Die Geschichte der chinesischen Knoten (中國結 zhong guo jie) zieht sich durch die gesamte Entwicklung der 5.000 Jahre alten chinesischen Zivilisation. Bereits in der Vorgeschichte war der Knoten zum Zweck der Aufzeichnung bekannt. So spricht die chinesische Kultur von „結繩記事 Jie Shen Ji Shi - Knoten in Schnüre schlingen zum Zweck der Aufzeichnung" und „大事大結其繩 (da shi da jie qi sheng)、小事小結其繩 (xiao shi xiao jie qi sheng) - bei großen Ereignissen schlingt man große Knoten, bei kleinen Ereignissen kleine Knoten."
In der Anfangszeit der chinesischen Zivilisation und Kultur hat das Volk auch die Schnur verehrt, da das Wort Schnur 繩 (sheng) im Chinesischen gleich wie das Wort Gottheit - 神 (shen) ausgesprochen wird. Darüber hinaus hat das Schriftzeichen „Schnur" noch einen besonderen Anbetungssinn für die Chinesen, auch Volk der Drachen genannt, weil das Schriftzeichen „Schnur" wie ein bewegter Drache aussieht
Eine metaphorische Bedeutung erhielt der Knoten in der chinesischen Kultur auch aufgrund seiner sprachlichen Ableitung. Das Schriftzeichen 結 (jie - Knoten) setzt sich aus 絲 (si) und 吉(ji) zusammen, wobei 絲 (si) Seide oder Seile bedeutet und 吉 (ji) Wohlstand, hohe Stellung in der Gesellschaft, Langlebigkeit, Glück, Reichtum, Gesundheit, Sicherheit beinhaltet. Das Schriftzeichen 結 symbolisiert Kraft, Harmonie und menschliche Gefühlsbindung, die in einer Reihe von chinesischen Wörtern, die 結 enthalten, widergespiegelt werden - wie zum Beispiel 結實 (jie shi) fest, 結交 (jie jiao) Freundschaft schließen, 結緣 (jie yuan) Schicksalsverbindung knüpfen, 結婚 (jie hun) heiraten, 團結 (tuan jie) sich solidarisieren.
Auf Grund der tiefen Verbindungen der chinesischen Knoten mit der dortigen Kultur wird die Knotentechnik als eine Volkskunst immer weiter entwickelt und überliefert. Zu einer regelrechten Kunstform entwickelte sich die chinesische Knotentechnik während der Tang (618-907) sowie Song-Dynastie (960-1279.) und erlebte ihre Blütezeit schließlich in der der Ming- und Qing-Dynastie (1368-1911) - hier wurden Knoten vermehrt in den traditionellen Kleidungen verwendet. Weit über eine Nutzung als dekoratives Ornament für Festlichkeiten hinaus fanden sich die Stilelemente der chinesischen Knoten in Halsbändern, Aufsteckfrisuren und Schmuckgehängen. Bestimmte Knote wie „Glücksknoten" wurden als Amulett benutzt, um das Böse zu vertreiben und zu besiegen, Unglück zu vermeiden und Glück zu bringen.
Während des vergangenen Jahrhunderts, besonders im kommunistischen „neuen" China, verlor diese traditionelle Kunstform an Bedeutung. Erst in den späten 1990er Jahren wurde die chinesische Knotenkunst, ebenso wie die Stickerei und die traditionelle chinesische Bekleidung, wiederentdeckt. Sie tritt seither ihren Siegeszug in den Städten an.
Charakteristisch für die chinesische Knotenkunst ist ihre Fertigung aus einem einzigen Stück Schnur. Die mindestens einen Meter langen Schnüre werden nach festgelegten Methoden, Reihenfolgen und Regeln geschlungen, gewickelt, gerollt, gestickt und gezogen, hin zu unterschiedlichen faszinierenden Knoten. Zwar sind manche Knoten ausgesprochen kompliziert und kunstvoll in Musterung und Design, sie alle sind jedoch eine Kombination von nicht einmal 20 Grundtechniken der Verknüpfung. Die chinesischen Knoten sehen von vorne und hinten gleich aus.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Knoten zu ihrem Namen kommen können. Die unterschiedlichen Knoten bekommen entweder von der Form, dem Verwendungszweck, dem Ort, an dem sie entstanden sind, oder der Bedeutung des Knotens ihren Namen. So gleicht etwa der „Doppelgeldknoten" zwei halb aufeinander gelegten alten chinesischen Kupfermünzen. Der „Knopfknoten" hat den Namen von seiner Anwendung. Der „Zehntausenderknoten" ähnelt nicht nur in der Form dem buddhistischen Swastika, das von den Chinesen auch im Sinn von Zehntausend verwendet wird, sondern er findet sich auch häufig an den Gürteln früher Guan-yin Statuen, der Bodhisattva der Barmherzigkeit. Der „endlose Knoten", wurde den acht buddhistischen Symbolen nachempfunden, die für den ewigen Kreislauf steht, aus dem sich alles entwickelt. Der Knoten drückt genau diese endlose Verschlingung aus und ist Grundlage für viele Varianten.
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