Köln – Wer bei Familienunternehmen an ein verstaubtes Geschäftsmodell denkt, wird vom 219 Jahre alten Bankhaus Sal. Oppenheim eines Besseren belehrt: „Familienunternehmen sind vielleicht die modernste Form, Geschäfte zu betreiben“, findet Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der größten unabhängigen Privatbank Europas. „Wir sind Unternehmer, keine Manager. Das bedeutet Unabhängigkeit, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit. Und das ist modern“, sagt von Krockow im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.
Für den 58-jährigen Banker, der in seiner Karriere auch Station bei der Chase Manhattan und der Citibank in New York machte, gilt das Motto: „Wir müssen Oppenheim jeden Tag neu erfinden.“ Dennoch wird Tradition bei dem Bankhaus, das als Berater der Vermögenden gilt, groß geschrieben.
Vertrauen, Diskretion, Glaubwürdigkeit – das ist von Krockow zufolge der Dreiklang, den die vermögende Kundschaft schätzt. Und weil viele der reichen Kunden selbst aus alteingesessenen Unternehmerfamilien stammen, wissen die Privatbankiers, worauf es ankommt, so von Krockow: „Sie können bei großen Familienunternehmen das Private nicht von der Firma trennen.“
Der Sohn eines im Zweiten Weltkrieg vertriebenen westpreußischen Grafen hat sich den Weg an die Spitze des Geldadels allerdings erarbeiten müssen. „Und ich weiß, was es heißt, sich mit einem Namen, den keiner kennt, in der Finanzwelt durchzusetzen.“
Der Vater von vier Kindern hat bei diesem Weg nach eigenem Bekunden auf die Balance aus Tradition und neuen Ideen gesetzt. „Bei uns zählt Erfahrung, Know-how und Verantwortung. Wenn Sie als Unternehmer anfangen, sich nur noch auf Computer und Basel II zu verlassen, dann sind Sie kein Unternehmer.“ Seine Rolle als persönlich haftender Gesellschafter bedeutet für ihn denn auch: „Ich bin ein Kümmerer und erst zufrieden, wenn ich wirklich alles zur Lösung eines Problems zusammenbringen konnte.“
Der fast zwei Meter große Mann, der humorvoll von seiner Lebensgeschichte erzählt und von seiner Arbeit als Berufung schwärmt, wurde durch die Heirat mit Baronin Ilona von Ullmann Teil der Bankiersfamilie Oppenheim. 1998 avancierte er zum Sprecher der Bank und trat damit in große Fußstapfen: Sein Vorgänger war der ehemalige Bundesbankpräsident Karl-Otto Pöhl.
Mit ihm wuchs das Unternehmen rasant: Das verwaltete Vermögen vervielfachte sich von einigen wenigen Milliarden auf rund 160 Milliarden Euro zum Ende vergangenen Jahres. Die Übernahme der BHF-BANK AG Ende 2004 katapultierte das Haus an die Spitze der europäischen Privatbanken. Keine leichte Aufgabe, wie von Krockow betont: „Der Privatbankiersstand ist ja seit Jahrzehnten von der Schwindsucht befallen. Wir waren mal über 1.000, jetzt sind wir in Deutschland nur noch einige Wenige von Bedeutung.“
Die Phase internen und externen Wachstums ist für den Bankchef mit dem bisher Erreichten keinesfalls abgeschlossen. „Unter der Dachmarke Sal. Oppenheim ist noch viel mehr drin, wir haben an den Möglichkeiten bisher ja nur gekratzt.“ Auch weitere Zukäufe im In- und Ausland stehen von Krockow zufolge an. „Wir wollen wachsen“ lautet die Losung für das Unternehmen, das in seiner wechselvollen Geschichte sechs Kriege, fünf Währungsumstellungen und elf Herrschafts- und Staatssysteme überstand.
Ein wichtiger Schritt zu weiterem Wachstum gerade auch im Ausland ist für den Unternehmer die im vergangenen Jahr erfolgte Verlagerung des Konzernsitzes nach Luxemburg. Der Finanzplatz Luxemburg sei „ein idealer Standort für den weiteren Ausbau unseres internationalen Geschäfts“, betont er.
Zu den wichtigen Bausteinen des Bankgeschäfts, mit denen Sal. Oppenheim die Rolle als Primus unter den Privatbanken festigen will, zählt von Krockow das „Family Office“. Die 1990 von den Inhaberfamilien des Bankhauses gegründete Oppenheim Vermögenstreuhand ist einer der ältesten und führenden Anbieter für Family-Office-Dienstleistungen in Deutschland. 2005 erwarb Sal. Oppenheim die Services Généraux de Gestion S.A. (SGG S.A.) das bedeutendste Family Office in Luxemburg.
Mittlerweile ist das europäische Family Office Netzwerk noch größer geworden. Unter dem Namen Oppenheim Landert Family Office hat das Haus im vergangenen Jahr mit der Dr. Landert-Gruppe eine umfassende Vermögensberatung und Betreuung von reichen Familien, Stiftungen und Einzelpersonen in der Schweiz gegründet. Dass die Familie Oppenheim und die Bank von diesem Konzept überzeugt sind, machen sie auf ihre traditionelle Weise deutlich: Die Familie hat sich persönlich mit 41 Prozent an dem Joint-Venture mit Landert beteiligt. Die Bank hält 10 Prozent.
http://www.oppenheim.de (AP)
Schlagworte