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02.12.2007
Frankfurt/Main – Trotz weiterhin nur mittelmäßiger Leistungen der 15-Jährigen in Lesen und Mathe sieht das nationale Pisa-Konsortium die deutschen Schulen auf einem guten Weg. Grund seien neben dem besseren Abschneiden bei den Naturwissenschaften auch leichte Verbesserungen beim Hauptproblem, der mangelnden Chancengleichheit, berichtete die „Stuttgarter Zeitung“ am Wochenende unter Berufung auf die Zusammenfassung der deutschen Pisa-Ergebnisse. Die OECD wies die Kritik aus Deutschland an Pisa-Koordinator Andreas Schleicher scharf zurück.
Laut „Stuttgarter Zeitung“ belegt Deutschland bei Pisa 2006 unter den 30 OECD-Staaten bei Lesen und Mathe den 14. Platz. Korea, Finnland und Kanada lägen im Lesen mit weitem Abstand vorne, in Mathe führten Finnland und Korea sowie die Niederlande. Das Ranking aller 57 Teilnehmerstaaten werde aber geheim gehalten.
Der Leiter des deutschen Pisa-Konsortiums, Manfred Prenzel, sieht die Ergebnisse insgesamt sehr positiv, wie die Zeitung schreibt. Es gebe „nachweisbare Verbesserungen“ bei der sozialen Gerechtigkeit – zwar sei der Zusammenhang zwischen Schulerfolg und Elternhaus nach wie vor zu stark, aber die Befunde zeigten eine Lockerung. Betrachte man, was sich international seit Pisa 2000 getan habe, „dann fällt Deutschland positiv auf“, während andere Staaten sich deutlich verschlechtert hätten.
Die Ergebnisse der Pisa-Studie von 2006 werden am Dienstag vorgestellt. Pisa-Koordinator Andreas Schleicher war wegen der Kommentierung der Vorabinformationen von Unionspolitiker heftig attackiert und zum Rücktritt aufgefordert worden: Der Pisa-Chef sei „in verunglimpfender Art und Weise angegriffen worden“, kritisierte die OECD-Direktorin für Bildung, Barbara Ischinger. „Wir weisen diese Angriffe mit Entschiedenheit zurück und bedauern, dass hierdurch die konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und der OECD im Bereich der Bildungsanalysen völlig unnötig belastet wird.“ Der „weltweit anerkannte Bildungsforscher“ Schleicher genieße „unser uneingeschränktes Vertrauen“.
Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Jürgen Zöllner (SPD), sagte unterdessen, im deutschen Bildungssystem habe sich vieles zum Besseren verändert. „Wenn sich in allen Politikfeldern so viel getan hätte wie in der Bildungspolitik, stünden wir deutlich besser da“, sagte er der AP. „Die Schule in Deutschland hat schon einen weiten Weg zu mehr Qualität geschafft.“ Die große bildungspolitische Herausforderung sieht Zöllner darin, Kindern aus Ausländer- und sozial benachteiligten Familien Bildungserfolge zu verschaffen. Bildungsreformen brauchten Kontinuität und Zeit, betonte der Berliner Bildungssenator.
Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan warnte vor nachlassendem Reformwillen. Die Pisa-Ergebnisse in den Naturwissenschaften seien ermutigend, das solle aber nicht dazu „verführen, den Reformeifer einzustellen“, sagte sie der „Wirtschaftswoche“. Die für die Schulpolitik verantwortlichen Bundesländer ermahnte Schavan: „Wettbewerb zwischen den Ländern ist grundsätzlich gut, aber es fehlen noch Spielregeln zwischen den Ländern.“
Der Bildungsökonom Ludger Wößmann vom Ifo-Institut bezweifelt dagegen, dass die besseren Ergebnisse in der Iglu-Studie tatsächlich auf Schulreformen zurückzuführen sind. Iglu zeige, dass der Pisa-Schock „vor allem bei den Eltern angekommen ist“: Eltern förderten ihre Kinder heute viel stärker beim Lesen als früher.
Laut „Spiegel“ haben bei der Pisa-Studie mehrere Staaten teilnehmende Schüler mit Geld oder sonstigen Anreizen angespornt. Das deutsche Pisa-Konsortiums befürchte, dass die Ergebnisse dadurch nicht mehr repräsentativ sein könnten. (AP)
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