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Deutsches Eishockeyteam 25 Freunde mit Zug zum Tor

Julian Vetten

12.05.2011

"Wir haben in den letzten zwei Jahren alle Erwartungen übertroffen" sagt Trainer Krupp und trifft den Nagel damit auf den Kopf. Foto: Ronald Zak/AP Photo
"Wir haben in den letzten zwei Jahren alle Erwartungen übertroffen" sagt Trainer Krupp und trifft den Nagel damit auf den Kopf.

Foto: Ronald Zak/AP Photo

Berlin/Bratislava – Für das deutsche Eishockey-Nationalteam ist die WM vorbei. Das 2:5 gegen Schweden am Mittwochabend besiegelte das Aus im Viertelfinale. Doch das Team von Trainer Uwe Krupp fährt nach starken Leistungen erhobenen Hauptes nach Hause.

Rückblick: Als Krupp vor knapp zwei Wochen die Eishalle in Bratislava betrat und sich auf die deutsche Bank begab, sah man ein feines Lächeln um die sonst so ernst geschlossenen Lippen des deutschen Trainers spielen. Vielleicht auch eher ein Schmunzeln, schließlich ging es am 29. April gleich zum Auftakt gegen die übermächtigen Russen.

37 mal stand man sich während einer Weltmeisterschaft schon gegenüber, ebenso oft fuhr die deutsche Auswahl hinterher geknickt vom Eis. Als Thomas Greilinger nach 24 Minuten und 19 Sekunden Deutschland mit 1:0 in Führung brachte, trauten selbst die deutschen Spieler dem Braten noch nicht so recht. Der Endstand lautete sogar 2:0, Russlands Spieler fuhren geknickt vom Eis. Dennis Endras war als deutscher Torhüter einer der Eckpfeiler des deutschen Triumphes und sagte nach dem Spiel: "Wir hatten noch die breite Brust vom letzten Jahr."

Historische Erfolge im Angebot

Und die behielten die Jungs um Krupp auch in der nächsten Partie gegen die Slowakei. 4:3 wurden die favorisierten Gastgeber in die Knie gezwungen, diesmal glänzte Dimitri Petzold mit fantastischen Paraden. Zum ersten Mal seit 1933 hatte ein deutsches Team wieder einen Gruppensieg in einer WM eingefahren.

"Wir sind 25 Freunde", erklärte Endras die homogene Spielweise der Mannschaft. Historische Erfolge gab es nun anscheinend im Angebot. Im dritten Spiel holte Deutschland einen 0:2-Rückstand noch auf und schlug Slowenien in einem packenden Penalty-Schießen. Drei Siege in Folge hatte es erst einmal gegeben, vor 81 Jahren. Auf einmal schien alles möglich, Außenseiter waren plötzlich nur noch die anderen.

Den ersten Dämpfer gab es in der Hauptrunde gegen starke Finnen. 13 Sekunden waren gespielt, als der Puck zum 0:1 ins Netz rutschte. Deutschland biss und holte Rückstände immer wieder auf, verlor aber schließlich im Penalty-Schießen mit 4:5. Einen Punkt gab es immerhin, das Viertelfinale war damit schon fast sicher. Nicht schlimm also, das Ganze, müssen sich die 25 Freunde wohl gedacht haben.

Stinksauer nach dem Dänemark-Spiel

Am nächsten Tag wirkten sie gegen Dänemark uninspiriert und ohne den Kampfgeist, der sie in den übrigen Spielen ausgezeichnet hatte. Wieder verlor Deutschland im Penalty-Schießen, diesmal 3:4. "Ich bin stinksauer. Wir müssen schlauer sein und den Sack zumachen", schimpfte Felix Schütz nach dem Spiel.

In der deutschen Umkleidekabine hing eine eng beschriebene Tafel. In eine Blase hatte Krupp deutsche Tugenden geschrieben. Kampfgeist konnte man da lesen, Zusammenhalt und Disziplin. Etwas weiter unten war das deutsche Spiel beschrieben, wie es sein sollte. Körperlich mit vollem Einsatz über die volle Distanz, dabei immer Zug zum Tor. Gegen Tschechien fand die deutsche Auswahl zu diesem Spiel zurück. Zwar gewannen die amtierenden Weltmeister klar mit 5:2, aber Deutschland spielte wieder mit dem Willen der ersten Spiele und musste sich nie verstecken.

"Alle Erwartungen übertroffen"

Das Ende der Fahnenstange war schließlich am Mittwoch im Viertelfinale gegen Schweden erreicht. Nach den frühen Rückständen gegen Finnland und Tschechien bekam die deutsche Mannschaft diesmal nach 27 Sekunden ihren ersten Gegentreffern. Wieder folgte ein rascher Ausgleich und wieder reichte es trotz engagiertem Einsatz am Ende nur zu einem 2:5.

Niedergeschlagenheit machte sich trotzdem nur kurz bemerkbar, dafür hatte man zu viel erreicht. Nach dem vierten Platz bei der WM im eigenen Land letztes Jahr ist Deutschland 2011 wieder unter den acht besten Teams der Welt. "Wir haben in den letzten zwei Jahren alle Erwartungen übertroffen" sagt Krupp und trifft den Nagel damit auf den Kopf. Um seine Lippen spielt dabei ein feines Lächeln. Vielleicht ist es aber auch eher ein Schmunzeln.

(dapd)

 

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