Politik und Konjunktur – Der Tag danach – Holger Mehlig
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Der Tag danach

Holger Mehlig

09.06.2007

Polizisten und Urlauber sitzen in einem Strandkorb vor dem Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm. Nach zehn Tagen ist der Sicherheitszaun um den G-8-Tagungsort Heiligendamm wieder geöffnet. (AP Photo/Thomas Haentzschel)
Polizisten und Urlauber sitzen in einem Strandkorb vor dem Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm. Nach zehn Tagen ist der Sicherheitszaun um den G-8-Tagungsort Heiligendamm wieder geöffnet. (AP Photo/Thomas Haentzschel)

Heiligendamm – In dem großen Strandkorb, in dem Angela Merkel, George W. Bush, Tony Blair und Wladimir Putin noch am Freitag saßen, posiert einen Tag später Frank Stille für ein Foto. Hinter ihm ragt weiß das Hotel Kempinski auf. Vor ihm rauscht das Meer. „Da vorn war doch der rote Teppich“, sagt er. „Und hier haben sie das Gruppenfoto mit den Afrikanern gemacht.“ Der Braunschweiger und seine Frau sind am Samstag, dem Tag nach Ende des G-8-Gipfels, aus ihrem Urlaubsdomizil Kühlungsborn nach Heiligendamm gekommen, um auf den Spuren der Staats- und Regierungschefs zu wandeln.

Es herrscht eine eigenartige Atmosphäre in der weißen Stadt an der Ostsee. Es ist, als ob sie nach zehn Tagen Isolation erst einmal wiederbelebt werden müsste. Seit dem frühen Samstagmorgen sind die Kontrollstellen wieder offen, jedermann kann passieren. Doch der Strand ist noch gegen 10.00 Uhr trotz herrlichem Badewetter verwaist. Die Strandkörbe müssen erst wieder aufgestellt werden, auf der Promenade sind erst wenige Touristen zu sehen. Noch prägen Polizisten, Soldaten, dienstbeflissene Aufräumer und Kamerateams das Bild. Die Stille ist außergewöhnlich, das Plätschern der Wellen ist zu hören, denn die seit Wochen ständig kreisenden Hubschrauber sind weg.

Die Straßen im Ort sind vollgeparkt mit Lastwagen und Traktoren, in die die Zelte, Stühle, Tische, Podeste und Tribünen gepackt werden. Noch stehen die Pavillons, in denen die Gipfelgäste beherbergt wurden. Auch die Holzplanken auf dem Strand liegen noch, auf denen die Gäste Richtung Meer laufen konnten, ohne sich die Füße mit Sand zu beschmutzen. Die roten Teppiche indes sind aufgerollt.

„Eigentlich ist es schade, dass der Gipfel vorbei ist“, sagt Claudia Ückert, Kellnerin in der Coco-Eis-Milchbar am Ende der Promenade. „Das war eine spannende Zeit, und es gab total viel zu tun.“ Und die Polizisten, die da gewesen seien, seien „total lustig und locker drauf“ gewesen. „Hier liefen sogar der Blair und der Japaner vorbei. Meine Kollegin hat die fotografiert.“ Andererseits sei es auch gut, wieder ohne Kontrolle nach Heiligendamm zu kommen. „Das war nervig, wenn man wie ich aus Bad Doberan kommt.“

„Meine zweite Maueröffnung“

Glücklich über das Ende der Isolation scheinen die 280 Bewohner von Heiligendamm zu sein. „Endlich frei“, kommentiert beispielsweise Jan Emendörfer. Der stellvertretende Chefredakteur der „Ostsee-Zeitung“ wohnt in dem Ort und hat in seiner Zeitung täglich eine Kolumne über das Erlebte veröffentlicht. „Das ist meine zweite Maueröffnung“, schreibt er. „Endlich frei ohne Badge (Zugangsbutton) raus und rein, endlich wieder Besuch von draußen, endlich mal wieder andere Gesichter.“ Und auch die Unterbodenspiegelungen, Taschenkontrollen und schnüffelnden Hunde gehörten jetzt der Vergangenheit an.

Extra in Gipfelnähe hat der aus dem Münsterland kommende Stefan Weckendorf bereits im Januar seinen Urlaub mit Frau und kleinem Kind gebucht – in Kühlungsborn. „Wir dachten, es ist interessant, so etwas mal aus der Nähe mitzubekommen“, sagt er. Jetzt sei die kleine Familie mal eben mit dem Rad rübergefahren, um zu sehen, ob alles wieder offen sei. Ein wenig enttäuscht sei er aber schon. „Dass wir die Staatschefs nicht sehen, war uns klar. Aber wir dachten schon, dass wir irgendwelche Promis wie Anne Will oder Peter Kloeppel noch sehen könnten.“

Aus Rostock sind Klaus und Anna Schröder gekommen, um sich den Gipfelort anzusehen. „Natürlich ist es interessant zu sehen, wie die den Ort für die Regierungschefs umgebaut haben“, sagt Klaus Schröder. Aber dass dafür so viel Geld ausgegeben worden sei, könne sie nicht verstehen, fügt seine Frau hinzu. „Warum sind sie nicht nach Helgoland gegangen?“

Auch die zuvor von Gipfelgegnern mehrfach lahm gelegte Bäderbahn „Molli“ verkehrt wieder ungestört zwischen Heiligendamm und Kühlungsborn. Die Angestellten vom Hotel Kempinski schrecken aber immer noch verängstigt zurück, wenn sie Journalisten sehen. „Wir dürfen nichts sagen. Das haben unsere Chefs gesagt“, erklären sie unisono.

Gegen Mittag wird es immer voller in dem Ort. Die Gipfeltouristen strömen auf die Promenade und richten ihre Digitalkameras gen Kempinski. Einige kühlen sich im Meer ab. „Jetzt wird es wieder normal“, sagt Ückert. (AP)

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