München – Schätze der Inka, Maya und Azteken im Wert von rund 100 Millionen Dollar (64 Millionen Euro) haben Kunstfahnder der bayerischen Polizei in München beschlagnahmt. Die Besitzverhältnisse der rund 1.100 Gegenstände sind umstritten, wie das Landeskriminalamt am Mittwoch mitteilte. Ein Sammler aus Costa Rica soll sie von Spanien nach Bayern gebracht haben. Er erhebt Besitzansprüche – ebenso mehrere lateinamerikanische Länder wie Peru, Kolumbien, Panama, Costa Rica, El Salvador und Guatemala.
Die mehreren hundert beschlagnahmten Holzkisten haben ein Volumen von 90 Kubikmetern, wie Polizeisprecher Ludwig Waldinger erklärte. Laut Inventarliste befänden sich in ihnen unter anderem Goldgegenstände, Skulpturen und Keramik aus den präkolumbianischen Hochkulturen.
Wie die Sammlung zustande gekommen kam, ist derzeit noch unklar, wie die Polizei sagte. Bislang gebe es keine Erkenntnisse, dass die Kunstwerke gestohlen oder geraubt worden seien.
Auch ist unklar, wie genau die Schätze nach München kamen. Nach Angaben aus Costa Rica seien sie bereits in Spanien in amtliche Sicherheitsverwahrung genommen, um die Besitzverhältnisse zu klären, erklärte die Polizei. Dennoch habe der 66-Jährige Kunstsammler den Transport organisieren können. Eine Ausfuhrgenehmigung gibt es nach ersten Erkenntnissen nicht.
Es liege zwar nahe, dass der Transport strafrechtlich relevant sein könnte, erklärte die Polizei. Der Sammler sei aber auf freiem Fuß geblieben. Es müsse zuerst geklärt werden, ob eine Straftat vorliege, sagte Polizeisprecher Ludwig Waldinger. Es könne schließlich auch sein, dass ihm die Sammlung gehöre.
In der vergangenen Woche hatte Costa Rica ein Rechtshilfeersuchen an Deutschland gestellt und damit eine bundesweite Fahndung ausgelöst. Die bayerische Polizei wurde relativ schnell fündig: „Es gibt nicht so viele Orte, wo so etwas sein kann“, sagte Waldinger.
Bis die Besitzverhältnisse geklärt sind, dürfte es dagegen länger dauern: Die Polizei wartet nun auf angekündigte Rechtshilfeersuchen aus den lateinamerikanischen Ländern. Allein die Erfassung der Sammlung sei aufwändig. Zudem sei noch nicht klar, ob die beschlagnahmten Kisten auch alle Gegenstände auf der Inventarliste enthielten. Keine Kiste dürfe ohne einen Archäologen geöffnet werden. So sollen mögliche Beschädigungen und Schadenersatzansprüche verhindert werden.
Man werde nichts übers Knie brechen, betonte der Kunstfahnder. Die Gegenstände seien schließlich sicher verwahrt. Es könne durchaus einige Wochen oder Monate dauern, bis es weitere Erkenntnisse gebe. (AP)
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