ärzte pro 100.000 Einwohner

Auf 100.000 Einwohner kommen in Südafrika 393 Krankenschwestern und 74 Ärzte. Ein Großteil von ihnen arbeitet jedoch im privaten Sektor, und vor allem in ländlichen Gebieten herrscht ein akuter Mediziner-Mangel. In Lesotho stehen für 100.000 Menschen nur fünf Ärzte und 63 Krankenpfleger zur Verfügung, in Malawi sind es zwei Ärzte und 56 Pfleger und in Mosambik drei Ärzte und 20 Pfleger. Zum Vergleich kommen in den USA auf 100.000 Einwohner 247 Ärzte und 901 Schwestern.

Der MSF-Bericht, der sich auf die vier Länder konzentrierte, zeichnet ein düsteres Bild. Im malawischen Bezirk Thyolo etwa versorge ein medizinischer Assistent pro Tag bis zu 200 Patienten. In Mavalane in Mosambik starben in den vergangenen zwei Monaten zahlreiche Aidskranke, die wegen des Ärztemangels vergeblich auf den Beginn ihrer Therapie warteten. In einem der größten Krankenhäuser von Lesotho war mehr als die Hälfte aller Pfleger-Stellen unbesetzt.

Die Länder könnten nur einen Ausweg aus der Krise finden, wenn man etwa Pflegern erlaube, die Arbeit von Ärzten zu erledigen, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Medizinische Assistenten könnten dann wiederum Aufgaben von Krankenschwestern übernehmen, außerdem sollten mehr gemeinnützige Helfer zum Einsatz kommen. In Malawi wird diese Umverteilung von Aufgaben bereits praktiziert, ein neuer Aids-Plan für Südafrika sieht ähnliche Maßnahmen vor. Auch in Lesotho leiten häufig Pfleger die Behandlung, allerdings gibt es viel zu wenige von ihnen.

Einen Teil der Schuld an der Misere gibt MSF auch den Geber-Staaten, die häufig zwar Geld für Medikamente und neue Kliniken, jedoch nicht für die Einstellung von neuem Personal bereitstellten. „Menschen, die mit HIV/Aids leben, brauchen nicht nur Medikamente und Kliniken“, heißt es in dem Bericht. „Sie brauchen ausgebildetes, motiviertes medizinisches Personal, das Diagnosen stellen, überwachen und behandeln kann.“ (AP)

 

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