Heiligendamm – Die G-8-Familie hat ein quirliges neues Mitglied. Einen Monat nach seinem Wahlsieg hat der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy seinen ersten Auftritt auf der Bühne der Weltpolitik, den er in vollen Zügen genießt. In Begleitung seiner eleganten Frau Cécilia machte er beim Abendessen auf Schloss Hohen Luckow eine gute Figur und am Donnerstag gelang dem gut gelaunten Sarkozy sogar das Kunststück, den nicht gerade für Heiterkeitsausbrüche bekannten Wladimir Putin vor laufenden Kameras zum Lachen zu bringen.
Der ehrgeizige Politiker, der immer ganz nach oben wollte, hat im Kreis der Mächtigsten der Welt offenbar das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Sein entspanntes und charmantes Auftreten schließt aber Härte in der Sache nicht aus. Demonstrativ stärkt er bei den schwierigen Klimaschutzverhandlungen in Heiligendamm Bundeskanzlerin Angela Merkel den Rücken, die konkrete Ziele zur Treibhausgasreduzierung in der Abschlusserklärung festschreiben will.
Beim Bankett am Mittwochabend sprach Sarkozy das Thema bereits in einem kurzen Tête-à-tête mit US-Präsident George W. Bush an und setzte am Donnerstag in der Arbeitssitzung der G-8 noch einen drauf: „Wir müssen uns jetzt im weltweiten Maßstab quantitative Ziele setzen, auf die sich die Wissenschaftler geeinigt haben. Und wir müssen uns in die Lage versetzen, die Ziele auch zu erreichen“, beschwor er den sich gegen konkrete Vorgaben sträubenden Bush. Dies sei ebenso wenig verhandelbar wie die Rolle der Vereinten Nationen beim Klimaschutz.
Sarkozys Engagement in diesem Punkt ist umso erstaunlicher, als Umweltfragen im französischen Präsidentschaftswahlkampf fast keine Rolle gespielt haben. Als langjähriger Innenminister machte sich der konservative Politiker als knallharter Vertreter von Law-and-Order einen Namen, im Wirtschafts- und Finanzressort als unternehmerfreundlicher Macher. Doch als Präsident übernahm er ohne Zögern die umwelt- und entwicklungspolitischen Visionen seines ungeliebten Vorgängers Jacques Chirac, der seine hehren Worte jedoch regelmäßig in konkrete Politik umzumünzen vergaß. Da ist von dem nach eigenen Bekunden Ergebnis orientierten Sarkozy künftig wohl mehr zu erwarten.
Küsschen für Angela Merkel, Scherze mit Putin nach dem Familienfoto: In Heiligendamm ließ der bisweilen hyperaktiv wirkende Präsident seinen Charme spielen. Einziger Wermutstropfen war die vorzeitige Abreise seiner Frau. Cécilia ließ sich entschuldigen und flog bereits am Donnerstag nach Paris zurück. Offizielle Begründung: der 20. Geburtstag ihrer Tochter – am Freitag. (AP)
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