Politik und Konjunktur – In Mecklenburg-Vorpommern zieht nach G-8 wieder Alltag ein – Gerhard Kneier
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In Mecklenburg-Vorpommern zieht nach G-8 wieder Alltag ein

Gerhard Kneier

09.06.2007

Rostock – In Mecklenburg-Vorpommern zieht nach Ende des G-8-Gipfels allmählich wieder der Alltag ein. Einen Tag nach Abreise der Staats- und Regierungschefs wurde am Samstag mit dem Abbau des Sicherheitszauns um den Tagungsort in Heiligendamm begonnen und die Gefangenenlager für festgenommene Verdächtige geschlossen. Die Polizei registrierte vor Ort keine Protestaktionen oder sonstigen Zwischenfälle mehr, allerdings gab es am späten Freitagabend Ausschreitungen in Berlin. Für Mecklenburg-Vorpommern zog Ministerpräsident Harald Ringstorff eine positive Bilanz.

Nach zehn Tagen wurde der Sicherheitszaun um den G-8-Tagungsort am frühen Morgen wieder geöffnet. Heiligendamm können Einwohner jetzt wieder ohne Kontrollen passieren und auch Touristen ungehindert besuchen. Der für 12,5 Millionen Euro errichtete und zwölf Kilometer lange Zaun werde nun nach und nach abgebaut, sagte Polizeisprecher Manfred Etzel. Die Herstellerfirma will ihn laut „Bild“-Zeitung verkaufen. Zu den Interessenten zähle ein Farmer aus Südafrika.

In der Nacht und am Samstag selbst gab es in Rostock und Umgebung nach Polizeiangaben keine Zwischenfälle mehr. Die Gipfelgegner räumten ihre Camps, und auch die Polizei schickte ihre Kräfte nach und nach an die Heimatstandorte zurück. Insgesamt waren zum Schutz des Gipfels 17.800 Beamte aus dem ganzen Bundesgebiet im Einsatz.

Am Mittag wurden die vier letzten noch verbliebenen Gefangenen aus den eigens dazu errichteten Sammelstellen entlassen, die jetzt ebenfalls abgebrochen werden. Der Strafverteidiger Eberhard Kempf kritisierte in der „Berliner Zeitung“ scharf die Unterbringung festgenommener Demonstranten in den drahtverhauartigen Lagern. „Auch wenn es nicht genügend Kapazitäten gibt, rechtfertigt das keine Inhaftierung in Käfigen nach dem Vorbild Guantanamos“, sagte der Anwalt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

In Berlin wurden bei einer spontanen Demonstration gegen den G-8-Gipfel am späten Freitagabend sechs Personen festgenommen. Nach Polizeiangaben wurden Beamte im Stadtteil Mitte vereinzelt mit Flaschen und Steinen beworfen, die zwei Polizisten verletzten. Die meisten der 600 Teilnehmer seien aber friedlich gewesen. Allerdings wurden im Stadtgebiet zwölf Autos angezündet oder beschädigt sowie mehrere Fensterscheiben eingeworfen. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit 1.000 Beamten im Einsatz.

In der Ostseestadt Wismar wurde für Samstag ein Versammlungsverbot erlassen, nachdem laut Polizei im Internet zur Beteiligung an gewalttätigen Aktionen aufgerufen worden war. Es wurden Kontrollstellen errichtet, die Lage blieb aber ruhig.

Autonome sollen überwacht werden

Staatssekretär August Hanning vom Bundesinnenministerium kündigte im „Spiegel“ unter Hinweis auf die Ausschreitungen von Rostock eine verstärkte Überwachung der autonomen Szene an. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warf den Globalisierungskritikern Versagen im Einsatz gegen Gewalt vor. Sven Giegold von Attac sprach sich in der „Berliner Zeitung“ für eigene Ordnerdienste aus, um Gewalt vorzubeugen. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) attackierte im „Focus“ die Umweltorganisation Greenpeace, die „bei der kalkulierten Übertretung von Gesetzen offenbar jedes Maß verloren“ habe.

Der mecklenburg-vorpommersche Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) lobte im NDR, nach anfänglicher Gewalt hätten auch die Protestaktionen kreative Formen angenommen, so dass überwiegend positive Bilder um die Welt gegangen seien. Mecklenburg-Vorpommern sei jetzt auch als Urlaubsland gestärkt. Bei entsprechenden finanziellen Absprachen mit dem Bund seien auch künftig Veranstaltungen dieser Art in seinem Land vorstellbar. (AP)

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