Schon vor dem Start des G-8-Gipfels in Heiligendamm kam es am Samstag, den 2. Juni, zu schweren Ausschreitungen zwischen 2.000 teils vermummten Autonomen und der Polizei. 141 Personen wurden festgenommen. Die Neue Epoche hat vor Ort G-8-Kritiker und Polizisten befragt.
Die Kritiker
Monty Schädel, Koordinator der G-8-Proteste, sagt, dass Gewalt „viele Gesichter" habe. Für ihn beginnt Gewalt schon mit dem Entsenden von Soldaten und Kampfflugzeugen in Krisengebiete. Auch sei eine Spaltung der G-8-kritischen Bewegung, die immerhin 300 Organisationen umfasst, durch die Krawalle am 2. Juni in Gewaltbefürworter und friedliche Demonstranten nicht zu beobachten oder gar zu unterstützen.
Hanna, eine18-jährige Schülerin aus Bremen, äußert sich kämpferisch. Sie sagt, die Bewegung lasse sich nicht spalten, der Weg sei das Ziel. Der G-8-Gipfel müsse verhindert, der Kapitalismus zerschlagen werden. Da sei jedes Mittel recht. Putin müsse weg und die Bundesregierung zurücktreten. Das sei, so Hannas Überzeugung, der erste Weg zur Besserung.
Bei den Demonstranten macht das Gerücht die Runde, die Krawalle vom 2. Juni seien von Polizisten in Zivil angezettelt worden, um die öffentliche Meinung über die G-8-Kritiker zu beeinflussen und ein härteres Vorgehen der Polizei zu rechtfertigen. Eine Behauptung, die Monty Schädel nicht bestätigen kann: „Das waren Gewalttäter, wie sie beim Fußball vorkommen". Für einen Dialog mit den Gipfelteilnehmern stehe er nur zur Verfügung, wenn alle Sprecher der Unterdrückten und Minderheiten dieser Welt mit am Verhandlungstisch Platz hätten. Außerdem sei der G-8-Gipfel nicht demokratisch legitimiert.
Beten für den Frieden
Bea, Kathleen und Katha aus Görlitz wollen aufzeigen, dass es auch friedliche Konfliktlösungsmöglichkeiten gibt. Sie sind Mitglieder von „Speak", einem europäischen Netzwerk antikapitalistischer Christen, und setzen auf die heilende Kraft der Bibel. Als Symbol für Hoffnung haben sie sich Engelsflügel an den Rücken geheftet und wollen zwischen den Fronten beruhigend wirken. Werden Gewalttäter beobachtet, wird für sie gebetet, da die Bibel sagt, dass man auch seine Feinde lieben soll. Ihre Sprecherin Ulrike Flänig erklärt, dass sie gesellschaftliche Veränderungen aus der Liebe heraus bewirken wollen.
Hauptkomissar Conrady: „Vermummung ist eine Straftat"
Michael Conrady, Erster Polizeihauptkommissar und Führer einer Polizeihundertschaft, verlässt sich auf seine Erfahrung. „Für gewaltbereite Demonstranten ist allein unserer Anwesenheit schon Provokation. Sie scheinen nun jedoch erkannt zu haben, dass sie gegen uns wenig Chancen haben. Wenn wir Straftaten beobachten, müssen wir einschreiten. Vermummung ist bereits eine Straftat. Wenn sich jemand als Clown verkleidet, ist das meiner Meinung nach ebenfalls Vermummung und strafbar. Gegen Straftaten jeder Art wird mit unnachsichtiger Härte durchgegriffen. Die Erfahrungen vom 2. Juni mit über 400 verletzten Beamten lassen keine Toleranz mehr zu", so Conrady.
Schlagworte