Nachrichten Deutschland – 23 Tote bei Transrapid-Unfall im Emsland – Imke Zimmermann
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23 Tote bei Transrapid-Unfall im Emsland

Imke Zimmermann

22.09.2006

Trümmerteile der Transrapid-Schwebebahn liegen unter dem Fahrweg der Transrapid-Versuchsstrecke in Lathen im Emsland. (AP Photo/Joerg Sarbach)
Trümmerteile der Transrapid-Schwebebahn liegen unter dem Fahrweg der Transrapid-Versuchsstrecke in Lathen im Emsland. (AP Photo/Joerg Sarbach)

Lathen - Bei dem Transrapid-Unglück im Emsland sind 23 Menschen ums Leben gekommen. Zehn Personen wurden verletzt, wie die Polizei am späten Freitagabend mitteilte. Zwischenzeitlich war von 25 Todesopfern die Rede gewesen. Die Bergungsarbeiten seien abgeschlossen, erklärte die Polizei. Über Nacht werde die Unglücksstelle gesichert.

Am Freitagmorgen raste ein Magnetzug auf der Versuchsstrecke im Emsland ungebremst in einen Werkstattwagen. «Vermutlich ist von menschlichem Versagen auszugehen», sagte Staatsanwalt Alexander Retemeyer am Freitagabend nach fast 12-stündigen Rettungsarbeiten. Bundeskanzlerin Angela Merkel fuhr an die Unglücksstelle und sprach den Angehörigen der Opfer ihr Mitleid aus.

Die nicht voll besetzte Magnetbahn war in der Nähe von Lathen an der holländischen Grenze gegen 09.30 Uhr mit rund 180 Stundenkilometern in einen Werkstattwagen gerast, in dem sich zwei Mitarbeiter der Versuchsanlage befanden. Im Zug fuhren eine Besuchergruppe des Stromkonzerns RWE auf Betriebsausflug, Mitarbeiter eines Pflegedienstes und Transrapid-Mitarbeiter mit.

Die pfeilförmige Magnetbahn schob sich unter die Arbeitsplattform, die auf das Dach des Zuges geschleudert wurde, wie Rettungskräfte mitteilten. Mit dem Werkstattwagen wird die Strecke einmal am Tag von Ästen und Dreck gereinigt.

Der zerstörte Zug blieb auf dem Fahrweg stehen. Die Bergung der Opfer war schwierig, weil die Trasse in etwa vier Metern Höhe auf Betonständern verläuft. Die Feuerwehr setzte Leitern und Kräne ein, um an den Zug zu kommen. Die Identifizierung der Opfer war wegen der Kraft des Aufpralls schwierig.

Staatsanwaltschaft und Betreiber IABG gehen von menschlichem Versagen als Unfallursache aus. Laut Staatsanwaltschaft darf der Transrapid erst losfahren, wenn der Arbeitswagen die Strecke verlassen hat. Das melden die Mitarbeiter auf dem Arbeitswagen per Telefon, wie es hieß. Völlig offen ist derzeit, warum die Mitarbeiter der Fahrdienstleitung den Zug dennoch losschickten.

Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte den aufgezeichneten Funkverkehr zwischen Zug und Fahrdienstleitung. Die Ermittlungen richten sich vor allem in Richtung der Leitstelle, von wo aus der führerlose und ferngesteuerte Zug kontrolliert wird.

Der niedersächsische Landesbrandmeister Karl-Heinz Schwarz sagte nach dem Besuch der Unglücksstelle: «Es ist ein schreckliches Bild für uns alle.» Landrat Hermann Bröring erklärte: «Ich habe die Gesichter der Feuerwehrleute gesehen, die brauchen einen Notfallseelsorger.» Mehrere Pastoren waren zur Anlage gekommen, um dort Angehörige der Opfer zu trösten und schockierten Helfern beizustehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel während einer Pressekonferenz in Lathen. (AP Photo/Joerg Sarbach)
Bundeskanzlerin Angela Merkel während einer Pressekonferenz in Lathen. (AP Photo/Joerg Sarbach)

Bundeskanzlerin Merkel sagte nach ihrem Besuch: «Ich möchte durch meinen Anwesenheit zeigen, dass meine Gefühle bei den Menschen sind.» Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sprach von einem «tragischen und grausamen Unfall». Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee brach eine China-Reise ab und wird am Samstag in Lathen erwartet.

Ein Kilometer vom Versuchsbahnhof entfernt verunglückt

Der Zug verunglückte einen Kilometer nördlich des Versuchsbahnhofs. Auf der 31,8 Kilometer langen Versuchsstrecke erreichen die Züge Geschwindigkeiten bis zu 450 Stundenkilometer. Die 1987 fertig gestellte Strecke liegt bei Lathen in Niedersachsen, etwa auf halbem Weg zwischen Papenburg und Meppen. Der Transrapid fährt anders als klassische Züge nicht auf Rädern, sondern schwebt auf einem Magnetfeld.

Die Betreiber-Gesellschaft geht nicht davon aus, dass der Unfall in der Konstruktion des Transrapids begründet ist. Die Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG) erklärte in München: «Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand hat die Unfallursache keinen technischen Hintergrund, sondern ist auf menschliches Versagen zurückzuführen.»

(AP)

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