Foto: AP Photo/Kai-Uwe Knoth
Hamburg – Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust hält Integrationspolitik für ein entscheidendes Thema in Deutschland. Jungen Menschen müssten Perspektiven geboten werden, sagte der CDU-Politiker im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Außerdem müssten die Eltern stärker einbezogen werden, beispielsweise über Beratungszentren, sagte der Bürgermeister zweieinhalb Wochen vor der Wahl am 24. Februar. Im Folgenden das Interview im Wortlaut:
AP: Herr von Beust, das Thema Kriminalität bei ausländischen Jugendlichen ist in den vergangenen Wochen sehr hochgekocht. Sollte auf dieses Thema im Wahlkampf ganz verzichtet werden?
Von Beust: Gewalt ist widerlich, und die Täter müssen schnell klare Grenzen gesetzt bekommen. Daran arbeiten Polizei und Justiz. Dies ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist die Prävention, und hier setzen wir ebenfalls an.
AP: Worin sehen Sie die Lösung?
Von Beust: Wir müssen für die jungen Menschen Chancen und Perspektiven schaffen: Das gilt vor allem für Schule und Ausbildung. Dazu gehört auch die Integration. Ein Beispiel: Wir haben uns im Oktober 2006 das Ziel gesetzt, in den nächsten fünf Jahren den Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund in der Ausbildung in der hamburgischen Verwaltung auf einen Zielwert von 20 Prozent zu erhöhen. Im Einstellungsjahr 2007 konnten wir den Anteil bereits auf rund elf Prozent steigern – gestartet sind wir bei zirka fünf Prozent in 2006.
AP: Muss in Deutschland noch mehr für die Integration getan werden?
Von Beust: Wir wollen neben den Kindern und Jugendlichen noch mehr die Eltern einbeziehen. Wir bauen gerade Beratungszentren – sogenannte Eltern-Kind-Zentren – auf, die Eltern niedrigschwellige Unterstützung zum Beispiel bei der Erziehung ihrer Kinder bieten – ohne Kosten und große Bürokratie. Es muss ein Vertrauensverhältnis zwischen Staat, Kindern und Familien entstehen. Wichtig ist auch, dass die Mütter die Möglichkeit bekommen, selber Deutsch zu lernen.
AP: Und was ist mit den Kindern und Jugendlichen?
Von Beust: Gerade bei den jetzt 13- bis 18-Jährigen müssen wir noch intensiver ansetzen: Sie konnten nicht von den Angeboten profitieren, die wir für Kinder in den vergangenen Jahren geschaffen haben. Dazu gehört beispielsweise das verpflichtende kostenlose Vorschuljahr für Kinder, bei denen die Tests für Viereinhalbjährige ein erhebliches Defizit in der Sprachkompetenz ergeben haben. Die jungen Leute müssen wir unterstützen, etwa bei ihrem beruflichen Weg. Dazu gehört Sprachunterricht oder auch Berufsvorbereitung durchaus im Pakt mit der Wirtschaft.
AP: Integration, Kinderbetreuung, Klimaschutz. Konzentriert sich die Hamburger CDU zu sehr auf eher klassische Themen von SPD und Grünen?
Von Beust: Warum ist Kinderbetreuung sozialdemokratisch oder Umweltpolitik grün? Das sind Themen, die die Menschen beschäftigen. Als Bürgermeister bin ich für alle da.
AP: Der CDU-Wirtschaftsflügel hat gefordert, anstelle des Themas soziale Gerechtigkeit „das Erwirtschaften“ wieder an erste Stelle zu rücken...
Von Beust: Beides gehört zusammen: Ich brauche solide Wirtschaftspolitik, Wachstum und Steuereinnahmen, um andere Themen wie Klimaschutz und Soziales finanzieren zu können. Ich darf die Frage nach der Finanzierung nicht unbeantwortet lassen, wie die SPD das macht.
AP: Die Linke schafft nach aktuellen Umfragen in Hamburg den Einzug ins Rathaus. Werden Sie dagegen im Wahlkampf-Endspurt etwas unternehmen?
Von Beust: Man sollte sie nicht dämonisieren, sondern man muss sich inhaltlich auseinander setzen, ruhig und gelassen, und selber klaren Kurs halten. Ich werbe für meine gute Politik.
(Das Interview führte Simone Utler). (AP)
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